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18.06.2015

14:08 Uhr

Airbus sucht Käufer

A380 auf dem Flug ins Ungewisse

VonMarkus Fasse, Thomas Hanke, Jens Koenen

Airbus sucht händeringend Käufer für die A380 – selbst auf der Hausmesse in Le Bourget finden sich keine Neukunden für den Riesenflieger. Droht dem Milliarden-Projekt nun das Aus?

Airbus-Superjumbo droht das Aus

War der A380 eine Fehlplanung?

Airbus-Superjumbo droht das Aus: War der A380 eine Fehlplanung?

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München/Le BourgetSie ist schon etwas betagt. Vor zehn Jahren absolvierte die doppelstöckige A380 ihren Erstflug, 2007 wurde die erste Linienmaschine ausgeliefert. Doch in der Luftfahrt ist das kein Alter. Immer noch ist das Flugzeug ein Star. So auch derzeit im französischen Le Bourget. Besucher können dort am Boden eine A380 von Qatar Airways bestaunen, ein weiteres Flugzeug ist bei Flugmanövern zu beobachten.

Kein Flugzeug ist größer, keines imposanter und keines teurer. Über 400 Millionen US-Dollar ruft Airbus laut Liste für ein Exemplar auf. Airbus verspricht dafür eine deutlich bessere Effizienz und damit niedrigere Kosten. Dennoch mutiert das Airbus-Flaggschiff zum Ladenhüter. Seit drei Jahren wartet der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern nun schon auf einen Neukunden. Aber auch auf seiner „Hausmesse“ in Le Bourget ist keiner in Sicht.

Airbus steckt in einem Dilemma. Einerseits braucht das Unternehmen neue Kunden für den Riesen, soll er zu einem wirtschaftlichen Erfolg werden. Nach Produktionsproblemen dürfte es Airbus in diesem Jahr zum ersten Mal gelingen, rund 30 Exemplare auszuliefern und zumindest operativ in die schwarzen Zahlen zu kommen. Doch kommen nicht bald neue Aufträge, muss schon 2018 die Produktion gedrosselt werden, wie es in der Konzernzentrale in Toulouse heißt. Eine profitable Produktion ist dann kaum mehr möglich. Und die Entwicklungskosten von zwölf Milliarden Euro sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt.

A380: Die harte Landung des Wundervogels

Teurer Wundervogel

Gut zwölf Milliarden Euro kostete die Entwicklung des Airbus A380. Die Maschine löste den Boeing Jumbo-Jet als größtes Passagierflugzeug der Welt ab. Die Entwicklung verlief mehr als holprig – und auch nach dem Jungfernflug gab es noch lange Probleme. Eine Chronologie.

A3XX

Juni 1994: Unter dem Codenamen A3XX beginnt das Airbus-Konsortium mit dem Entwurf für den neuen Super-Airbus.

555 Sitze

Dezember 2000: Airbus gibt offiziell den Startschuss für das doppelstöckige Flugzeug, das mit 555 Sitzen die Boeing 747 als weltgrößtes Passagierflugzeug ablösen soll. Aus A3XX wird A380. Der erste Flug ist für 2004, die Auslieferungen an die Kunden ab 2005 geplant.

Kosten über Budget

Dezember 2004: Der damalige Airbus-Mutterkonzern EADS kündigt an, dass das A380-Projekt 1,45 Milliarden Euro über Budget liegt. Die Entwicklungskosten belaufen sich damit auf rund zwölf Milliarden Euro.

Kabelprobleme

18. Januar 2005: Airbus lässt erstmals die Öffentlichkeit einen Blick auf den doppelstöckigen Riesen werfen.

27. April: Die A380 meistert ihren Jungfernflug.

1. Juni: Airbus kündigt an, dass sich die ersten Auslieferungen um bis zu sechs Monate verzögern. Grund sind Probleme beim Einbau der 500 Kilometer umfassenden Verkabelung.

Drei Chefs in einem Jahr

13. Juni 2006: Airbus kündigt eine zweite Verzögerung um weitere sechs Monate an.

2. Juli: EADS-Co-Chef Noël Forgeard und sein Nachfolger als Airbus-Chef, Gustav Humbert, treten wegen der erneuten Verzögerung zurück. Neuer Airbus-Chef wird Christian Streiff.

Oktober: Die Auslieferung des A380 wird um ein weiteres Jahr verschoben. Damit liegt das Projekt nun zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Airbus kündigt zudem das Sanierungsprogramm „Power8“ an. Details bleiben offen. Nach nur 100 Tagen im Amt wirft Airbus-Chef Christian Streiff das Handtuch. Sein Nachfolger wird EADS-Co-Chef Louis Gallois.

7. November: Als erster Kunde storniert Fedex seine Bestellung von zehn A380-Frachtmaschinen für 2,5 Milliarden Dollar und ordert beim US-Erzrivalen Boeing.

12. Dezember: Die europäische Behörde für Flugsicherheit (EASA) und die US-Luftfahrtbehörde FAA lassen den A380 nach monatelangen Tests zum Flugbetrieb zu.

Enders übernimmt

17. Januar 2007: Zum ersten Mal seit 2000 bleibt Airbus bei den Bestellungen wieder hinter Boeing zurück. Bei den Auslieferungen liegen die Europäer jedoch weiter vor dem US-Rivalen.

Februar: Airbus gibt bekannt, die Werke in Varel, Laupheim und Saint Nazaire verkaufen zu wollen. Für Nordenham, Meaulte und Filton sollen Partner gefunden werden. In den nächsten vier Jahren sollen 10.000 Stellen wegfallen. Die Hälfte davon bei Airbus selbst, die andere Hälfte betrifft Zeitarbeiter. Es gibt Proteste gegen die Sparpläne.

März: Airbus legt die Frachtversion des A380 auf Eis. Frühestens 2015 will Airbus das Programm wieder aufnehmen. Der Gewinn der Airbus-Mutter EADS bricht wegen roter Zahlen bei dem Flugzeugbauer um 90 Prozent ein.

16. Juli 2007: Die Doppelspitzen bei EADS werden abgeschafft. Louis Gallois wird alleiniger Chef von EADS und übergibt den Airbus-Chefsessel an Tom Enders, bis dahin zusammen mit Gallois Co-Chef von EADS.

Erster Linienflug

27. September 2007: British Airways gibt seine jahrzehntelange Loyalität zu Boeing bei Langstreckenflugzeugen auf und bestellt zwölf A380.

15. Oktober: Singapore Airlines erhält nach fast zweijähriger Verzögerung seinen ersten A380.

25. Oktober: Erster Linienflug von Singapur nach Sydney. Singapore Airlines versteigerte die Tickets über das Internet-Auktionshaus Ebay und nahm fast eine Million Euro ein.

Produktionsprobleme

Mai 2008: Airbus kündigt an, in den Jahren 2008 und 2009 weniger Flugzeuge auszuliefern. Großkunden wie Emirates müssen vertröstet werden. 2009 und 2010 werden dann sogar weniger A380 ausgeliefert, als es sich der Konzern vorgenommen hatte.

2010/2011: Emirates erhöht trotz der Probleme die Anzahl der Bestellungen. Auch die Lufthansa ordert zwei Maschinen mehr. Weitere Flug- und Leasinggesellschaften werden als Kunden gewonnen.

Haarrisse

Anfang 2012: Haarrisse in kleinen L-förmigen Verbindungsstücken, die in jedem Flügel der A380 verbaut sind, werden entdeckt. Die gesamte A380-Flotte muss überprüft werden. Eine vollständige Reparatur dauert bis zu zwölf Wochen – und kostet die Airlines viel Geld, weil die Maschinen am Boden bleiben.

14. März 2013: Der 100. A380 wird an Malaysia Airlines ausgeliefert.

Juli 2014: Diesmal machen die Türen Probleme: Es gibt Klagen über Lärmentwicklung und Druckabfälle in der Kabine. Airbus will nachbessern.

Es habe in den zurückliegenden zwölf Monaten nur wenige Orders für solche Großraumflugzeuge gegeben, sagt Ben Moores, Analyst beim Marktforscher IHS Aerospace, Defence Security: „Es wären mindestens 20 Neubestellungen notwendig, um die künftige Produktion abzusichern.“

Andererseits hängt der Kaufwille potenzieller Kunden an einer Modernisierung des Flugzeugs, die erneut viel Geld kosten würde. Großkunde Emirates etwa würde neue Maschinen kaufen, allerdings nur, wenn Airbus neue Triebwerke und Flügel spendiert, es also eine A380 neo geben wird. „Die A380 neo muss gebaut werden“, sagte Tim Clark, der Chef von Emirates, am Rande der Paris Air Show: „Wir würden nicht nur alle unsere bisherigen A380 mit dem Neo ersetzen, sondern zusätzliche für das Drehkreuz in Dubai ordern.“

Das wären mindestens 100 Flugzeuge. Doch Airbus-Chef Tom Enders reicht das nicht. Er will den Aufwand für die Entwicklung des Neo, der vom Unternehmen auf zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt wird, nur investieren, wenn sich weitere Kunden finden - möglichst in China.

Kommentare (6)

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Herr Renatus Isenberg

18.06.2015, 14:50 Uhr

Es scheint mir neben der Sorge, diese Flugzeuge auch immer voll zu bekommen, dass der Start des Modells sehr problematisch war und Käufer abschreckt.
Nur mit göttlichem Glück wurde kurz nach der Einführung des Flugzeuges ein Total Crash mit 400 Toten bei einer Fluggesellschaft (war es Quantas?) vermieden als die Motoren des A380 explodierten.
Airbus ist nicht das Super solide Werk, liegt es an der "politisch korrekten" Zersplitterung des Werkes auf 4 Länder, mit 4 verschiedenen Mentalitäten, die sich logischerweise auf die Arbeitsweise auswirken?

Herr Josef Schmidt

18.06.2015, 15:12 Uhr

NH90, A400M, A380 lauter erfolgreiche Projekte.

Alles "Europäische" scheint den Bach runter zu gehen.

Herr Wolfgang Bürger

18.06.2015, 15:16 Uhr

...nicht alles was technisch möglich ist macht auch Sinn !!?? Es gab da mal ein Überschall-Passagierflugzeug, das nach einem verheerenden Startunfall abgeschafft wurde.
Es wird halt immer mehr an die technischen Grenzen gegangen - und es gibt nunmal technische Grenzen.
Es wird niemals ein Auto geben, das schon beim Berühren des Gaspedals auf 200km/H ist. Da können sich die Ingenieure noch so den Kopf zerbrechen.

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