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16.06.2015

09:51 Uhr

Sparprogramm

„Score“-Meldung rüttelt Lufthansa kräftig durch

Die Ziele des Sparprogramms „Score“ werden nicht erreicht: Ein Bericht über einen geringeren Jahresgewinn rüttelt die Lufthansa-Aktie durch. Die Airline dementiert – obwohl das Sparprogramm nicht so erfolgreich ist.

Ein Airbus 380-800 der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa: Das Sparprogramm der deutschen Airline hat seine Ziele verfehlt. dapd

Flugzeug der Lufthansa

Ein Airbus 380-800 der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa: Das Sparprogramm der deutschen Airline hat seine Ziele verfehlt.

FrankfurtDie Lufthansa bekräftigt ihr bisheriges Gewinn-Jahresziel. Der Konzern erwarte für dieses Jahr wie gehabt mindestens 1,5 Milliarden Euro operativen Gewinn, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag. Die Lufthansa-Aktie grenzte daraufhin ihre Verluste ein.

Zuvor hatte es in einem Medienbericht geheißen, dass die Lufthansa die im Sparprogramm „Score“ angepeilten Ziele nicht erreichen werde. Die Tatsache, dass „Score“ nicht die erwarten Ergebnisse bringen werde, sei bereits seit langem bekannt, sagte der Sprecher.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Wegen starker „Gegenläufer“ etwa bei Treibstoffpreisen und Ticketerlösen werde man das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) für 2015 voraussichtlich um rund 800 Millionen Euro statt der vorgesehenen 1,5 Milliarden Euro steigern, hatte dagegen zuvor Projektmanager Jörg Beißel in der Lufthansa-Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ berichtet.

Von über 7500 aufgesetzten Projekten seien fast 6000 abgeschlossen und hätten eine Brutto-Sparwirkung von rund 3,6 Milliarden Euro gebracht. Das zum Jahresende 2015 auslaufende Sparprogramm war vom vorigen Lufthansa-Chef Christoph Franz gestartet worden und sollte sämtliche Prozesse im gesamten Konzern auf den Prüfstand stellen. So wird unter anderem die Zahl der verschiedenen Flugzeugtypen im Konzern reduziert und das Kerosin für alle Fluggesellschaften gemeinsam beschafft. Mit dem Programm war auch der Abbau von 3500 Jobs verbunden.

Die Konzernstrategen rechnen mit weiteren harten Kostenbelastungen in dem erlösschwachen Airline-Geschäft. Pro Jahr sei mit rund 700 Millionen Euro zusätzlichen Kosten für Gebühren, Löhne und Material zu rechnen, betonte Beißel. Dies müsse ausgeglichen werden, nur um das Ergebnis zu halten.

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