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16.06.2015

06:18 Uhr

Bordservice

Wie die Airlines den Flug versüßen

VonCaroline Lindekamp

Bei den Airlines steht individueller Luxus in den Premium-Klassen dem Preiskampf bei den Billigfliegern gegenüber. Diesen Spagat muss auch der Bordservice meistern: Mal wird ein Sterne-Menü, mal matschige Lasagne serviert.

So viele Tablette bestücken die Mitarbeiter von LSG Sky Chefs jährlich für Fluggäste rund um die Welt. (Quelle: LSG Sky Chefs)

578 Millionen Mahlzeiten

So viele Tablette bestücken die Mitarbeiter von LSG Sky Chefs jährlich für Fluggäste rund um die Welt.

(Quelle: LSG Sky Chefs)

Paris„Chicken or pasta?“, sind die kulinarischen Klassiker über den Wolken, die Stewardessen einen Flug nach dem anderen, eine Sitzreihe nach der anderen den Passagieren zur Auswahl stellen. Auf Airlinemeals kanzeln die Fluggäste matschige Nudeln, trockene Brötchen, welken Salat und fade Snacks ab. Mehr als 35.000 Fotos von Bordessen haben sie auf der Homepage schon mit den passenden Kommentaren hinterlassen: „Verdammt schlecht“, „Ich glaube, es war Huhn“ oder einfach nur „Nein“ heißt es da.

Doch nicht alles beleidigt den Gaumen der Fluggäste und einige Gerichte schaffen bei „Airlinemeals“ die Bestnote 10. „Gerade Passagiere der Business und First Class kommen regelmäßig in den Genuss regionaler und auch saisonaler Küche“, sagt Erich Ruppen, Genussexperte für Europa bei dem Marktführer in Sachen Flugzeug-Catering. Die Lufthansa-Tochter LSG Sky Chefs ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter, wenn es um Bordservice geht. In Zahlen bedeutet das jährlich 578 Millionen Mahlzeiten vor allem für Airlines, genau genommen für über 300 an 214 Flughäfen in 51 Ländern. Der Umsatz lag dem Unternehmen zufolge im vergangenen Jahr bei 2,6 Milliarden Euro.

Vernichtend ist das Urteil zu dem Angebot eines Billigfliegers. Für einen fast dreistündigen Flug um 6 Uhr morgens bedeuten für den Fluggast Rosinen und Muffin einen schlechten Start in den Tag. (Screenshot: www.airlinemeals.com)

1 von 10 Punkten

Vernichtend ist das Urteil zu dem Angebot eines Billigfliegers. Für einen fast dreistündigen Flug um 6 Uhr morgens bedeuten für den Fluggast Rosinen und Muffin einen schlechten Start in den Tag.

(Screenshot: www.airlinemeals.com)

Mit dieser Vielzahl an Kunden muss LSG Sky Chefs im Bordmenü den Spagat schaffen, der bezeichnend für eine ganze Branche ist: Luxus in den Premiumklassen gegenüber dem Preiskampf im Billigsegment. „Früher gab es nur ein traditionelles Catering-Modell, heute müssen wir unsere Produktlösungen grundsätzlich in verschiedene Kategorien unterteilen“, sagt Ruppen. „Im Economy-Bereich verändern sich die Anforderungen mehr und mehr Richtung Kostenbewusstsein. Im Premium-Bereich streben die Airlines zunehmend die Differenzierung über den Bordservice an.“

Während LSG zur Weihnachtszeit auch mal ganz traditionell Gans mit Rotkohl und Klößen ausliefert, geht der generelle Trend zu mehr Obst, Salat und Gemüse. Leichte Küche ist gefragt, und auf Gewichtsreduzierung setzen die Airlines auch bei den Bordküchen. Denn Energieeffizienz ist aktuell bei der Luftfahrtschau in Le Bourget das Verkaufsargument der Flugzeugbauer. Doch da diese wenig Innovationen bei ihren Maschinen präsentieren können, setzen sie auf weniger Masse.

„Immer strengere Sicherheitsbestimmungen stellen Zulieferer wie uns vor stetig neue Herausforderungen. Hinzu kommt der Wunsch nach Gewichtsreduzierung und nach neuen Materialien“, bestätigt Sell-Geschäftsführer Vincent Jonquières den Trend. Das deutsche Unternehmen, mittlerweile Teil des französischen Flugzeugausstatters Zodiac Aerospace, baut schon seit den frühen 1950er Jahren Bordküchen, sogenannte Galleys. „Bei den Anfängen der Flugzeugküchenproduktion war es damals schon ein Meilenstein, wenn überhaupt Service an Bord angeboten werden konnte“, sagt Jonquières. „Aber mit der Zeit wurde das natürlich Standard und damit wachsen die Ansprüche.“

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