Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.06.2017

12:19 Uhr

Neue Flugzeugmodelle

Kommt die Stretchlimo der Lüfte?

VonThomas Hanke, Jens Koenen

Die Situation erinnert ein wenig an Schach: Mit Argusaugen belauern sich Boeing und Airbus bei Thema Stretch-Version ihrer Erfolgsmodelle 777 und A350. Wer prescht als erster mit einem mutigen Zug vor?

Offizielle Sprachversion bei Airbus: Eine Langversion wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen. dpa

Airbus A350

Offizielle Sprachversion bei Airbus: Eine Langversion wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

ParisWie weit kann ein Flugzeug in die Länge gezogen werden, ohne dass eine komplette Neuentwickelung notwendig ist? Diese Frage beschäftigt die Entwicklungsabteilungen von Airbus und Boeing seit Monaten.

Auf dem Papier sollen die beiden Flugzeugriesen bereits Entwürfe für eine Boeing 777-10X sowie eine A350-2000 vorliegen haben. Der eine oder andere Luftfahrtexperte hatte schon auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough im vergangenen Sommer damit gerechnet, dass Boeing entsprechende Pläne öffentlich macht.

Doch ganz so einfach ist die Angelegenheit wohl doch nicht. Auch auf der Paris Air Show, die an diesem Montag beginnt, wird es wohl zu diesem Thema noch keine News geben.

Die Situation erinnert ein wenig an Schach. Wer prescht als erster mit einem mutigen Zug vor? Mit Argusaugen belauern sich Boeing und Airbus bei Thema Stretch-Version.

Strategisch hat Airbus einen kleinen Vorteil. Die Produktion der A350-1000, die in den kommenden Tagen in Le Bourget gezeigt wird, läuft hoch, neue Flugzeugmodelle sind nicht in Planung. Die Ingenieure könnten also mit voller Kraft an einer Langversion arbeiten und diese rasch auf den Markt bringen. Dagegen wird bei Boeing Kapazität erst später frei, denn die 777-X soll erst 2020 auf den Markt kommen.

Ist der Bedarf groß genug?

Der Bedarf scheint da zu sein, die Frage ist allerdings: Ist er auch groß genug? Bisher ist vor allem Singapore Airlines als Interessent bekannt. Die Fluggesellschaft hat 67 A350-900 bestellt, davon sieben mit zusätzlichen Tanks für große Flugstrecken, die so genannte LR-Version. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres haben Boeing und Airbus nach Informationen aus Branchenkreisen mit Macht um weitere Kunden geworben, ob auch mit Erfolg, ist bislang nicht bekannt.

Bis jetzt lautet die Sprachregelung bei Airbus: Eine Langversion wird nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Schon mit einer vergleichsweise geringen Verlängerung ließen sich rund 30 Passagiere mehr unterbringen und damit die Kosten pro Passagier, wichtigste Währung für die Fluggesellschaften, senken.

Doch für die Manager in Toulouse ist klar: „Das hat keine Priorität für uns, wir konzentrieren uns ganz auf die A350-1000.“ Die soll im Herbst ihre Lizenz bekommen und in die Serienfertigung gehen. „Die erste Lieferung peilen wir vor Ende des Jahres an“, sagt Airbus-Zivil-Chef Fabrice Brégier.

Insgesamt ist der Franzose zufrieden mit der A350: „Bei Maschinen, die bereits in Dienst sind, erreichen wir bei Verbrauch, Komfort und Zuverlässigkeit Werte über dem Ziel.“ Bei der Zuverlässigkeit liegt sie gar bei 99 Prozent. Doch die Qualität der Lieferkette sei „noch nicht gut für das beste Großraumflugzeug der Welt.“ Brégier ist anspruchsvoll. Deshalb gibt es eine Stretchversion wohl auch erst, wenn alles stimmt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×