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27.03.2017

10:04 Uhr

Cyberattacken auf Häfen

Schmuggeln per Hackerangriff

In Häfen werden nicht nur Bananen und Autos umgeschlagen, sondern auch Drogen und Markenplagiate. Schmuggler setzen dabei auch auf Datenmanipulationen. Ein neues System soll Häfen besser gegen Cyberattacken schützen.

In modernen Häfen wird der gesamte Umschlag mittlerweile elektronisch gesteuert. Kriminelle Banden können so IT-Schwachstellen ausnutzen. dpa

Containerschiff im Hamburger Hafen

In modernen Häfen wird der gesamte Umschlag mittlerweile elektronisch gesteuert. Kriminelle Banden können so IT-Schwachstellen ausnutzen.

BremerhavenEin Fall aus Antwerpen hat 2013 Schlagzeilen gemacht: Regelmäßig verschwanden aus dem Hafen Container aus Südamerika. Wenn die Besitzer sie abholen wollten, waren sie schon weg.

In den Containern waren Drogen versteckt. Die Schmuggler hatten sich in die Computer von Hafen-Unternehmen gehackt und konnten die Fracht so vorzeitig zur Abholung freistellen. Die Bande schickte einen Lkw-Fahrer, noch bevor der vom Eigentümer beauftragte Fahrer kam.

Der Hafen zog daraufhin Konsequenzen. „Er hat viel in die Verbesserung seiner IT-Sicherheit investiert“, sagt Rainer Müller vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremerhaven.

In modernen Häfen wird der gesamte Umschlag mittlerweile elektronisch gesteuert. „Kriminelle Banden können so IT-Schwachstellen ausnutzen, um Abläufe zu manipulieren oder um an Informationen heranzukommen“, sagt Müller. Er ist Leiter des vom Bundesforschungsministerium mit 1,3 Millionen Euro geförderten Projektes „PortSec“, das mögliche Angriffspunkte in IT-Systemen von Häfen aufspüren soll.

„Häfen sind nicht nur ein Umschlagplatz für Güter, sondern auch Datendrehscheiben“, sagt Karsten Sohr vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Uni Bremen, das am Projekt beteiligt ist. „Reeder, Spediteure, Zoll und Hafenamt kommunizieren auf einer gemeinsamen IT-Plattform.“

Potenzielle Gefahren identifizieren

Das habe viele Vorteile, berge aber auch Risiken. Saboteure könnten durch einen illegalen Zugang zu den Daten die Infrastruktur sogar komplett lahmlegen – mit Folgen für Hafenakteure bis hin zu den Verbrauchern. Immerhin werden 90 Prozent aller Güter weltweit auf dem Seeweg transportiert.

„Perfider ist es allerdings, wenn nur ein, zwei Daten verändert werden“, sagt Frank Arendt, Dozent im Sicherheitsstudiengang ISSM an der Hochschule Bremerhaven und ISL-Geschäftsführer. Das falle zunächst gar nicht auf. Aus einem Kaffee-Container aus Kolumbien – einem der größten Drogenanbau-Länder weltweit – wird per Mausklick einer aus den USA.

„Damit senkt der Schmuggler die Wahrscheinlichkeit, dass der Zoll den Container durchleuchtet oder öffnet“, sagt Arendt. Denn die Behörde kann bei der Vielzahl der umgeschlagenen Ware nur Stichproben vornehmen.

Das Projekt-Konsortium aus Wirtschaft und Wissenschaft untersucht, wie Hafentelematik-Systeme künftig automatisch auf Schwachstellen getestet werden können, um diese dann auszuschalten. Vor allem die Kommunikationsschnittstellen nach außen bergen potenzielle Gefahren.

„Diese Zugänge müssen ausreichend gesichert sein“, betont Karsten Sohr. Die Ergebnisse des Projektes sollen auch dazu genutzt werden, um Zertifizierungen für Hafentelematik-Systeme anzubieten.

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