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21.03.2017

20:14 Uhr

Edward Snowden bei der Cebit

„Ich bin nicht diese mächtige, einflussreiche Figur“

VonIna Karabasz

Es ist einer der persönlichsten Auftritte des berühmten Whistleblowers Edward Snowden. Auf der Technologiemesse Cebit spricht er über seinen Glauben an das Richtige – und die Liebe seines Lebens.

Der US-amerikanische Whistleblower und ehemalige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden spricht bei der IT-Messe CeBIT in Hannover auf einer Videowand. dpa

IT-Messe CeBIT

Der US-amerikanische Whistleblower und ehemalige CIA-Mitarbeiter Edward Snowden spricht bei der IT-Messe CeBIT in Hannover auf einer Videowand.

HannoverEs sei nicht ganz das Interview gewesen, was er erwartet hatte, sagt Edward Snowden. Sein Gesicht prangt wie immer bei seinem Vorträgen riesenhaft auf einer Leinwand. Noch immer steckt der berühmteste Whistleblower der Welt in Russland fest. Seine Interviews macht er per Live-Schaltung von zu Hause aus.

An diesem Tag ist er auf der Technologiemesse Cebit in Hannover zugeschaltet. Schon lange vor seinem virtuellen Auftritt sind die Publikumsreihen bis auf den letzten Platz belegt, dahinter reihen sich stehende Zuschauer. Seit er 2013 Überwachungspraktiken der US-Behörden öffentlich gemacht hat, hat er bei vielen einen Helden-Status.

An diesem Dienstag will er in Hannover über Datensicherheit in Zeiten der Überwachung sprechen, aber so richtig kommt er nicht dazu. Das Publikum hatte vorher Fragen einreichen dürfen, viele beziehen sich auf seine Person – und so wird es ein unerwartet persönliches Interview, sowohl für ihn, als auch für die Zuschauer.

Es beginnt, als der Moderator ihn fragt, ob er glaubt, noch immer etwas bewegen zu können: Snowden antwortet, es sei bei seinen Enthüllungen nie um ihn gegangen. Er sei nicht der Führer dieser Bewegung. „Ich wollte nur die Informationen der Öffentlichkeit zurückgeben“, sagt der US-Amerikaner. Er habe nie sagen wollen, was richtig und falsch ist: „Ich bin nicht hier, um die Dinge zurechtzurücken, ich tue auch nicht so und bin dafür auch nicht qualifiziert.“

Später wird er hinzufügen: „Ich bin nicht diese mächtige, einflussreiche Figur.“ Da war er gefragt worden, ob er sich Sorgen mache, dass russische Behörden ihn festnehmen werden, wenn sie sich mit der neuen US-Regierung auf ein entsprechendes Abkommen einigen. Jedes Land könne ihm genauso schaden, wie jedem anderen auch, fügte er hinzu – als auf einmal etwas in ihm aufblühte.

Die Top 7 der IT-Sicherheitsrisiken in 2017

Angriffsziel Internet der Dinge

Risiko: Immer mehr Systeme und Geräte sind online. Zu den bevorzugten Angriffszielen im Internet of Things (IoT) gehören Maschinensteuerungen, Smart-Home-Gerätschaften, IP-Kameras wie auch die Elektronik in Autos.
Abwehr: Der Schutz im IoT ist stark verbesserungswürdig. Dazu kommt, dass viele Hersteller ihre Produkte mit installierten Backdoors (Hintertüren) zum System verkaufen wollen. Auf keinen Fall sollten die Geräte mit
Standardeinstellungen und ohne Firewall betrieben werden.

Kritische Infrastruktur gefährdet

Risiko: Netzwerke und Infrastruktur-Systeme wie Energie- und Wasserversorgung werden von professionell organisierten Hackertrupps, staatlichen Cyberarmeen, Terroristen sowie Cyberkriminellen angegriffen. Das Schadprogramm Stuxnet hat gezeigt, wie Steuerungssysteme Kritischer Infrastrukturen von jedem beliebigen Ort der Welt aus manipuliert und beschädigt werden können.
Abwehr: Seit 2016 ist ein Gesetz in Kraft, das regelt, wie die Kritischen Infrastrukturen der Energieversorgung vor Cyberangriffen geschützt werden sollen. Wichtiger Aspekt bei allen Kritischen Infrastrukturen ist die Absicherung des sogenannten SCADA-Fernzugriffsprotokolls.

CEO-CFO-Fraud auf dem Vormarsch

Risiko: Kriminelle sammeln Informationen über das anzugreifende Unternehmen. Dann geben sie sich gegenüber den Beschäftigten als Geschäftsführer (CEO) oder als Finanzchef (CFO) aus und veranlassen den Transfer eines größeren Geldbetrags ins Ausland, vornehmlich nach Asien und Osteuropa.
Abwehr: Die Unternehmensdaten sparsam veröffentlichen, Mitarbeiter sensibilisieren und klare Verhaltensregeln für die Finanzabteilung und Buchhaltung festlegen.

Schaden durch Ransomware

Risiko: Ransomware steht für Krypto-Viren oder Verschlüsselungstrojaner, die eine Festplatte von extern verschlüsseln und dem Benutzer erst wieder Zugang gegen Zahlung eines Lösegeldes gewähren.
Abwehr: Individuell angepasste Backups und wichtige Daten in der Cloud speichern, so sind sie immer abrufbar.

Angriffe auf mobile Geräte

Risiko: Sicherheitsprofis gehen davon aus, dass Angriffe auf mobile Geräte auch in diesem Jahr ein großes Problem für die Unternehmenssicherheit werden. Nutzer fangen sich Malware oft über ein infiziertes WLAN-Netz ein.
Abwehr: Ungeschütze WLANs meiden, regelmäßig Updates und Anti-Malware-Software installieren.

Hacker in der Cloud

Risiko: Angriffe bewegen sich vertikal durch alle Ebenen eines Unternehmens und horizontal zwischen Unternehmen, die sich in derselben Cloud befinden. Hacker haben es auf leicht zugängliche Angriffspunkte wie Anmeldeinformationen und Authentifizierungssysteme abgesehen.
Abwehr: Vertrauenswürdigen Cloud-Anbieter auswählen und sich von dessen Sicherheitsmaßnahmen persönlich überzeugen.

Schäden durch Insider-Threats

Risiko: Ob mit kriminellem Beweggrund oder unbeabsichtigt, schon jetzt gehen mehr als 50 Prozent der Abwanderung von sensiblen Daten auf interne Sicherheitslücken zurück.
Abwehr: Sicherheitsrichtlinien aufstellen, Mitarbeiter sensibilisieren und schulen, regelmäßige Passwortänderungen durchführen, kein Einloggen von Arbeitsgeräten in öffentlichen Netzen erlauben und Netzwerke mit spezieller Software rund um die Uhr überwachen. In besonders sensiblen Bereichen wie bei Banken die Administratoren durch die Aufzeichnung von Tastatur- und Mauseingaben überwachen.

Quelle: Creditreform 03 2017

Es sei ihm nie darum gegangen, sicher zu sein, sagt Snowden und betont seinen Glauben daran, das Richtige getan zu haben. „Ich werde mit Stolz mit den Konsequenzen umgehen, wenn es soweit ist“, betont der 34-Jährige. Und wenn das seine letzte Nacht sei, dann wolle er sagen können, genug getan zu haben. Die Zuschauer applaudieren spontan. Er hat sie bereits mitgenommen. Und dann passiert etwas Seltenes. Snowden, der bei seinen Auftritten immer vor einer schwarzen Wand sitzt, die nichts von seinem Umfeld und seinem Leben verrät, trinkt aus einer blauen Sportflasche. So profan dies klingt, so menschlich und greifbar macht es ihn in diesem Moment.

Er spricht dann noch eine Weile über seinen Bezug zu der Whistleblower-Plattform Wikileaks, die sowohl seine Informationen als auch Anfang des Monats erneut rund 8000 Seiten geheimer Dokumente veröffentlicht hat. Das gilt auch für E-Mails von John Podesta, dem Chef des demokratischen Wahlkampfteams im vergangenen Jahr. US-Behörden machten später russische Hacker dafür verantwortlich. Snowden legt Wert auf die Tatsache, dass es keine Verbindung zwischen ihm und Wikileaks gebe. Er spreche auch nicht mit Julian Assange, dem Gründer der Plattform. „Aber viel von dem, was sie gemacht haben, war ein aufrichtiger Dienst für die Allgemeinheit“, fügt er hinzu.

Danach wird es dann wieder persönlich. Der Moderator spricht ihn auf seine Freundin an. Er habe einmal gesagt, dass es ihm leid tue, dass sie unter seiner Situation leide. Daraufhin antwortet er zunächst nicht konkret, sondern erklärt im Wesentlichen, es sei nicht gerecht, dass er im Asyl leben muss. Es gebe bis heute keine Beweise dafür, dass er mit seinen Enthüllungen irgendwem geschadet habe. Und natürlich wolle er zurück in die USA: „Das ist meine Heimat.“

Dann wird er gefragt, ob er nach wie vor verliebt sei. Daraufhin beginnt Snowden fast zu leuchten. Seine Freundin sei die Liebe seines Lebens, erklärt er bestimmt. „Sie kennt mich besser als irgendjemand anders. Und sogar, als ich mein bisheriges Leben – unser bisheriges Leben – verloren habe, kam sie, um mit mir zu leben.“

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