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22.06.2017

16:26 Uhr

Qatar Airways

Golf-Airline will sich bei American Airlines einkaufen

VonJens Koenen, Christoph Schlautmann

US-Präsident Trump hat Katar auf die Liste jener Länder gesetzt, von denen eine Terrorgefahr ausgeht. Nun will sich Akbar Al Baker, Chef von Qatar Airways, zehn Prozent an der größten Fluggesellschaft der USA sichern.

Der Chef von Qatar Airways hat es auf Anteile von American Airlines abgesehen. Reuters

Akbar Al Baker

Der Chef von Qatar Airways hat es auf Anteile von American Airlines abgesehen.

Frankfurt/DüsseldorfFür Akbar Al Baker, Chef von Qatar Airways, zählt nur das Geschäft. Die aktuellen politischen Unruhen am Persischen Golf, wo die Nachbarstaaten das Emirat Katar wegen angeblicher Unterstützung von Terroristen isoliert hat, versucht er nach Kräften zu ignorieren.

Am Dienstag etwa nahm er – unbeeindruckt vom diplomatischen Konflikt – in Le Bourget bei Paris den Preis für die beste Airline der Welt entgegen. Am Donnerstag legte er nach: Qatar Airways will zehn Prozent der Anteile an American Airlines erwerben – mit fast 199 Millionen Fluggästen im vorigen Jahr die größte Airline in den USA.

Aus einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass es bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gibt. Danach ist Qatar bereit, bis zu 808 Millionen Dollar in American zu investieren. Gekauft werden sollen die Papiere am freien Markt.

Q&A Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine „regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann“ genannt haben.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Die Pläne passen in die Strategie von Al Baker. So ist Qatar bereits mit 20 Prozent an der IAG beteiligt, der Holding von British Airways, Iberioa, Aer Lingus und Vueling. Auch erwarb die Airline aus Doha zehn Prozent an der lateinamerikanischen Lata (Chile und Brasilien).

Darüber hinaus sind Qatar Airways und American Airlines schon jetzt Partner in die Luftfahrt-Allianz Oneworld. Ihr gehören auch die Fluggesellschaften British Airways und Iberia an. Deutsches Mitglied der Oneworld-Allianz ist Air Berlin.

Da Qatar mehr als 4,75 Prozent an der Gesellschaft kaufen will, braucht die Airline dafür die Zustimmung des American-Verwaltungsrates. Das sieht die Satzung vor. Diese Genehmigung steht noch aus.

Vor allem aber dürfte die US-Regierung ein Wörtchen mitreden. US-Präsident Donald Trump hat Katar auf die Liste jener Länder gesetzt, von denen eine potentielle Terrorgefahr ausgeht. Unter anderem deshalb dürfen Passagiere, die von dort in die Vereinigten Staaten einreisen, keine Laptops mit an Bord nehmen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang zudem, dass American in der Börsenmitteilung ausdrücklich die Subventionen der Golf-Staaten für ihre Airlines anprangert. „American Airlines glaubt weiterhin, dass sich der US-Präsident und seine Administration dafür einsetzen werden, dass die massiven Subventionen für die Fluggesellschaften, die die US-Luftfahrt und amerikanische Jobs treffen, beendet werden“, heißt es in dem Statement.

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