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20.03.2017

14:49 Uhr

IBM auf der Cebit

Dieses Kleid erkennt Ihre Stimmung

VonJohannes Steger

Auf der Cebit präsentiert IBM Technologie für Roboter, Cloud-Dienste, selbstfahrende Autos – und auch Mode. Hinter dem mitdenkenden Kleid steckt eine besondere Technologie zur Stimmungsanalyse.

Cebit 2017

Dieses schicke Kleid kann denken

Cebit 2017: Ein Kleid, das „denkt“

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HannoverHier wirkt Hannover fast wie Paris: Wer am Cebit-Stand des Technologieriesen IBM vorbeischaut, der kann sich wundern. Auf der Bühne flaniert eine junge Dame in Modelpose an den Zuschauern vorbei. Das Besondere: Das elfengleiche Kleid blinkt in unterschiedlichen Farben auf. Ist IBM angetreten, den Guccis und Chanels dieser Welt Konkurrenz zu machen?

Mitnichten: Hinter dem Kleid steckt zwar eine Berliner Modedesignerin, aber der Zweck ist nur ein Marketing-Gag. Das Kleid fängt Stimmungen von Tweets auf und spiegelt diese in farbigen LED-Lichtern wieder. Eigens für die Cebit hat IBM diesen „Cognitive Dress“ in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft entwickelt. Das intelligente Computersystem Watson analysiert Tweets mit dem Hashtag #IBM und bewertet diese hinsichtlich der ausgedrückten Stimmungen und übersetzt sie in die Farben der LED-Lichter.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Die Idee dahinter nahm ihren Anfang im Mai 2016 zur New Yorker Fashion Week beim Modelabel Marchesa: Für ein ganz besonderes Kleid zerbrachen sich nicht die beiden Chefinnen Georgina Chapman und Keren Craig über einem Skizzenblog den Kopf, sondern eben jenes intelligente IBM-Computersystem namens Watson.

Das wertete Daten bezüglich Stoffen, Farben oder Meinungen aus dem Netz aus. Dafür zog Watson seine Informationen zum Beispiel auch aus Fotos in den sozialen Netzwerken. Am Abend der Vorstellung illuminierten LED-Lichter das Ergebnis und zeigte mittels Watsons „Tone Analyzer“ die Bewertung der Betrachter in unterschiedlichen Farben an.

Alle wichtigen Infos zur Cebit

Eröffnung mit Merkel

Die Cebit wird am 19. März von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den japanischen Premierminister Shinzō Abe eröffnet. Japan ist in diesem Jahr Partnerland der Messe, mehr als 100 Institutionen und Firmen aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen. Der japanische Zentralstand ist in den Hallen 4 und 12. 

Eine Woche Betrieb

Die Cebit 2017 beginnt mit einem Pressetag am Sonntag, 19. März. Für reguläre Besucher ist das Gelände vom 20. bis 24. März geöffnet. Die Messe betont, sich an Fachleute fürs digitale Geschäft zu richten – Schulklassen sind nicht willkommen.

Digitalisierung als Oberthema

Das Leitthema der Messe lautet erneut „d!conomy“, dieses Mal mit dem Zusatz „no limits“. Die Veranstalter wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Digitalisierung alle Bereiche der Wirtschaft ergreift.

Drohnen und Roboter als Hingucker

Die Cebit soll eine Plattform für die Digitalisierung der Wirtschaft sein – samt großer Trends wie Cloud Computing, Big Data, IT-Sicherheit, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz. Besondere Hingucker sind das Drohnenfreigelände neben Halle 2 und zahlreiche Roboter, etwa am Stand des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Halle 6.

Eigene Halle für Start-ups

In diesem Jahr stellen mehr 3000 Unternehmen aus 70 Ländern ihre Produkte und Neuentwicklungen vor. Darunter sind rund 400 Start-ups, für die es eine eigene Halle gibt. Die Deutsche Messe AG rechnet wie im Vorjahr mit rund 200.000 Besuchern.

Tickets und Preise

Ein Dauerticket kostet an der Tageskasse 61 Euro. Tagestickets sind nur noch für Schüler und Studenten zu einem Preis von 26 Euro im Angebot. Für verschiedene Konferenzen zahlen Besucher extra – wer etwa am Format Global Conferences teilnehmen will, ist ab 660 Euro dabei. Eine Übersicht findet sich auf der Website der Cebit.

Hannover ist nicht New York und das Kleid auch nicht von Marchesa: Es soll das dahinter liegende System veranschaulichen. Die Analyse von Stimmungen oder Meinungen in den sozialen Netzwerken kann für Unternehmen genauso interessant sein wie zum Beispiel für Behörden wie die Polizei.

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