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27.03.2017

14:32 Uhr

Dezentrale Netze

Kalkulierte Kettenreaktion

VonManuel Heckel

Die Bitcoin-Technologie Blockchain hat das Potenzial, Branchen umzuwälzen. Erste Unternehmen tasten sich vor. Doch einige rechtliche Fragen sind nicht geklärt: Darf eine Maschine Verträge abschließen? Und wer haftet?

Die Blockchain, auf die der Versorger setzt, steht auch hinter der Digitalwährung Bitcoin. Das Prinzip: Statt nur auf dem zentralen Server eines Anbieters sind Kopien des digitalen Kassenbuchs auf zahlreichen Rechnern rund um die Welt verteilt.´ Reuters, Sascha Rheker

Bitcoin

Die Blockchain, auf die der Versorger setzt, steht auch hinter der Digitalwährung Bitcoin. Das Prinzip: Statt nur auf dem zentralen Server eines Anbieters sind Kopien des digitalen Kassenbuchs auf zahlreichen Rechnern rund um die Welt verteilt.´

KölnEs ist ein einfacher Weg zu einer neuen Einnahmequelle: Wer eine eigene Ladestation für E-Autos vor dem Haus stehen hat, kann nun auch Fremde Strom zapfen lassen - zu einem selbst festgelegten Tarif. Dafür will nun die RWE-Tochter Innogy mit ihrer Vermittlungsplattform "Share & Charge" sorgen. Aktuell basiere das Konzept noch auf dem Vertrauen zwischen Ladestationsbetreiber und Nutzer. Künftig solle aber die Technologie Blockchain dafür sorgen, dass Stromzapfen und Bezahlen zwischen Unbekannten simpel und sicher abläuft.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

Die Blockchain, auf die der Versorger setzt, steht auch hinter der Digitalwährung Bitcoin. Das Prinzip: Statt nur auf dem zentralen Server eines Anbieters sind Kopien des digitalen Kassenbuchs auf zahlreichen Rechnern rund um die Welt verteilt. Kommt eine Transaktion hinzu, wird diese genau festgehalten - dazu wird ein neuer Datensatz an die bestehende Informationskette angehängt. Für die Umsetzung des Projekts kooperiert Innogy mit Slock.it. Das in Mittweida gegründete Start-up will per Blockchain und mit Digitalschlössern die private Vermietung von Fahrrädern und anderen Dingen voranbringen.

"Das Ziel ist, dass Leute alles, was sie besitzen, mit anderen teilen können", sagt Mitgründer Simon Jentzsch. Bisherige Plattformen sind aus Sicht des Start-ups für die Nutzer zu kompliziert oder zu teuer. Share & Charge soll nun beweisen, dass es besser geht. Schon jetzt zeigt das Pilotprojekt: Nachdem sich die Blockchain-Technologie bei Digitalwährungen wie Bitcoin grundsätzlich bewährt hat, wird sie zunehmend von Unternehmen anderer Branchen entdeckt.

"2017 wird das Jahr der Blockchain", prognostiziert Peter Loop, Principal Technology Architect der IT-Beratung Infosys. Auch die Marktforscher von Gartner zählen die Technologie zu den zehn wichtigsten IT-Trends für 2017. Die Technologie bietet eine Reihe von Vorzügen. So macht sie übergeordnete Kontrollinstanzen entbehrlich - die Aufgabe übernehmen die Rechner, die über das Internet miteinander vernetzt sind. Nur wenn die Mehrzahl einen Vorgang bestätigt, wird dieser ausgeführt. "Weil die Transaktionen dezentral abgelegt sind, kann ich die Blockchain kaum hacken", sagt Denis Gassmann, bei der Beratung Accenture Geschäftsführer für die Branchen Kommunikation, Medien und Technologie. "Ich müsste dafür ja auf mindestens 51 Prozent aller beteiligten Rechner zugreifen können.

"Rechenkapazitäten kann grundsätzlich jeder zur Verfügung stellen - spezialisierte Firmen unterhalten schon eigene Computerfarmen dafür. Der Anreiz: Für die Rechenleistung gibt es im Gegenzug Einheiten einer digitalen Währung. Geprägt hat diese Logik Bitcoin, sie kommt aber auch beispielsweise bei Ethereum zum Einsatz. Dieses populäre Blockchain-System, auf das auch Slock.it setzt, umfasst eine eigene Währung und ermöglicht neben dem Bezahlen auch andere Anwendungen. "Blockchain kann so wie das Internet eine Infrastruktur werden - die die Menschen dann für die unterschiedlichsten Dinge nutzen", sagt Rahul Singh, verantwortlich für Finanzdienstleistungen beim indischen IT-Dienstleister HCL Technologies.

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