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19.03.2017

22:06 Uhr

Cebit

Merkel setzt bei Digitalisierung auf Japan

VonIna Karabasz

Kaum ist Bundeskanzlerin Angela Merkel von ihrem Besuch bei Trump zurück, eröffnet sie die Technologie-Messe Cebit. Mit dem japanischen Premierminister Abe will sie den Freihandel durch Digitalisierung vorantreiben.

Cebit

Merkel und Abe setzen auf digitale Kooperation

Cebit: Merkel und Abe setzen auf digitale Kooperation

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HannoverEs waren wieder einmal Bilder, die um die Welt gingen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump sitzen nebeneinander im Weißen Haus, die Fotografen wollen einen Handschlag sehen, Trump reagiert nicht. Hinterher heißt es, er habe die Frage nicht gehört. Politik ist schwierig, in diesen Tagen ganz besonders. In vielen Ländern keimen nationalistische und protektionistische Tendenzen, auch in befreundeten.

Dagegen mag das Thema Digitalisierung weniger bedeutend erscheinen – und doch lässt es sich Angela Merkel nicht nehmen, die Technik-Messe Cebit zu eröffnen. „Wir werden hier erleben, dass wir hier viel sehen werden, was früher Science Fiction gewesen sein mag“, sagte die Bundeskanzlerin.

Das Motto der Messe: „d!conomy – no limits“. Denn darauf hofft die Branche: Dass sich die Digitalisierung in allen Lebensbereichen ausbreitet– und damit zahlreiche neue Geschäftsmodelle ermöglichen wird. Das beginnt mit einfachen Anwendungen wie vernetzen Waschmaschinen und endet noch lange nicht bei künstlicher Intelligenz im Stromnetz.

Sehr deutlich sprach sich Bundeskanzlerin Merkel für einen offenen und fairen Freihandel aus. Derzeit liegt ein derartiges Abkommen mit den USA auf Eis. „In Zeiten, wo wir über freien Handel, offene Grenzen, demokratische Werte mit vielen streiten müssen, ist es ein gutes Zeichen, dass Japan und Deutschland darüber nicht streiten, sondern zum Wohle der Menschen die Zukunft gestalten“, sagte Merkel. Über ihren Besuch in Washington und die damit verbundenen politischen Unsicherheiten dieser Tage verlor sie kein direktes Wort.

Alle wichtigen Infos zur Cebit

Eröffnung mit Merkel

Die Cebit wird am 19. März von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den japanischen Premierminister Shinzō Abe eröffnet. Japan ist in diesem Jahr Partnerland der Messe, mehr als 100 Institutionen und Firmen aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. Der japanische Zentralstand ist in den Hallen 4 und 12. 

Eine Woche Betrieb

Die Cebit 2017 beginnt mit einem Pressetag am Sonntag, 19. März. Für reguläre Besucher ist das Gelände vom 20. bis 24. März geöffnet. Die Messe betont, sich an Fachleute fürs digitale Geschäft zu richten – Schulklassen sind nicht willkommen.

Digitalisierung als Oberthema

Das Leitthema der Messe lautet erneut „d!conomy“, dieses Mal mit dem Zusatz „no limits“. Die Veranstalter wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Digitalisierung alle Bereiche der Wirtschaft ergreift.

Drohnen und Roboter als Hingucker

Die Cebit soll eine Plattform für die Digitalisierung der Wirtschaft sein – samt großer Trends wie Cloud Computing, Big Data, IT-Sicherheit, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz. Besondere Hingucker sind das Drohnenfreigelände neben Halle 2 und zahlreiche Roboter, etwa am Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Halle 6.

Eigene Halle für Start-ups

In diesem Jahr stellen mehr 3000 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen vor. Darunter sind rund 400 Start-ups, für die es eine eigene Halle gibt. Die Deutsche Messe AG rechnet wie im Vorjahr mit rund 200.000 Besuchern.

Tickets und Preise

Ein Dauerticket kostet an der Tageskasse 61 Euro. Tagestickets sind nur noch für Schüler und Studenten zu einem Preis von 26 Euro im Angebot. Für verschiedene Konferenzen zahlen Besucher extra – wer etwa am Format Global Conferences teilnehmen will, ist ab 660 Euro dabei. Eine Übersicht findet sich auf der Website der Cebit.

Ebenso wie die Kanzlerin betonte der Premierminister Japans, Shinzo Abe, die wichtige Verbundenheit zwischen Systemen, Unternehmen, aber auch Ländern. Kein einzelnes Land könne die Herausforderungen der Digitalisierung alleine leisten.

Der Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Stefan Schostok, erklärte, der ehemalige Präsident der USA, Barack Obama, habe vergangenes Jahr in Hannover gesagt, es brauche keine neuen Mauern. Niemand wüsste das so gut, wie die Deutschen. Daher sollte die Messe auch dazu dienen, internationale Kooperationen zu stärken.

Trends der Cebit: Die Computer heben ab

Trends der Cebit

Die Computer heben ab

Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Die Cebit soll einen Blick in die Kristallkugel erlauben: Die Technologiemesse will die Digitalisierung anfassbar machen – beispielsweise in Form von Robotern und Drohnen.

Die Chancen durch die Digitalisierung und die Bedeutung der IT-und Telekommunikationsindustrie für Deutschland hat der Branchenverband Bitkom zur Eröffnung der Messe in einer Studie herausgestellt. Demnach sollen die Umsätze in diesem Jahr um 1,3 Prozent auf 161,4 Milliarden Euro steigen. Außerdem sollen bis zum Jahresende 21.000 neue Jobs entstehen. Mit künftig über einer Million Beschäftigten seien die Unternehmen dann zweitgrößter industrieller Arbeitgeber hinter dem Maschinenbau, erklärt der Lobbyverband.

Auch Bitkom-Chef Thorsten Dirks sprach die transatlantische Beziehung nicht offen, aber zumindest indirekt an. „Protektionismus ist keine Antwort“, sagte er mit Hinblick auf die derzeitigen politischen Differenzen. „Lassen Sie uns mit Digitalisierung Grenzen einreißen und damit gegen die Spalter in der Gesellschaft angehen.“

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Und nicht zuletzt zeigte der Auftritt von Bildungsministerin Johanna Wanka wie hochaktuell das Thema in der Wirtschaft ist. Sie ehrte Plantix, den Gewinner des Innovationspreises, und erklärte, warum deren Geschäftsmodell, mit künstlicher Intelligenz Pflanzenschädlinge zu bekämpfen, so wichtig ist. Eines der Beispiele: „Ein großer Schädling aus den USA...“ Der Halbsatz sorgte für spontanes Gelächter im Publikum. Sogar Wanka selbst konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen, beendete den Satz aber schnell mit “...hat Afrika erreicht“. Die Sensibilität für die politische Situation in den USA ist hoch – trotz und auch gerade wegen der Digitalisierung.

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