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20.06.2017

15:37 Uhr

Überschallflieger Boom

76 Bestellungen für Concorde-Nachfolger

Die US-Firma Boom möchte Passagieren wieder den Überschallflug ermöglichen und das schwere Erbe der Concorde antreten. Auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget gab es schon 76 Bestellungen.

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Le BourgetÜber 13 Jahre nach dem Aus für die Concorde rückt eine mögliche Rückkehr des Überschallflugs im Passagierverkehr näher. Das junge US-Unternehmen Boom habe für seinen bis zu 55-sitzigen Überschalljet inzwischen 76 Bestellungen von fünf Fluggesellschaften eingesammelt, sagte Boom-Gründer und Vorstandschef Blake Scholl am Dienstag auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget bei Paris. Mit „Mach 2,2“, also mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit, soll der Boom-Jet noch schneller unterwegs sein als die legendäre Concorde.

Erstkundin ist die britische Fluglinie Virgin Atlantic des Milliardärs Richard Branson. Weitere Auftraggeber will Scholl erst nach und nach vorstellen. Das erste Exemplar des Boom-Jets solle im Jahr 2023 in den Linienverkehr starten. Die kleinere Testversion XB-1, genannt „Baby-Boom“, soll Ende 2018 zu ihrem Erstflug abheben. Bei der Entwicklung geht das Unternehmen schrittweise vor. „Sobald wir für den 'Baby-Boom' die nötigen Zulassungen haben, machen wir uns an die große Maschine“, sagte Scholl.

Zukunft der Luftfahrt: Mit Überschall nach Paris

Zukunft der Luftfahrt

Mit Überschall nach Paris

Die US-Firma Boom stellt auf der Paris Air Show ihre Pläne für ein neues Überschallflugzeug vor – 17 Jahre nach dem Absturz einer Concorde an fast demselben Ort. Der Unfall leitete damals das Ende des Überschalljets ein.

Weil der Boom-Jet wie schon die Concorde mehr als doppelt so schnell ist wie herkömmliche Passagierjets von Boeing und Airbus, soll sich die Reisezeit in etwa halbieren. „Die Strecke Paris - New York wäre dann statt in sieben Stunden in dreieinhalb Stunden zu schaffen“, sagte Scholl. Die Airlines, die den Flieger kauften, könnten sich damit von Wettbewerbern abheben.

Der Listenpreis liegt bei 200 Millionen US-Dollar (179 Millionen Euro) und damit etwas weniger als die kleinsten Großraumjets von Airbus und Boeing. Allerdings mache Boom das branchenübliche Spiel mit hohen Rabatten nicht mit, sagte Scholl.

Die schnelle Geschichte der Concorde

„Donnervogel“ geht 1969 erstmals in die Luft

Manche nannten sie „Donnervogel“, andere sprachen vom „fliegenden Kugelschreiber“ oder sogar von einer „Königin der Lüfte“. Am 2. März 1969 startete das Überschallflugzeug Concorde im französischen Toulouse zu seinem 29 Minuten langen Jungfernflug. Gut einen Monat danach, am 9. April, folgte der Erstflug des britischen Prototypen.

Fans von Technik begeistert

Die Concorde war von Anfang an umstritten. Ihre zahlreichen Fans waren von der Technik des 62,10 Meter langen Flugzeug mit einer Spannweite von nur 25,55 Meter und einer Höchstgeschwindigkeit von 2405 Stundenkilometern begeistert.

Krachmacherin und Kerosinschluckerin

Andere sahen in der Concorde eine Krachmacherin und Umweltverschmutzerin. So lag der Treibstoffverbrauch auf der Strecke Paris-New York bei 17 Litern pro 100 Passagierkilometern (bis zu 23.000 Liter Kerosin in der Stunde). Das Riesenflugzeug Airbus A380 dagegen fliegt im Bereich von drei Litern Treibstoff pro Passagier auf 100 Kilometer.

Geringe Reichweite war ein Problem

Der erste Linienflug der Concorde erfolgte am 21. Januar 1976 zwischen Paris und Rio de Janeiro. Nur wenig später wurde die Strecke Paris Caracas mit einem technischen Aufenthalt in Santa Maria gestartet. Doch beide Dienste wurden bereits am 1. April 1982 eingestellt. Die relativ geringe Reichweite der Concorde (6250 Kilometer) stellte ein Problem dar – sie machte bei Langstrecken zeitraubende Zwischenstopps notwendig.

Knall beim Durchbrechen der Schallmauer

Zudem war die Concorde besonders laut: Der charakteristische Knall beim Durchbrechen der Schallmauer führte dazu, dass die meisten Länder dem Jet nur eine Überfluggenehmigung für Geschwindigkeiten unter der Schallgrenze erteilte. So konnte der Pilot nach dem Start in Europa erst auf dem Atlantik richtig Gas geben. Das schränkte die Einsatzmöglichkeiten und den Zeitgewinn erheblich ein.

Queen und Papst gerne an Bord

Dennoch gab es zur Einsatzzeit kaum einen Staatsmann von Bedeutung, der nicht einmal mit einer Concorde flog. Stars und Sternchen waren Dauergäste, allen voran die Formel-1-Fahrer und die Tennisstars. Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie Queen Elizabeth oder Papst Johannes Paul II, der mit der französischen Concorde F-BTSC am 2. Mai 1989 von La Réunion nach Lusaka in Sambia flog.

In dreieinhalb Stunden bis nach New York

Wer zwischen 10 und 11 Uhr morgens Europa verließ, kam rechtzeitig zum Frühstück um 9 Uhr in New York an. Gewöhnlich dauerte ein Flug von Europa nach New York rund dreieinhalb Stunden. Manchmal ging es sogar noch schneller. Ganz selten wurde eine Flugzeit von unter drei Stunden erreicht. Das waren 30 Stunden weniger als Charles Lindbergh 1927 bei seiner berühmten Nordatlantiküberquerung benötigt hatte.

Überschwang selbst in Hannover

Der Überschwang der Euphorie steckte auch manche Kommune an. So schrieb 1985 die Geschäftsführung des Flughafens Hannover-Langenhagen zu den Planspielen in der niedersächsischen Landeshauptstadt für eine Verlängerung der Concorde-Verbindung New York­London nach Hannover an British Airways: „Nach unserer Ansicht ist der Flughafen für Hannover für diesen Zweck in Norddeutschland am besten geeignet.“

Absturz 2000 als Anfang vom Ende

Der Absturz einer Concorde der Air France am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start in Paris, bei dem 113 Menschen ums Leben kamen, läutete das endgültige Aus für das auch als „schönsten Vogel der Welt“ bezeichnete Flugzeug ein. Zwar hob die Concorde nach umfangreichen technischen Nachrüstungen im November 2001 wieder ab, doch mangelnde Nachfrage besiegelte zwei Jahre später das Ende.

Endgültiges Aus 2003

Am 24. Oktober 2003 wurde das große Kapitel Concorde endgültig geschlossen. Beim letzten Flug einer Concorde der British Airways nach London wurde der „Donnervogel“ über dem Ärmelkanal von einem Verband der britischen Kunstflugstaffel Red Arrows begleitet.

Dabei erwartet er, dass sich der Boom-Flieger mit bis zu 55 Fluggästen für Airlines besser rechnet als die Concorde mit mehr als 100 Sitzplätzen. Denn der in den 1960er Jahren entwickelte Jet sei praktisch nie ausgebucht gewesen. Ende 2003 machten der hohe Treibstoffverbrauch und die immense Lautstärke dem Concorde-Betrieb den Garaus. Nicht nur beim Spritdurst, auch beim Lärm soll der Boom-Jet erträglicher ausfallen. „Er wird etwa 30 Prozent leiser sein als die Concorde“, sagte Scholl.

Von

dpa

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