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28.03.2017

17:04 Uhr

Daten, Drohnen, Software

Die Baustelle wird smart

VonMartin Kölling

Selbst Bagger und Bulldozer werden in Zeiten der Digitalisierung smart. Mit Drohnen, künstlicher Intelligenz und Datenauswertung will der Hersteller Komatsu die Baustelle revolutionieren – und sein Geschäftsmodell.

Martin Kölling, Handelsblatt-Korrespondent in Japan, sitzt in einem smarten Bagger des Herstellers Komatsu Probe. Martin Kölling

Komatsu

Martin Kölling, Handelsblatt-Korrespondent in Japan, sitzt in einem smarten Bagger des Herstellers Komatsu Probe.

TokioDie Baustelle der Zukunft sieht unscheinbar aus. Nicht ganz einen Hektar ist die Sandfläche in einem Vorstadthafen Tokios groß, auf der ein Bulldozer und ein paar Bagger herumrollen. Die Innovation bemerkt nur, wer den Führern der Baumaschinen genau auf die Hände schaut. Ein Bulldozerfahrer nimmt die Hände vom Steuer, dennoch bleibt sein Arbeitsgerät präzise in der Spur. Denn vernetzt mit einem Steuerzentrum in der Datenwolke und aufgerüstet mit zentimetergenauen dreidimensionalen Karten, Kameras und künstlicher Intelligenz kann die Maschine schon einen Teil ihrer Arbeit halbautomatisch verrichten.

„Smart Construction“ nennt der japanische Baumaschinenhersteller Komatsu das Konzept, mit dem die globale Nummer zwei der Branche nun den Weltmarkt erobern und gleichzeitig sein Geschäftsmodell umbauen will. Dabei bauen die Japaner auf ihr Komtrax-System auf, das durch die Vernetzung mit dem Internet schon seit Jahren die Fernwartung von Maschinen erlaubt. Doch nun gehe es nicht mehr allein um den Verkauf von immer selbständigeren Maschinen und ihrer Wartung, erklärt Chikashi Shike, der Chef der Komatsu-Sparte für Smart Construction. „Wir wollen unser Angebot erweitern.“

Wo IoT-Technik im Einsatz ist

Schon gehört?

Dem Internet of Things (IoT) gehört die Zukunft. IfD Allensbach und Statista haben Menschen gefragt: Von welchen dieser Entwicklungen haben Sie schon gehört?

86 Prozent

86 Prozent: Über das Handy oder einen Tablet-PC kann man die Haustechnik bedienen.

81 Prozent

Über das Internet kann man genau verfolgen, wo sich Paketsendungen gerade befinden: 81 Prozent.

72 Prozent

Autos steuern sich weitgehend selbst, man muss kaum noch selbst lenken: 72 Prozent.

67 Prozent

Mit einem sogenannten 3DDrucker kann man ganze Objekte ausdrucken: davon haben 67 Prozent der Befragten gehört.

62 Prozent

Wichtige Körperfunktionen werden gemessen und die Daten automatisch an einen Arzt übermittelt: 62 Prozent.

44 Prozent

Kühlschrank registriert, wenn Lebensmittel zur Neige gehen, und bestellt automatisch nach: 44 Prozent.

43 Prozent

Auto informiert automatisch den Fahrer und die Werkstatt, wenn Autoteile ausgetauscht werden müssen: 43 Prozent.

Quellen: IfD Allensbach, Statista

Entnommen aus de Magazin „business impact“ 1/2017.

Durch künstliche Intelligenz und smarte Geräte verspricht Komatsu, die Verwaltung der gesamten Baustelle von der Vermessung bis zur Bauplanung zu digitalisieren. Kunden sollen so mit deutlich weniger Maschinen und Menschen mehr Erde bewegen können. „KomConnect“ heißt die Plattform im Internet, die es in Japan schon seit zwei Jahren gegen eine monatliche Gebühr zu mieten gibt. Die neuen Helden der Arbeit sind in diesem System nicht mehr allein Menschen und Baumaschinen, sondern Drohnen, Daten und Software.

Shike gibt ein Beispiel für die große Bedeutung der kleinsten Maschine, einer Drohne. Ein Ingenieursteam habe bei einer Baustelle errechnet, dass 14.000 Kubikmeter Erde bewegt werden müssten. Eine Drohne flog die Baustelle einmal ab, nahm hunderte von Bildern auf, die im Datenzentrum gemeinsam mit Positionsdaten von Satelliten zu einer bis auf drei Zentimeter genauen dreidimensionalen Karte umgerechnet wurden – und da waren es 17.600 Kubikmeter.

„Die Differenz entspricht 600 Kipplastern“, erzählt Shike. Der Grund für den Unterschied ist die Masse der Daten: Ein Ingenieursteam könne vielleicht 100 Datenpunkte aufnehmen, eine von einem Mitarbeiter ferngesteuerte Drohne erfasse hingegen in einer Viertelstunde Flug 15 Millionen Messpunkte.

Allein dies steigert die Produktivität. Doch danach geht es im Rechenzentrum weiter. Die Software übernimmt die Einsatzplanung, hilft bei der Buchung der notwendigen Baumaschinen und Laster und sowie der Anpassung der Bauplanung. Smarte Baumaschinen tragen dann auf der Baustelle dreifach zum weiteren Sparen bei.

Durch eingebaute Kameras liefern sie Bilddaten für die Aktualisierung der 3D-Karten. Zudem beschleunigen sie die Erdarbeiten. Und sie erlauben es Firmen, weniger qualifizierte Arbeiter einzusetzen und im Job zu schulen. Denn die künstliche Intelligenz im Rechenzentrum schaut den erfahrenen Maschinenführern über die Schulter und gibt dieses Wissen über große Displays im Führerhaus und die Automatisierung bestimmter Abläufe weiter.

Selbst der Handelsblatt-Korrespondent war in der Lage, ohne jedes Training mit einem Bagger eine gerade Linie in einen Hang zu ziehen. Wenn man die Schaufel absenkt, um an einem Hang Erde abzuziehen, stoppt der Bagger den Arm automatisch knapp über dem Boden. Zieht man dann am Hebel, schabt die Schaufel auf den Zentimeter genau die Erde ab.

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