Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2017

17:20 Uhr

Cebit 2017

Was Technik mit Menschen macht

VonIna Karabasz, Christof Kerkmann, Johannes Steger

Auf ihrem Cebit-Messe-Rundgang haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Ministerpräsident Shinzo Abe den Schulterschluss geübt. Konzernchefs präsentierten ihnen die größten Trends der digitalen Wirtschaft.

Cebit

Merkel und Abe setzen auf digitale Kooperation

Cebit: Merkel und Abe setzen auf digitale Kooperation

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

HannoverDie Digitalisierung wird sich in alle Teile der Gesellschaft ausweiten, davon zeugen zahlreiche Exponate der Technologiemesse Cebit, die am Montag in Hannover begonnen hat. Da ist ein Roboter, der Sushi serviert. Ein Bus, der autonom fährt und unterwegs die Fragen der Passagiere beantworten können soll. Und da sind Roboter, die in Werkhallen Fließbandarbeiten tätigen. Und so standen zur Eröffnung der Technologiemesse weniger die großen Trends wie Big Data und Cloud-Computing, das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz im Mittelpunkt als vielmehr der Mensch und das, was die Digitalisierung mit ihm macht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appellierte in ihrer Rede an die Wirtschaft, die vom digitalen Wandel verunsicherten Menschen nicht zu vergessen. Es ginge um „Millionen, die zum Teil noch nicht wissen, was sie erwartet“, sagte sie. Die Politik könne sie nicht allein in das Zeitalter der Digitalisierung mitnehmen. Europa sei allzu oft langsam bei der Digitalisierung, räumte Merkel ein. „28 Mitgliedstaaten müssen sich natürlich einbringen“, erklärte sie. „Aber wir spüren, dass auf der Welt das Tempo hoch ist, und mit Japan haben wir einen Freund, der sich dieses hohe Tempo zunutze macht.“

Trends der Cebit: Die Computer heben ab

Trends der Cebit

Die Computer heben ab

Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Die Cebit soll einen Blick in die Kristallkugel erlauben: Die Technologiemesse will die Digitalisierung anfassbar machen – beispielsweise in Form von Robotern und Drohnen.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe schilderte, wie sich sein Land mit dem Programm „Gesellschaft 5.0“ auf die rapide Alterung einstellt. Japan ist in diesem Jahr Partnerland der Messe. Gut zwei Stunden Zeit nahmen sich Merkel und Abe für ihre Runde durch die Hallen.

Wenn die Messe eine Inszenierung ist, dann ist der Rundgang die Inszenierung der Inszenierung. Die Aussteller, an deren Ständen die vorab festgelegte Tour vorbeiführt, hoffen auf fünf Minuten Ruhm. Die Politiker wollen sich einen Überblick über die Trends verschaffen, versprechen einander eine gute Zusammenarbeit und posieren für die Fotografen und Kameraleute. Merkels erster Besuch bei US-Präsident Donald Trump, von dem sie gerade zurückgekehrt ist, fand dabei allerdings keine Erwähnung.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Auch an diesem Montagmorgen wälzte sich ein Tross durch die Hallen: Merkel und Abe hörten zu, lächelten, nickten, stellten Fragen – der Japaner immer mit einer Dolmetscherin an seiner Seite. Und die beiden Staatslenker nahmen eine Intel-Drohne in die Hand, drückten auf einen Fingerabdrucksensor und bedienten einen Roboterarm, der Sushi serviert.

Am Stand der Deutschen Telekom brachte die Kanzlerin die Dramaturgie allerdings durcheinander. Konzernchef Timotheus Höttges stellte einen Sensor vor, der Bienenkörbe überwachen soll. Für rund zehn Euro im Monat misst er Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Gewicht und übermittelt die Daten in ein Programm – so wisse der Imker immer, wie es seinen Tieren geht und wie gefüllt die Waben sind.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Lana Ebsel

20.03.2017, 18:14 Uhr

Die Kanzlerin hat ja auch schon fachkundig erklärt, dass in Zukunft alle genauso wie man schreiben lernt, auch programmieren lernen müssen. Ich weiß zwar nicht, wo sie das her hat, aber als Kanzlerin wird sie das schon richtig verstanden haben.

Frau Verena Czerny

21.03.2017, 08:03 Uhr

Eine Lösung, die Betroffnen bei der digitalen Transformation nicht abzuhängen, ist sie von Anfang an in die Lösungsfindung einzubeziehen. So werden aus Betroffenen Akteure, die den digitalen Wandel aktiv gestalten und nicht vom Wandel überrumpelt und überrannt werden. Googeln Sie Clever Change, wenn Sie mehr darüber wissen möchten.
herzliche Grüße
Verena Czerny

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×