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19.03.2017

12:00 Uhr

Cebit 2017

Ein neues Handy für die Kanzlerin?

VonJohannes Steger

Das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart macht das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel sicher. Die ist treue Blackberry-Nutzerin. Eine neue Kooperation der Firma könnte das aber ändern.

Die Bundeskanzlerin und ihr Handy. „Die Kanzlerin hat ihr Blackberry liebgewonnen“, sagt Christoph Erdmann, Mitgeschäftsführer von Secusmart. dpa

Secusmart

Die Bundeskanzlerin und ihr Handy. „Die Kanzlerin hat ihr Blackberry liebgewonnen“, sagt Christoph Erdmann, Mitgeschäftsführer von Secusmart.

HannoverBlackberry – das war einst eine Marke, mit der Präsidenten, Wallstreet-Emporkömmlinge und Supermodels ihren Mailverkehr regelten und ihre Assistenten anschnauzten. Doch erst das iPhone, dann der Smartphone-Boom machten der kanadischen Marke zu schaffen. Das hippe Markenimage schmolz fast so schnell wie die Umsätze. Doch es gibt sie noch, die treuen Blackberry-Nutzer. Eine davon ist niemanden geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Wenn sie ihre Parteikollegen zur Raison simsen will, tippt sie dafür auf ihr Blackberry. Doch eine Kooperation des Herstellers könnte das ändern.

Wenn Angela Merkel zum Hörer greift, eine E-Mail verschickt oder eine SMS in den Orbit sendet, sind sie da und passen auf: Das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart beziehungsweise eine ihrer Micro-SD-Karten, die das Mobiltelefon der Kanzlerin absichern.

Das einstige Start-up ist erfolgreich: Mittlerweile beliefert das Unternehmen nicht nur die Bundesregierung mit sicheren Smartphones und Tablets, sondern noch 20 Regierungen überall auf der Welt. Bisher war die Lösung für Mobiltelefone Blackberry-Geräten vorbehalten, seit 2014 ist das deutsche Unternehmen eine Tochter der Kanadier. Im Rahmen der Cebit kündigte Secusmart nun die nächste Generation der sogenannten Secusuite-Lösung an.

Zehn Tipps für mehr IT-Sicherheit

Geschäftsleitung involvieren

Oft beschneidet das Management aus Renditegründen das Budget. Daher: Informieren und sicherstellen, dass die Firmenlenker die Tragweite des Sicherheitsprojekts erkennen.

Bestandsanalyse durchführen

Geräte und Lösungen sowie ihre Eignung für die Abwehr von Cyberattacken katalogisieren - ebenso Rechteverwaltung, Sicherheitsbewusstsein sowie interne und externe Gefahren.

Einsatzteam aufbauen

Eine zentrale Abteilung stimmt alle sicherheitsrelevanten Punkte aufeinander ab. Silos sind wenig effizient und übersehen Sicherheitslücken. Ratsam: einen Chief Information Security Officers ernennen.

Sicherheitsstrategie entwickeln

Wie viel darf welche Sicherheitsmaßnahme kosten, welche Risiken werden in Kauf genommen? Anschließend Budget- und Personal-Szenarien entwerfen.

Budgets verhandeln

Je früher Führungskräfte in das IT-Sicherheitsprojekt eingebunden sind, desto besser können sie nötige Ausgaben nachvollziehen - und desto konstruktiver gestalten sich Verhandlungen.

Sicherheitsrichtlinien ausarbeiten

Und zwar unternehmensweit: Diese sollten auch alle notwendigen Compliance- und sonstigen gesetzgeberischen Aspekte berücksichtigen.

Systeme und Updates installieren

Nicht nur moderne Systeme und Lösungen, die es mit fortschrittlichen Attacken aufnehmen, sind essenziell - aktuelle Updates sind es ebenfalls.

Schulungen vorsehen

Auf Basis eines mittelfristigen Schulungsplans festlegen: Wer wird wie oft zu welchen Themen aus- beziehungsweise fortgebildet?

Der Geschäftsleitung berichten

Dann bleibt sie dem Sicherheitsprojekt gewogen. Eine grafische Aufbereitung der Sicherheitslogs sensibilisiert nachhaltig.

Kontrollschleife einbeziehen

Regelmäßig die Effizienz neuer Maßnahmen und Strukturen durchleuchten. Dabei neue Gefahren, Lösungen am Markt sowie Organisationsveränderungen berücksichtigen.

Quelle

Schluss mit dem Silodenken: Geht es nach den Experten von Dell, sollten Mittelständler ihre Sicherheitsstrategie im Rahmen eines abteilungsübergreifenden Projekts auf einheitliche Füße stellen - und zwar mit folgenden zehn Schritten (erschienen im Magazin creditreform 06/2016):

Nun wird es die Hochsicherheitskarte auch für Samsung Knox geben – der Sicherheitsplattform des südkoreanischen Konzerns. Smarte Telefone wie das Galaxy S 7 oder Galaxy S 8 könnten nun auch von den Düsseldorfern abgesichert werden. „Damit dringen wir in einen neuen Bereich mit einer Vielzahl von Geräten vor“, sagt Mitgeschäftsführer Christoph Erdmann dem Handelsblatt. Dadurch ist zum Beispiel auch die Nutzung von Apps unter Einhaltung der hohen Sicherheitsanforderungen der deutschen Bundesbehörden möglich, teilt das Unternehmen mit.

Der Bedarf ist da – spätestens seit dem Bekanntwerden der NSA-Abhörprotokolle, weiß Erdmann: „Ich werde manchmal scherzhaft gefragt, ob ich Edward Snowden für die Enthüllungen bezahlt habe“. Vorher sei es in Kundenpräsentationen oft schwer gewesen, denen das Bedrohungspotenzial näherzubringen: „Manche haben uns angesehen und gesagt: Das ist doch kein James-Bond-Film.“ Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen hat sich das verändert: Vorher sei Secusmart ein VIP-Anbieter mit knapp tausend Kunden gewesen, so Erdmann: „Mittlerweile bewegen wir uns jenseits der 10.000.“

Große Hacker-Angriffe der vergangenen Jahre

Yahoo

Es ist der wahrscheinlich größte Datendiebstahl bei einem einzigen Unternehmen bislang: Mindestens eine halbe Milliarde Nutzer des US-Internetkonzerns Yahoo sind Opfer eines Hackerangriffs geworden. Die Kriminellen erbeuteten E-Mail-Adressen, Geburtsdaten, Telefonnummern, Passwörter und auch unverschlüsselte Sicherheitsfragen, wie Yahoo am Donnerstag mitteilte. Der Angriff ereignete sich schon Ende 2014, im August 2016 wurden 200 Millionen Daten im Netz zum Kauf angeboten – für umgerechnet 1700 Euro.

Ebay

Bei der im Mai 2014 bekanntgewordenen Attacke verschafften sich die Hacker Zugang zu Daten von rund 145 Millionen Kunden, darunter E-Mail- und Wohnadressen sowie Login-Informationen. Die Handelsplattform leitete einen groß angelegten Passwort-Wechsel ein.

Target

Ein Hack der Kassensysteme des US-Supermarkt-Betreibers machte Kreditkarten-Daten von 110 Millionen Kunden zur Beute. Die Angreifer konnten sich einige Zeit unbemerkt im Netz bewegen, die Verkäufe von Target sackten nach Bekanntgabe im Dezember 2013 ab, weil Kunden die Läden mieden.

Home Depot

Beim Angriff auf die amerikanische Baumarkt-Kette gelangten Kreditkarten-Daten von 56 Millionen Kunden in die Hände unbekannter Hacker, wie im September 2014 mitgeteilt wurde. Später räumte Home Depot ein, dass auch über 50 Millionen E-Mail-Adressen betroffen waren.

JP Morgan

Die Hacker erbeuteten bei der im August 2014 bekanntgewordenen Attacke auf die US-Großbank die E-Mail- und Postadressen von 76 Millionen Haushalten und sieben Millionen Unternehmen.

Sony Pictures

Ein Angriff, hinter dem Hacker aus Nordkorea vermutet wurden, legte für Wochen das gesamte Computernetz des Filmstudios lahm. Zudem wurde die E-Mail-Korrespondenz aus mehreren Jahren erbeutet. Die Veröffentlichung vertraulicher Nachrichten sorgte für höchst unangenehme Momente für mehrere Hollywood-Player.

Ashley Madison

Eine Hacker-Gruppe stahl im Juli 2015 Daten von rund 37 Millionen Kunden des Dating-Portals. Da Ashley Madison den Nutzern besondere Vertraulichkeit beim Fremdgehen versprach, waren die Enthüllungen für viele Kunden schockierend.

V-Tech

Der Spezialist für Lernspielzeug räumte den Hacker-Angriff im November 2015 ein. Später wurde bekannt, dass fast 6,4 Millionen Kinder-Profile mit Namen und Geburtsdatum betroffen waren, davon gut 500.000 in Deutschland.

Und es sind nicht nur Regierungen, die ein Bedürfnis nach Sicherheit haben. Seit 2014 unterhält Secusmart eine Partnerschaft mit Vodafone: Kunden können die Zusatzleistung buchen und über die Monatsrechnung abrechnen: „Einerseits suchen viele Unternehmen nach einer zusätzlichen Absicherung, andererseits haben sie keine Kapazitäten selbst das Know-how aufzubauen.“ Mit der Samsung-Lösung erschließt sich das Düsseldorfer Unternehmen so einen völlig neuen Kundenkreis.

Doch gerade viele Regierungen hielten bewusst an Blackberry fest, sagt Erdmann: „Sie schätzen nach wie vor die große Sicherheitsexpertise.“ Bleibt also auch die Bundeskanzlerin ihrem Handy treu? Erdmann meint: „Die Kanzlerin hat ihr Blackberry liebgewonnen.“ Zumindest hat sie jetzt die Auswahl – und am Ende gewinnt doch irgendwie Blackberry.

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