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CEO Basecamp auf der Cebit

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Digitaler Wandel als soziale Transformation

Einigkeit herrschte darin: Es sei der Kunde, der im Mittelpunkt der neuen Marktordnung stehen müsse. Auch Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space, sagte: „Wir bewegen uns in eine kundenzentrierte Wirtschaft.“ Wie die aussehen soll? Es gehe schon jetzt darum, sich mehr darauf zu konzentrieren, was der Kunde wirklich wolle, bevor ein Produkt überhaupt entworfen werde. Folgende Frage müsse immer am Anfang stehen: „Welche Probleme der Kunden gilt es zu lösen?“ Airbus nutzt zum Beispiel Virtual-Reality-Brillen, um den Kunden Kabinenstrukturen zu demonstrieren. Erst danach wird entschieden.

Die digitale Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren transformiere alles, meinte auch Miguel Milano, President EMEA bei Salesforce: „Es gibt dem Kunden völlig neue Wahlmöglichkeiten und Interaktionswege.“ Es brauche das ständige Abgleichen mit dem Kunden. Unternehmen müssten auch deshalb ihre Denkweise ändern, darin waren sich alle Experten einig.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Doch nicht überall führt Digitalisierung zur Euphorie – viele fühlten sich abgehängt, das befördere das Aufkommen von nationalistischen und protektionistischen Bestrebungen: „Es ist unsere Pflicht, die Menschen mitzunehmen“, meinte dann auch VW-Vorstand Blessing.

Die Experten sind sich einig: Es geht darum, den digitalen Wandel als soziale Transformation zu begreifen und dabei den Gemeinsinn im Blick zu behalten. Dirk Hoke von Airbus ist davon überzeugt, dass man den Menschen klarmachen müsse, dass auch in der digitalisierten Zukunft immer noch Platz für sie sei.

Um der Angst zu begegnen, müsse sich auch die Technologie verändern. Der Schweizer Philosoph und Trendforscher Bosshart stellte fest: „Wir bauen Technologie für Technologie-Freaks.“ Man müsse aber viel radikaler vom Menschen aus denken und Technologie menschengerecht erschaffen.

Kommentare (3)

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Frau Annette Bollmohr

20.03.2017, 20:08 Uhr

„Viele deutsche Unternehmen haben diese (die Chancen der Digitalisierung) bereits ergriffen – und sind bereit, unbequeme Wege zu beschreiten.“

Das ist eine gute Nachricht angesichts der in dem Artikel zitierten Feststellung David Bossharts:

„Weil der gute Zustand der deutschen Konjunktur bequem mache, werde der Zwang zum Umdenken nicht erkannt. Fast alle Branchen seien träge geworden.“

Die Aussage „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ gilt nämlich auch und gerade für die Wirtschaft. Und wer träge, d.h. ängstlich, übervorsichtig, selbstzufrieden und bequem geworden ist, wird tatsächlich bestenfalls "nur" vom Lauf der (Wirtschafts-)Geschichte abgekoppelt, schlimmstenfalls aber von ihm überollt.

Frau Verena Czerny

21.03.2017, 08:05 Uhr

Eine Lösung, die Betroffnen bei der digitalen Transformation nicht abzuhängen, ist sie von Anfang an in die Lösungsfindung einzubeziehen. So werden aus Betroffenen Akteure, die den digitalen Wandel aktiv gestalten und nicht vom Wandel überrumpelt und überrannt werden. Googeln Sie Clever Change, wenn Sie mehr darüber wissen möchten.
herzliche Grüße
Verena Czerny

Herr Jan Kritter

21.03.2017, 11:42 Uhr

Ein interessantes, wichtiges Thema, jedoch ein Artikel, der zu sehr Probleme in hauptsächlich vager Form zur Sprache bringt und sich mit möglichen Lösungsansätzen zu sehr zurückhält. 3 Beispiele:
„Der Wandlungsdruck ist enorm“ – Gleichzeitig aber soll unsere Bequemlichkeit der Digitalisierung im Wege stehen. Auf welchen Gebieten und in welcher Form also empfinden wir den Wandlungsdruck? Der Artikel gibt keine Beispiele.
Gut, daß die digitale Entwicklung dem Kunden neue Wahlmöglichkeiten und Interaktionswege gibt. Fallbeispiele, die diese und deren Mehrwert aufzeigen wären gut gewesen.
Und welche unbequemen Wege werden denn beschritten? Daß ständige Veränderung (= Weiterentwicklung) heute die Norm ist, sollte klar sein. Ich sehe das eher als Chance die Langeweile fernzuhalten. Wer rastet, der rostet (sagt man seit dem frühen 19. Jahrhundert). Problematisch ist, einen normalen, d.h. kompletten, Arbeitstag zu absolvieren und dann der Wissensaufbau um Beiträge für disruptive Veränderungen leisten zu können als „Kür“ erwartet wird.
Gut ist, daß offen angesprochen wird, daß Kunden noch lange nicht genug im Fokus stehen und große potentielle Kundengruppen sich so abgehängt fühlen (und es auch sind), daß sie hilfreichen, aber disruptiven Neuerungen generell ablehnend gegenüberstehen. Mitnehmen kann man diese Gruppen nur, wenn man ihnen den Nutzen des Neuen begrifflich machen kann und die entsprechende Technologie (fast) per „auspacken, einschalten, geht“ zur Verfügung stellt – oder Installation und Service für kleines Geld mitgekauft werden kann. Nur wenn eine Gruppe wirklich mitgenommen wird, wird man ihr klarmachen können, daß es für sie in Zukunft nach wie vor Platz gibt. Diesbezüglich hat Herr Bosshart den Nagel auf den Kopf getroffen. Nur – wie realisieren?

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