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Cebit-Partnerland Japan

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Japans Traum von humanoiden Robotern

Der zweite Grund sind die sinkende Bevölkerung und der steigende Arbeitskräftemangel. „Der Arbeitskräftemangel ist wahrscheinlich gut für uns“, meint Anzai. Denn es gebe daher einen großen Anreiz, die drohende Schrumpfung der Wirtschaft durch Innovation zu besiegen.

Außerdem springt Japans breit aufgestellte Wirtschaft auf den Zug auf und nicht nur die großen Hersteller von Industrierobotern wie Fanuc oder Yaskawa oder die Autobauer. Die Größen des Computerzeitalters Hitachi, NEC, Fujitsu und Toshiba investieren massiv in KI. Und genauso macht es Toyota mit seinem Toyota Research Institute.

Cebit 2017: Ein neues Handy für die Kanzlerin?

Cebit 2017

Ein neues Handy für die Kanzlerin?

Das Düsseldorfer Unternehmen Secusmart macht das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel sicher. Die ist treue Blackberry-Nutzerin. Eine neue Kooperation der Firma könnte das aber ändern.

Außerdem gibt es noch Japans alten Traum von humanoiden Robotern als Wegbegleiter der Menschen. Der IT-Investor und Mobilnetzkonzern Softbank verkauft bereits 1.000 seiner schulkindgroßen Pepper-Roboter pro Monat. Und dies ist nur ein Beispiel von vielen.

Japans größte Schwäche beim Sprung in die Zukunft ist für Anzai allerdings das industrielle und kulturelle Erbe. „Wir müssen unser Erziehungssystem reformieren – und wir tun es“, sagt Anzai, der acht Jahre lang Präsident der Keio-Universität sowie deren Grund-, Mittel- und Oberschulen war. Denn Japans „wahrscheinlich größtes Problem“ sei die Entwicklung qualifizierter Arbeitskräfte.

Das bisherige Ausbildungssystem brachte loyale Arbeiter, Ingenieure und Forscher für die klassischen Industrien hervor. Aber nun braucht das Land Programmierer, Forscher und Fachkräfte, „die verstehen, wie man Roboter und künstliche Intelligenz entwickle und nutze“, sagt Anzai.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Die Regierung will daher die Schulausbildung radikal reformieren. Das in Asien übliche passive Auswendiglernen solle durch aktives Lernen ersetzt werden, erklärt der Experte. Dies werde die Innovationskraft unterstützen.

Zehn Jahre werde dieser Wandel wohl brauchen, schätzt Anzai. Daher wird auch kurzfristig reagiert. Bereits an den Grundschulen sollen Kinder programmieren lernen. Und Universitäten beginnen, spezielle KI- und Robotikkurse anzubieten.

Generell hofft Anzai, dass die Unternehmen in aller Welt ihre Schwerpunkte anders setzen. Die meisten Firmen konzentrierten sich auf Deep Learning, also den Maschinen das selbstständige Lernen beizubringen. Das sei wichtig, aber es müsse mehr Forschung für natürliche Kommunikation zwischen Mensch und Maschine und Datenbanken geben, mahnt der Experte. „Wir sollten uns mehr auf menschliche Intelligenz konzentrieren – und darauf, wie menschliche und künstliche Intelligenz zusammenarbeiten können.“

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