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14.03.2016

13:26 Uhr

Microsoft und der Angriff auf Oracle

Kampf um das Herz der Industrie 4.0

VonAxel Postinett

Es ist der Krieg, der im Stillen seit Jahren geführt wird. Doch jetzt ist Microsoft-Chef Satya Nadella persönlich gekommen, um ihn ins Rampenlicht zu zerren. Der Kampfplatz der Giganten: ein 50-Milliarden-Dollar-Markt.

Der Microsoft-CEO Satya Nadella will will Rivalen Oracle entthronen. AP

Satya Nadella

Der Microsoft-CEO Satya Nadella will will Rivalen Oracle entthronen.

New YorkDonnerstagmorgen in New York. Nadella stellt die 2016er Version von Microsofts Datenbank-Servers SQL (sprich „Sequal“) vor. Vor 20 Jahren hätte das niemanden außerhalb der IT-Industrie interessiert. Doch das ist im Internetzeitalter anders. Daten sind die „neue Elektrizität“ oder das „Rohöl der digitalen Welt“, wie Experten schwärmen. Und Datenbanken spielen im Hintergrund die Schlüsselrolle.
Sie speichern mittlerweile nicht nur gigantische Mengen von Daten. Sie sind zum Dreh- und Angelpunkt für „Big Data“ geworden, für Analyse und „Business-Intelligence“. Das ist die Wissenschaft, die aus Daten in Sekunde-Bruchteilen hilfreiche Informationen macht, mit denen Milliardenunternehmen gelenkt werden.

Die Cebit im Überblick

Leitthema: Alles digital

Das Motto der Messe lautet „d!conomy“, das die tiefgreifende Digitalisierung der Wirtschaft auf den Punkt bringen soll. Der Zusatz „join - create - succeed“ soll die aktive Rolle der Unternehmen zum Ausdruck bringen.

Schwerpunkte: Von Cloud bis Big Data

Zu den Schwerpunkten der Messe zählen Cloud Computing, Big Data und die IT-Sicherheit. Ein Trendthema ist auch das Internet der Dinge, also die Vernetzung von Autoflotten, Fabriken oder Windparks.

Ausrichtung: Nur Profis!

Seit 2015 richtet sich die Cebit ausschließlich an Fachbesucher. Techniktüftler und Nerds, die sich früher zu Tausenden durch die vollen Messehallen schoben, wollen die Veranstalter nicht mehr ansprechen.

Aussteller: Konzerne und Start-ups

Auf der Cebit sind traditionell die Großen der IT-Branche vertreten, ob Microsoft, IBM oder SAP. Die Messe hat zudem den Start-up-Bereich Scale11 gegründet. Im vergangenen Jahr kamen 3300 Aussteller, was wieder die Messlatte sein dürfte.

Konferenzen: Politiker und Experten

Große Neuigkeiten sind auf der Cebit nicht mehr zu erwarten, die Messe lockt aber mit einem großen Konferenzprogramm. Dort sprechen etwa EU-Kommissar Günther Oettinger und Verschlüsselungsspezialist Phil Zimmermann.

Dauer: Fünf Tage für die Experten

Die Cebit 2016 dauert vom Montag bis Freitag (14. bis 18. März). Wie schon in den vergangenen Jahren ist die Messe am Samstag nicht geöffnet - der Veranstalter geht davon aus, dass die Fachbesucher unter der Woche kommen.

Vor dem Hintergrund des Industriellen Internets der Dinge, das Milliarden von Geräten, Menschen und Sensoren vernetzen wird, steigt der Bedarf an Hochleistungsdatenbanken tagtäglich. Der potenzielle Markt wird vom Analysehaus Gartner auf 50 Milliarden Dollar veranschlagt.

Kein Wunder, dass vier der reichsten Männer der Welt aggressiv um diesen Markt streiten. Da ist Larry Ellison, Gründer und Präsident von Oracle mit einem Jahresumsatz von 38 Milliarden Dollar, aber ohne Wachstum im Stammgeschäft. Dagegen die Microsoft-Großaktionäre Bill Gates und Steve Ballmer, vertreten durch Vorstandschef Satya Nadella. Microsoft kam 2015 auf 51 Milliarden Dollar Business-Umsatz, wobei Datenbanken laut Barb Edson, General Manager Datenplattformen, „bereits der größte Einzelbereich darstellt“. Und dann ist da Jeff Bezos, Gründer von Amazon.com. Sein Cloud-Anbieter AWS setzt schon acht Milliarden Dollar um und bietet jetzt eigene Datenbanken an.

Das Internet der Dinge

Alltägliche Objekte im Netz

Das Internet ist bekannt als Infrastruktur, über die Menschen Daten austauschen – ob mit dem PC, Laptop oder Smartphone. Es geht also letztlich um Computer, die miteinander kommunizieren. Doch heutzutage lassen sich immer mehr Objekte vernetzen: Heizung und Haustür, T-Shirt und Brille, Auto und Heizung.

Eine Sache, viele Begriffe

Den Begriff „Internet der Dinge“ prägten Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston Ende der 90er Jahre. Es kursieren aber viele Begriffe. „Industrial Internet“ betont die wirtschaftliche Bedeutung, „Machine to Machine“ (abgekürzt M2M) beschreibt eher technisch, dass Geräte autonom Daten austauschen.

Einsatz in der Wirtschaft

Bislang ist das Internet der Dinge vor allem eine Sache der Wirtschaft: Logistikunternehmen verfolgen beispielsweise den Weg von Lieferungen. Technologie-Hersteller bringen aber zunehmend auch Produkte für Verbraucher auf den Markt, etwa Heizungssteuerungen.

Mini-Computer und Funkantenne

Vernetzte Objekte benötigen eine Art Mini-Computer und eine Funkantenne, außerdem Sensoren – im Fall einer Heizungssteuerung etwa, um die Temperatur zu messen. Diese Komponenten sind in den vergangenen Jahren so geworden, dass immer neue Einsatzgebiete in Frage kommen.

Sextillionen von Adressen

Damit vernetzte Objekte übers Internet gesteuert werden können, muss man sie eindeutig ansprechen können. Ein neuer Standard namens IPv6 soll dafür sorgen, dass auch im Zeitalter vernetzter Autos und Heizungen genügend IP-Adressen vorhanden sind – es sind 340 Sextillionen, also eine 340 mit 36 Nullen.

Markt mit Riesenpotenzial

Es ist schwierig, den Vernetzungstrend in Zahlen zu fassen, der Markt ist noch zu jung. Der Marktforscher Gartner wagt die Prognose, dass bis 2020 rund 26 Milliarden Geräte im Internet der Dinge sind – PCs, Tablets und Smartphones sind darin nicht eingeschlossen. Der Umsatz mit Produkten und Diensten werde auf mehr als 300 Milliarden Dollar wachsen. Noch optimistischer ist der Netzwerkausrüster Cisco, der bis dahin 50 Milliarden vernetzte Geräte erwartet.

Diskussion über Datenschutz

Der Siegeszug der vernetzten Geräte dürfte einige Diskussionen über den Datenschutz nach sich ziehen. Ein Beispiel: Darf eine Versicherung die Bewegungsdaten eines Autobesitzers auswerten, um den Tarif ans Fahrverhalten anzupassen? Oder darf die Polizei nach einem Unfall überprüfen, ob der Fahrer zu schnell war?

Der Angriff, den Satya Nadella an diesem klaren Wintermorgen im 43. Stock des „Time Inc“-Hochhauses reitet, hat es in sich. Eine komplette Datenbank-Installation für ein kleineres Unternehmen mit allen Optionen bis zur Business-Intelligence kostet bei Oracle laut Listenpreis 3,74 Millionen Dollar - pro Jahr. Nadella verspricht eine vergleichbare Installation schon für 320.000 Dollar. Und wer einen bestehenden Oracle-Vertrag nachweisen kann, der bekommt die SQL-Server-Lizenz sogar kostenfrei.

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