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18.06.2015

14:07 Uhr

Boeing

Ein Jumbo für die Nische

VonJens Koenen

Boeing stutzt die Planung für Großraumflugzeuge zurecht. Die Nachfrage für die 747-8 ist gering. Doch im Gegensatz zum europäischen Konkurrenten kann der Airbus-Rivale in Le Bourget einen kleinen Erfolg vermelden.

Der US-Hersteller sucht für die Neuauflage nach Kunden. Reuters

747 von Boeing

Der US-Hersteller sucht für die Neuauflage nach Kunden.

Le BourgetDen Titel „Königin der Lüfte“ konnte ihr der A380 nie streitig machen. Doch wie ihr europäischer Herausforderer sucht auch die Neuauflage der 747, die 747-8, derzeit nach Kunden. Zwar konnte Boeing am Mittwoch für seinen Jumbo anders als Airbus zumindest einen Erfolg melden. Das russische Frachtunternehmen Volga-Dnepr-Gruppe will in den nächsten sieben Jahren 20 Maschinen des Typs 747-8 kaufen. Das dürfte die Produktion für zusätzlich eineinhalb Jahre sichern.

Dennoch ist die Nachfrage längst nicht so stark wie von Boeing einst erwartet, vor allem nicht im großen und wichtigen Markt für Passagierflugzeuge. Nur 142 feste Bestellungen liegen mit der aktuellen Order für das Flugzeug vor, davon allerdings allein 91 für die Frachtversion.

Mittlerweile ist deshalb etwas mehr Realismus im Management von Boeing eingezogen, wenn es um die Zukunft von Großraumflugzeugen geht. „Wir sehen das Flugzeug eher in der Nische“, räumte Bruce Dickinson, der Programmchef der 747, kürzlich ein. Aber es gebe einen Markt für das Flugzeug. „Wir bieten eine hohe Profitabilität, nicht zuletzt durch die sehr spezielle Premiumklasse mit ihrer speziellen Konfiguration.“ Boeing wirbt für sein Flaggschiff stark mit der Möglichkeit, die erste Klasse deutlich zu separieren - etwa in der Flugzeugnase unterhalb des Cockpits.

Doch bislang sind nur wenige etablierte Fluggesellschaften darauf angesprungen. Lange Zeit war Lufthansa nicht nur Erst-, sondern auch einziger Kunde für die gestreckte Passagierversion der 747. 19 Flugzeuge hat die deutsche Fluggesellschaft bestellt, die letzte wurde im April geliefert. Mittlerweile ist Air China mit sechs Flugzeugen dazugekommen, auch Korean Air will zehn Maschinen. Sonst finden sich aber eher unbekannte Namen wie etwa Arik Air auf der Kundenliste oder aber die russische Transaero, die allerdings mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat. Und da sind noch neun Bestellungen von vermögenden Kunden, die den Jumbo als Business-Jet nutzen wollen, sowie eine neue Airforce One für den US-Präsidenten, die geplant ist.

Damit verkauft sich die Neuauflage der 747 sogar noch schlechter als der A380. Allerdings hat Boeing gegenüber Airbus zumindest einen Vorteil. Der Konzern musste das Flugzeug nicht komplett neu entwickeln und kann bei der Produktion auf bestehende Fertigungslinien im Werk Everett bei Seattle aufbauen. „Wir bauen derzeit 16 Maschinen pro Jahr. Wir könnten sogar noch tiefer gehen, wir machen schon jetzt Marge“, betont Dickinson.

Dennoch hat auch Boeing viel Geld in die Neuauflage seines Großraumflugzeugs gesteckt. 70 Prozent des Flugzeuggewichts seien neu, man habe zum Beispiel deutlich mehr mit leichtem Aluminium gearbeitet, so Dickinson. Zudem gebe es Synergien mit anderen Flugzeugen. „Die Erfahrungen, die wir bei der Effizienzsteigerung der Triebwerke für die 787 gesammelt haben, haben auch bei der 747 geholfen.“

Und so hofft der Topmanager, dass sich doch noch neue Kunden für die „Königin der Lüfte“ finden werden. Viele Airlines müssten ihre mittlerweile betagten 747-400 ersetzen, so Dickinson. Auch würde der Frachtmarkt ab 2015 sicherlich wieder anziehen. „Vier Triebwerke haben in bestimmten Märkten eine höhere Profitabilität als zweistrahlige Maschinen“, ist sich Dickinson sicher.

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