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22.03.2017

15:06 Uhr

Cebit künftig im Sommer

Technologiemesse richtet sich neu aus

VonChristof Kerkmann

Seit Jahren war immer wieder die Rede von einem Bedeutungsverlust der Cebit. Nun ist klar: Die diesjährige Messe ist die letzte in einem Frühjahr. Außerdem gibt es ein neues Konzept – die Cebit soll cooler werden.

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HannoverBig Data, Cloud Computing, maschinelles Lernen: Auf der Cebit dreht sich alles ums Geschäft. Entsprechend nüchtern und geschäftsmäßig geht es in derzeit auf dem Gelände in Hannover zu. Die großen Zeiten, als hunderttausende Besucher übers Messegelände zogen und abends an den Ständen die Partys stiegen, sind lange vorbei.

Doch die Deutsche Messe AG als Ausrichter will mit einem neuen Konzept wieder ein breiteres Publikum ansprechen: „Die Cebit muss cooler werden“, sagte Vorstand Oliver Frese am Mittwoch in Hannover. Sie soll zu einem „Festival für digitale Technologie“ werden. Neu ist auch der Termin: Die Messe findet 2018 erstmals im Juni statt.

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Die Deutsche Messe bündelt die Aktivitäten künftig in drei Schwerpunkten, die alle eine eigene Marke bekommen sollen. Erstens: Die Cebit soll weiterhin die Digitalisierung und ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft abbilden. Zweitens: „Disruptive Technologien, Forschung und Start-ups“ fasst das Unternehmen in einem Festival zusammen. Und drittens will es das Konferenzprogramm weiter ausbauen. Ziel der Neuausrichtung sei es, die Messe für ein jüngeres Publikum zu öffnen, erklärte Frese.

Mit dem neuen Konzept könnte es der Messe gelingen, einen wichtigen Aussteller zu halten: Die Deutsche Telekom erklärte, sich an der Ausgestaltung zu beteiligen und auf dieser Grundlage „über das Messe-Engagement in Hannover zu entscheiden“, wie das Unternehmen auf Handelsblatt-Anfrage mitteilte. Die Cebit stehe für Transformation und Disruption, erklärte Telekom-Vorstand Reinhard Clemens: „Deshalb ist es richtig und konsequent neue Wege zu gehen.“ Die künftige Teilnahme des Konzerns galt zuletzt in Branchenkreisen als fraglich.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Die Cebit hat massiv an Bedeutung verloren. Zur Jahrtausendwende lockte sie bis zu 800.000 Besucher auf das weitläufige Gelände, Konzerne wie Nokia und Microsoft stellten dort Neuheiten vor. In den folgenden Jahren kamen jedoch immer weniger, nicht zuletzt weil die Messe ihr Konzept mehrfach neu ausrichtete. Mehrfach kam es unter den Ausstellern zu Uneinigkeiten über die Ausrichtung – während einige Unternehmen sich auf Geschäftskunden konzentrieren wollten, ist anderen ein breites Publikum wichtig.

Inzwischen machen mehrere Messen und Konferenzen der Cebit Aussteller und Besucher streitig, etwa die CES in Las Vegas und der Mobile World Congress im Februar in Barcelona. Durch die Vernetzung der Industrie zieht es immer mehr Technologieunternehmen zur Hannover Messe. Und nicht zuletzt hat das deutsche Publikum die South by Southwest (SXSW) in Austin für sich entdeckt. Was die Lage erschwert: Alle Veranstaltungen laufen im ersten Quartal. Dieser Konkurrenz entzieht sich die Messe nun mit dem Termin im Juni.

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