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21.06.2017

14:47 Uhr

Neue Flugschreiber vorgestellt

Airbus erleichtert die Blackbox-Suche

Nach einem Flugzeugunglück über dem Meer ist es für Rettungskräfte oft schwierig, an die Flugdatenschreiber der gesunkenen Maschinen zu kommen. Airbus will das bei Blackboxen für Langstreckenjets künftig ändern.

Ab Ende 2019 sollen Langstreckenjets von Airbus bei einem Absturz ins Meer die schwimmfähigen Blackboxen ausstoßen. dpa

Neue Blackbox-Technik vorgestellt

Ab Ende 2019 sollen Langstreckenjets von Airbus bei einem Absturz ins Meer die schwimmfähigen Blackboxen ausstoßen.

Le BourgetDer Flugzeugbauer Airbus will bei Flugzeugunglücken die Suche nach den Flugdatenschreibern erleichtern. Ab Ende 2019 sollen Langstreckenjets des Konzerns bei einem Absturz ins Meer schwimmfähige Blackboxen ausstoßen. Die Technik stellte Airbus gemeinsam mit Zulieferern am Mittwoch auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris vor.

Bisher gestaltet sich die Suche nach den Flugdatenschreibern und Stimmrekordern im Meer oft schwierig: Beide Geräte sind zwar so verbaut, dass sie einen Aufprall aus großer Höhe relativ unbeschadet überstehen. Doch werden sie bei einem Untergang der Maschine mit in die Tiefe gezogen und sind dann für Bergungskräfte oft nahezu unerreichbar.

Verschollene Flugzeuge

Ganz seltener Fall

Ein Flugzeug verschwindet - das passiert in Zeiten von Radar, Funkverkehr und anderen technischen Errungenschaften nur ganz selten. Nach einem Absturz werden Wracks meist innerhalb weniger Stunden geortet. Doch manchmal kann es auch Tage oder Wochen dauern, bis man Hinweise auf den Verbleib der Maschinen und das Schicksal der Insassen findet - etwa wenn die Flugzeuge über abgelegenen Gebieten, unwegsamem Gelände oder dem offenen Meer abgestürzt sind.

Malaysia Airlines Flug 370

Im März 2014 verschwindet Flug 370 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute fehlt von der Maschine mit 239 Menschen an Bord jede Spur.

Air France Flug 447

Nach dem Absturz des Airbus A330 im Jahr 2009 wurden Wrackteile innerhalb weniger Tage gefunden. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Rumpf der Maschine auf dem Grund des Atlantik entdeckt wurde. Die Maschine war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen um.

Adam Air

Eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft mit 102 Menschen an Bord stürzte am 1. Januar 2007 ab. Teile des Hecks und andere Trümmer wurden einige wenige Tage später entdeckt. Bis zur Bergung der Blackbox und des Stimmrekorders dauerte es neun Monate. Der Rumpf liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans.

Merpati Nusantara Airlines

1995 verschwand eine Maschine der indonesischen Airline auf dem Flug zwischen zwei Inseln des Archipels. Von der Havilland Twin Otter 300 mit 14 Insassen fehlt bis heute jede Spur.

Faucett Airlines

Eine Boeing 727 der peruanischen Fluggesellschaft mit Ziel Miami in den USA stürzte im Jahr 1990 über dem Nordatlantik ab, weil ihr der Treibstoff ausging. 18 Angestellte der Airline und ihre Angehörigen waren an Bord. Das Wrack wurde nie gefunden.

Luftwaffe Uruguays

Die Geschichte der Fairchild FH-227 und ihrer Insassen war Stoff für mehrere Bücher und Filme. Die Turboprop-Maschine stürzte 1972 in den Anden ab, mehr als ein Dutzend der Insassen kamen dabei ums Leben. Einige der Überlebenden machten sich auf die Suche nach Hilfe. Die anderen wurden später gerettet. In der Zeit bis zur Bergung hatten sie sich vom Fleisch der Toten ernährt.

Flying Tiger Line

Die Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation sollte im Jahr 1962 US-Soldaten nach Vietnam bringen. Doch schon die Zwischenstation auf den Philippinen erreichte das Flugzeug mit 107 Insassen nie. Dutzende Flugzeuge und Schiffe suchten den Westpazifik ab - vergeblich.

Zudem verstummt das Ortungssignal, mit dem die Geräte auf sich aufmerksam machen, nach einer gewissen Zeit – meist nach etwa 30 Tagen. Danach sind die Datenschreiber, die Auskunft über die letzten Minuten an Bord und mögliche Absturzursachen geben können, für Suchmannschaften nicht mehr aufzuspüren.

Vor allem zwei Flugzeugkatastrophen der jüngeren Vergangenheit haben den Ruf nach verbesserten Flugdatenschreibern laut werden lassen: Nach dem Absturz eines Airbus von Air France 2009 vor der lateinamerikanischen Küste hatte es zwei Jahre gedauert, bis die Boxen aus großer Tiefe geborgen werden konnten. Die Boxen der Boeing, die als Malaysia-Airlines-Flug MH370 im Jahr 2014 im Indischen Ozean verschwand, wurden bis heute nicht entdeckt.

Die neue Technik steht auch anderen Herstellern offen

Die neuen Flugdatenschreiber von Airbus sollen mehrere Verbesserungen bringen. Während Flugzeuge bisher getrennte Rekorder für Flugdaten und Sprachaufnahmen aus dem Cockpit besitzen, sollen Airbus-Jets künftig zwei Boxen haben, die beides enthalten.

Gemäß neuer Vorgaben von Flugaufsichtsbehörden sollen sie zudem Sprachaufnahmen der letzten 25 Stunden speichern. Bisher sind nur zwei Stunden gefordert. Außerdem sollen die fest installierten Boxen 90 Tage lang ein Ortungssignal abgeben.

Bei den Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe will Airbus gleich zwei der neuen Blackboxen einbauen. Für die Langstreckenjets wie die A330, A350 und A380 sowie die Langstreckenversion der A321neo sind je eine fixe und eine ausstoßbare Box geplant. Sie wird am Heck platziert und soll sich automatisch lösen, falls sich das Flugzeug etwa durch einen Aufprall verformt oder mehr als zwei Meter unter Wasser sinkt.

Airbus würde die neue Technik gern zum Standard machen. Sie stehe auch anderen Flugzeugbauern offen, hieß es.

Kommentare (1)

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Herr hartmut braune

23.06.2017, 09:09 Uhr

.....und wenn es so ist.....wie beschrieben.....und Airbus es erprobt hat....und davon ist auszugehen...kann diese Erfindung.....im Dienste der Menschen....garnicht hoch genug gewürdigt werden.....so wird man vorher aus großen Höhen dieses Gerät auf praxisnahen Formteilen untergebracht.....hat abstürzen lassen.....also eine tolle Bereicherung für die Menschheit....
Was ist weiter dazu zu sagen?......ein sehr guter Fortschritt.....was auch die technische Innovation betrifft.....für unseren Europäischen Flugzeugkonzern Airbus.....mein herzlicher Glüchwunsch dazu....

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