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17.03.2016

16:35 Uhr

Bahn-Chef Grube zur Digitalisierung

„Unsere App ist die erfolgreichste in ganz Europa“

VonIna Karabasz

Die Deutsche Bahn ist auf der Cebit präsent. Für Rüdiger Grube liegt der Fokus auf der Digitalisierung. Im Interview erklärt der Bahn-Chef, warum Lokführer nicht um ihren Job fürchten müssen – und was die Kunden erwarten.

„Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten.“ Cebit

Grube und Höttges

„Diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten.“

HannoverBahn-Chef Rüdiger Grube ist zu Besuch auf der Cebit. Nachdem er mit Telekom-Chef Timotheus Höttges auf der Bühne über neue Kundenerlebnisse gesprochen und sich am Stand der Deutschen Bahn Start-ups angeschaut hat, nimmt er sich Zeit für ein Gespräch mit dem Handelsblatt über Digitalisierung.

Herr Grube, wann fahren Ihre Züge autonom?
Autos fahren autonom, Züge automatisiert, weil die Schiene den Weg ja vorgibt. Wir arbeiten gerade in mehreren Pilotprojekten daran. Ich kann Ihnen noch keine genaue Jahreszahl geben, aber technisch ist vieles heute schon möglich. Im Erzgebirge erproben wir gerade Kamera- und Sensortechniken. Da sind die Strecken nicht so stark befahren. Wir sind da sehr aktiv, diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

Stolpert Grube?: Die neue Bahn ist noch nicht in Sicht

Stolpert Grube?

Premium Die neue Bahn ist noch nicht in Sicht

Ob Konzernchef Rüdiger Grube seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag bei der Deutschen Bahn verlängern kann, ist eine Frage des Vertrauens. Erfolge wird er kaum rechtzeitig zeigen können. Eine Analyse.

Was halten Ihre Lokführer davon?
Es gab nach der ersten Ankündigung dazu intern große Kritik. Verständlicherweise machen sich die Lokführer Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Ich habe dann alle eingeladen, die mir geschrieben haben, und habe ihnen erklärt, was wir vorhaben. Es gab danach nicht einen einzigen, der das nicht nachvollziehen konnte. Der Lokführer der Zukunft wird auch Qualifikationen eines Fahrdienstleiter mitbringen müssen. Er hat eine extrem komplexe und verantwortungsvolle Aufgabe. Wir brauchen eher nicht weniger Lokführer, wir brauchen mehr.

Brauchen Sie aber dann nicht weniger Fahrdienstleiter?
Nein, aber die Berufsbilder werden sich in den nächsten Dekaden verändern. Deswegen arbeiten wir auch an der Arbeitswelt 4.0. Dort setzten wir uns mit neuen Qualifikationen und Berufen auseinander. Wir wissen heute noch gar nicht, welche Berufe es in Zukunft vielleicht geben wird.

Wie die Deutsche Bahn ihre Kundenfreundlichkeit verbessern will

Mehr Pünktlichkeit

Die Bahn will die Pünktlichkeit ihrer Züge „deutlich steigern“. Dazu sollen alle Betriebsabläufe optimiert werden – unter anderem durch den Einbau von größeren Zeitpuffern in den Fahrplänen an viel befahrenen Netzknotenpunkten und den Einsatz neuer mobiler Wartungsteams, die Störungen an Zügen flexibel beseitigen sollen. Ein neuer Schlepplok-Dienst soll liegengebliebene Züge schneller von den Schienen holen. Um Unwetterschäden zu vermeiden, wird die Baumpflege an den Strecken ausgebaut.

Bessere Internetverbindungen

Im kommenden Jahr will der Konzern den Telefon- und Internetempfang in ICE-Zügen nach eigenen Angaben „deutlich“ verbessern und dafür etwa die Empfangstechnik aufrüsten. Das WLAN-Netz der Bahn soll in den kommenden Jahren nach und nach entlang der Reisekette auf mehr Fernverkehrszüge, Bahnhöfe und auch auf S-Bahn- und Nahverkehrszüge ausgedehnt werden.

Aktuellere Reiseinformationen

Mit neuen Zuganzeigesystemen an den Bahnhöfen will die Bahn ab kommendem Jahr den Informationsfluss in Sachen Gleiswechsel, Ankunftszeitprognosen und Wagenreihenfolgen verbessern. „Mittelfristig“ will sie ein digitales „Live Ticket“ einführen, das sich aktualisiert und Reisende unterwegs mit den für sie relevanten Streckeninformationen versorgt. Wenn nötig, kann es auch Alternativrouten vorschlagen und Umbuchungen vornehmen.

Mehr Service im Zug

Mitarbeiter sollen in Kooperation mit Unternehmen etwa aus der Hotel- und Gaststättenbranche in puncto „Serviceorientierung“ ausgebildet werden. Reisende mit Smartphones und Online-Tickets sollen sich künftig selbst im Zug anmelden können, wodurch eine Fahrkartenkontrolle überflüssig wird („Self Check In“). Zugbegleiter sollen so mehr Zeit für Serviceaufgaben haben.

Komfortablere Bahnhöfe

Die Zuverlässigkeit von Aufzügen und Rolltreppen an den Bahnhöfen in Ballungszentren will die Bahn „signifikant“ auf weit über 90 Prozent steigern. Dazu sollen etwa Entstörbereitschaften auf Zweischichtdienste umstellen und an Wochenenden arbeiten. 31 S-Bahn-Stationen in Metropolen werden renoviert, zudem sollen bundesweit 21 Umsteigebahnhöfe „offener und einladender“ umgestaltet werden. Mit der sogenannten Stationsoffensive richtet der Konzern 350 neue Haltepunkte in ländlichen Gebieten ein.

Mehr Unterhaltung

Das in ICE-Zügen verfügbare kostenlose sogenannte Infotainment-Portal, das etwa Echtzeit-Reiseinformationen und bestimmte Nachrichtenangebote bietet, soll künftig auch in weiteren Zügen und an Bahnhöfen verfügbar sein. Ab Ende 2016 sollen Bahnkunden umsonst „umfangreiche Film- und Musikangebote“ abrufen können. Zusätzlich richtet das Unternehmen eine Datenbank mit „aktuellen Blockbustern“ ein, die Reisende im „Pay per View“-Verfahren gegen Bezahlung ansehen können.

Welchen Stellenwert hat Digitalisierung für die Deutsche Bahn?
Auf dem Thema liegt unser Hauptaugenmerk. Vor zwei Jahren habe ich auf dem Titel unserer Mitarbeiterzeitung geschrieben, die Deutsche Bahn steht vor dem größten Umbruch seit der Bahnreform. Damit meine ich im Wesentlichen die Digitalisierung. Vor einem Monat habe ich an gleicher Stelle geschrieben: Umbruch gleich Aufbruch. Wir sehen die Digitalisierung als eine Chance und nicht als Gefahr, solange wir es selber machen.

Was bedeutet das?
Ich möchte verhindern, dass wir Getriebene werden in unserem Geschäft. Wir müssen die Digitalisierung so betreiben, dass wir selbst Treiber sind.

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