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14.03.2016

21:02 Uhr

Cebit-Eröffnung

„Die Menschen müssen am Steuer bleiben“

VonIna Karabasz

Der Eröffnungsveranstaltung der Cebit ging seinen gewohnten Gang – bis Swatch-Chef Nick Hayek eine neue Note in die Diskussion brachte: den Menschen. Auch Wirtschaftsminister Gabriel ging darauf ein.

Swatch-Chef Nick Hayek: „Lass uns nicht nur in die Technologie verlieben.“ dpa

Cebit-Eröffnung

Swatch-Chef Nick Hayek: „Lass uns nicht nur in die Technologie verlieben.“

HannoverDie Digitalisierung schimmert bunt durch ein paar dutzend Wassertanks. Jene würfelförmigen  Plastikcontainer auf Europaletten, die sonst oft als Gewicht für Zelte benutzt werden, schmücken die Bühne in der sonst schmucklosen Halle bei der Eröffnungsveranstaltung der diesjährigen IT-Messe Cebit in Hannover. Statt des Wassers stecken in ihnen Lampen, die die Farbe wechseln. Über das Internet angesteuert, sind sogar sie Teil des Internets der Dinge. Internet im Wassertank eben.

In diesem Jahr dreht sich auf der Cebit alles um das Thema digitale Transformation. Oder anders „um den  vollständigen Umbau unserer Wirtschaft“, wie Thorsten Dirks, Chef des IT-Branchenverbands Bitkom auf der Bühne mit bedeutungsschwangerer Stimme erklärt. Dann fordert er: „Raus aus dem klein, klein – denken wir in großen Maßstäben.“

Die Cebit im Überblick

Leitthema: Alles digital

Das Motto der Messe lautet „d!conomy“, das die tiefgreifende Digitalisierung der Wirtschaft auf den Punkt bringen soll. Der Zusatz „join - create - succeed“ soll die aktive Rolle der Unternehmen zum Ausdruck bringen.

Schwerpunkte: Von Cloud bis Big Data

Zu den Schwerpunkten der Messe zählen Cloud Computing, Big Data und die IT-Sicherheit. Ein Trendthema ist auch das Internet der Dinge, also die Vernetzung von Autoflotten, Fabriken oder Windparks.

Ausrichtung: Nur Profis!

Seit 2015 richtet sich die Cebit ausschließlich an Fachbesucher. Techniktüftler und Nerds, die sich früher zu Tausenden durch die vollen Messehallen schoben, wollen die Veranstalter nicht mehr ansprechen.

Aussteller: Konzerne und Start-ups

Auf der Cebit sind traditionell die Großen der IT-Branche vertreten, ob Microsoft, IBM oder SAP. Die Messe hat zudem den Start-up-Bereich Scale11 gegründet. Im vergangenen Jahr kamen 3300 Aussteller, was wieder die Messlatte sein dürfte.

Konferenzen: Politiker und Experten

Große Neuigkeiten sind auf der Cebit nicht mehr zu erwarten, die Messe lockt aber mit einem großen Konferenzprogramm. Dort sprechen etwa EU-Kommissar Günther Oettinger und Verschlüsselungsspezialist Phil Zimmermann.

Dauer: Fünf Tage für die Experten

Die Cebit 2016 dauert vom Montag bis Freitag (14. bis 18. März). Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Messe am Samstag nicht geöffnet - der Veranstalter geht davon aus, dass die Fachbesucher unter der Woche kommen.

Auf der Bühne folgt ihm kurze Zeit später der EU-Digitalkommissar Günther Oettinger, der am Mittag bereits eine gewichtige Grundsatzrede über die Notwendigkeit eines europäischen digitalen Binnenmarktes gehalten hat. Oettinger beschwört noch deutlicher die Notwendigkeit für Europa, sich bei der Digitalisierung nicht von den USA abhängen zu lassen. Gerade in Grenzregionen oder in ländlichen Bereichen wie dem Schwarzwald sei der Mobilfunk-Empfang zum Teil so schlecht, dass man sich eher an Uganda oder Burundi erinnert fühle als an ein hochentwickeltes Land, sagte er. Daher seien Investitionen der Privatwirtschaft so wichtig.

So dringlich diese Botschaften sind, so wichtig sie auch sein mögen, genauso bekannt sind sie. Und so ist es der Auftritt des Chefs des Schweizer Uhrenherstellers Swatch, Nick Hayek, der eine neue Note in die alte Diskussion bringt: den Menschen. „Lass uns nicht nur in die Technologie verlieben“, sagt er. „Die Menschen müssen dabei am Steuer bleiben.“ Nun mag es ein leichter Reflex sein zu denken, ein Unternehmer, der mechanische Uhren vertreibt, betrachtet die Digitalisierung natürlich kritischer. Doch das ist zu kurz gegriffen: Zum einen vertreibt auch Swatch smarte Uhren, zum anderen sei die komplette Produktion automatisiert, erzählt Hayek, „und trotzdem haben wir mehr Personen eingestellt.“

Cebit 2016: Wenn der Gürtel vorm Kaufrausch schützt

Cebit 2016

Wenn der Gürtel vorm Kaufrausch schützt

Die Cebit verzichtet angesichts ohnehin sinkender Besucherzahlen auf Nerds und konzentriert sich auf Geschäftskunden. Neben Industrie 4.0 bleibt dennoch Platz für Gadgets – etwa schlaue Gürtel und kalorienzählende Shirts.

Auch der Bundespräsident der Schweizer Eidgenossenschaft, Johann Schneider-Ammann, betont, dass man die Menschen nicht bei der Digitalisierung vergessen darf. Dann kommt auch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) auf die Bühne: Den wichtigsten Punkt hätte Günther Oettinger gemacht, sagt er, als dieser darauf hingewiesen habe, dass die Staaten bei der Digitalisierung Europas zusammenarbeiten müssten. Dann fügte er hinzu, dass natürlich auch Swatch-Chef Hayek einen wichtigen Punkt gemacht habe, als er auf die Bedeutung der Menschen hingewiesen hat. Schließlich würde auch das Europa ausmachen.

Gabriel referierte noch lange über die Wichtigkeit von Investitionen, Infrastruktur, Regulierung und Kooperation – und schloss seine Rede mit einem erneuten Hinweis auf Hayek, den Menschen, der im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen soll,

nicht zu vergessen. Unklar, ob das so in Gabriels Redetext stand – zumindest hat auch der Wirtschaftsminister diesen Gedanken als wichtig für die Debatte erkannt.

c‘t-Chefredakteur auf der Cebit

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c‘t-Chefredakteur auf der Cebit: „Milliarden Geräte warten darauf, vernetzt zu werden“

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