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21.03.2017

20:15 Uhr

IT-Sicherheit

Roboter außer Kontrolle

VonIna Karabasz, Christof Kerkmann

Digitalisierung ist für Unternehmen das Gebot der Stunde. Doch mit der Vernetzung bieten sie aber auch immer mehr Angriffsfläche. IT-Sicherheit wird dadurch ein lukratives Geschäft – mit hohem Wachstumspotenzial

Die Digitalisierung bietet auch Angreifern neue Möglichkeiten. Reuters, Sascha Rheker

Roboter auf der Cebit

Die Digitalisierung bietet auch Angreifern neue Möglichkeiten.

HannoverMit einem Zucken setzt sich der Arm in Bewegung. Erst fährt er nach oben, dann schwenkt er nach rechts – und stößt mit seiner ganzen maschinellen Wucht einen Stapel Kartons um. Wenn jemand daneben gestanden hätte, wäre ihm das schlecht bekommen.

Ein Industrieroboter außer Kontrolle: Es ist ein warnendes Beispiel, das der IT-Sicherheitsspezialist Rafael Fedler von der Firma Nside Attack Logic vorführt. Er zeigt in einer Vorführung auf der Technologiemesse Cebit, dass er von Hannover ein Gerät in Augsburg fernsteuern kann. Große Schwierigkeiten bereitet ihm das nicht: In der Industrie komme „unglaublich viel alte Software“ zum Einsatz – und die habe häufig Sicherheitslücken.

Essay von Timotheus Höttges: „Wir sind kein Spielball der Digitalisierung“

Essay von Timotheus Höttges

„Wir sind kein Spielball der Digitalisierung“

Telekom-Chef Timotheus Höttges plädiert in einem Handelsblatt-Essay für Optimismus im Umgang mit neuen Technologien. Probleme können zwar nicht wegdigitalisiert werden. Doch nie ging es uns so gut wie heute.

Es ist ein Szenario, das vielen Unternehmen Sorgen bereiten dürfte. Die Digitalisierung bietet ihnen neue Möglichkeiten. Die Vernetzung von Vertrieb und Marketing, von Logistiklagern und Produktionsanlagen verspricht eine höhere Produktivität und lukrative neue Geschäftsmodelle. Doch damit bieten sie auch immer mehr Angriffsfläche. Daher spielt IT-Sicherheit auf der Messe eine zentrale Rolle.

Der Trend zur Digitalisierung ist unaufhaltbar. Eine Zahl belegt das exemplarisch: Der Technologieverband Bitkom schätzt, dass die Vernetzung von Produktionsanlagen in sechs Branchen, darunter Autohersteller oder chemische Industrie, in Deutschland bis zum Jahr 2025 zu Produktivitätssteigerungen in Höhe von bis zu 78,5 Milliarden Euro führen. Was vernetzt werden kann, das wird auch vernetzt.

Das sind die Trends der Cebit

Digitalisierung konkret

Bagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit (20.bis 24. März) in Hannover locken. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud-Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar. Zumindest für Geschäftsleute: Auf die konzentriert sich die Deutsche Messe AG als Ausrichter.

Abbild und Helfer

Drohnen und Roboter für den kommerziellen Einsatz sind ein Schwerpunkt der Technikmesse - ob als Unterstützung für Inspektionsarbeiten oder Zuarbeiter am Fließband. Das ist auch dem Partnerland Japan zu verdanken, wo humanoide Helfer bereits im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen. Wie weit das eines Tages reichen könnte, wird Hiroshi Ishiguro in seinem Vortrag skizzieren: Der Popstar der japanischen Roboterforschung hat seinen eigenen Doppelgänger erschaffen.

Intelligente Hilfe

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt in einem Vortrag diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken geht es auf der Cebit darum, wie künstliche Intelligenz schon heute Firmen helfen kann. Ein System von SAP sortiert etwa Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Konkurrent Salesforce will Vertriebsmitarbeiter mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf der Messe dürften viele solcher Szenarien zu sehen sein.

Schutz vor Hackern

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte. Und der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, steht auf der Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit traditionell eine wichtige Rolle. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird der Schutz. Zunehmend in der Diskussion: Wie lassen sich neben Smartphones und Clouddiensten auch vernetzte Autos oder Roboter schützen?

Smarte Umgebung

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-Boco einen Seifenspender vor, in dem Sensoren automatisch den Füllstand an das Reinigungspersonal melden. Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird.

Brille für mehr Einblick

Datenbrillen für Virtual und Augmented Reality kommen in immer mehr Laboren und Fabriken zum Einsatz. Die Cebit widmet dem Trend eine halbe Halle. Zu sehen sind etwa Werkzeuge für die Prototyp-Entwicklung oder die Simulation von Herzoperationen.

Damit wachsen aber auch die Sicherheitsrisiken. Das gilt nicht nur für Büronetzwerke und vernetzte Produktionssysteme. Auch Überwachungskameras, Babyfone oder Rauchmelder werden immer häufiger mit dem Internet verbunden. Wie schlecht diese Geräte häufig abgesichert sind, zeigt der IT-Sicherheitsspezialist Sophos an seinem Stand: Mit dem Modell eines vernetzten Hauses demonstriert er, wie viele Zugriffsversuche von außen es gibt. Die meisten Vorfälle geschehen unbemerkt von den Nutzern.

Auf die wachsende Bedrohung reagieren die Anbieter von IT-Sicherheitslösungen. Sie zeigen auf der Messe Software zur Überwachung von Netzwerken, Systeme zur sicheren Verwaltung von Geräten, Firewalls zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Und sie positionieren sich als Berater, die Konzepte für den Schutz entwickeln und Notfallpläne aufstellen.

Kommentare (2)

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Herr Clemens Keil

22.03.2017, 09:27 Uhr

NSA/BND/...-Skandal: ist die Industrie endlich aufgewacht?
Was Vorstand, Firmeninhaber, Behördenchefs und auch Minister über die Sicherungsmöglichkeiten der heutigen IT-Infrastruktur wissen sollten:
Zwar liegen Ihre "Kronjuwelen" (sprich: Blaupausen, Erfindungen,...) in einem "Safe", gehen Sie aber davon aus, dass der eine oder andere Spionagedienst Zweitschlüssel besitzt.
Zwar sind Ihre Know-how-Träger verschwiegen, gehen Sie aber davon aus, dass der eine oder andere Spionagedienst mitliest, was sie auf ihrem PC so treiben.
Zwar mögen Preisinformationen und Kalkulationen Ihrer Produkte und/oder Dienstleistungen geheim sein, gehen Sie aber davon aus, dass der Stempel geheim den einen oder anderen Spionagedienst geradezu anlockt, Ihr Geheimnis zu enttarnen.
Gehen Sie davon aus, dass die IT-Industrie Sie in - falscher - Sicherheit wägen will.
Gehen Sie davon aus, dass auch persönliche Daten bei anderen Firmen und Behörden, trotz gegenteiliger Beteuerungen, von interessierter Seite abgegriffen werden (Beispiel: bayerische Steuerbehörden - guten Morgen Herr Söder!).
Gehen Sie davon aus, dass die Sicherheitsempfehlungen sogenannter IT-Experten funktional zwar richtig und berechtigt sind, aber aus einer integrierten Gesamtsicht heraus unvollständig und lückenhaft sind.
Gehen Sie davon aus, dass auch sogenannte sichere Verschlüsselungen keine absolute Sicherheit bieten, denn Mitlesemöglichkeiten bestehen u.a. vor der Verschlüsselung und nach der Entschlüsselung.
Gehen Sie davon aus, dass die Stellen, die sich unberechtigterweise Zugang zu Ihren Daten verschafft haben, auch Fehler machen (z.B. Ihre Daten nicht sicher aufbewahren, Identitäten vertauschen, etc).
Gehen Sie davon aus, dass im Rahmen der regierungsamtlich gewünschten Kooperation von BND und NSA auch vertrauliche Unternehmensdaten ausgetauscht werden.
Glauben Sie weder dem BfA, noch dem BND noch dem BSI.
Wenn Sie sich von diesem Schock erholen wollen, empfehle ich Ihnen die NSA-Trilogy:

http://youtu.be/v1kEKFu6

Herr Clemens Keil

22.03.2017, 09:29 Uhr

...
http://youtu.be/v1kEKFu6PkY
http://youtu.be/pcc6MbYyoM4
http://youtu.be/_a_hz2Uw34Y

Viel Spaß und viele neuen Erkenntnisse beim Anhören.

PS: Und fordern Sie von der Regierung weniger Datenschnüffelei und mehr IT-Sicherhit!

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