Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2017

06:29 Uhr

Siemens-Zulieferer TE Connectivity

Schaltstelle für Big Data

VonMartin Wocher

Ohne Klemmen, Schalter oder Relais läuft in der Industrie gar nichts mehr. Sie sammeln Daten, das Gold des Internetzeitalters. Wie der weltgrößte Steckverbinderhersteller TE Connectivity sein Geschäft ausbauen will.

In autonomen Autos – wie dem Concept Car Mercedes-Benz F015 – steckt jede Menge elektronische Verbindungstechnik. Reuters, Sascha Rheker

TE Connectivity

In autonomen Autos – wie dem Concept Car Mercedes-Benz F015 – steckt jede Menge elektronische Verbindungstechnik.

DüsseldorfSie versehen eher im Verborgenen ihren Dienst, unauffällig, zuverlässig, jede Minute, Jahr um Jahr: Ohne Steckverbinder, Schalter oder Relais läuft in der modernen Industriewelt gar nichts. Wo Strom geregelt wird, sind sie zur Stelle, werden millionenfach jeden Tag überall auf der Welt in Autos, Kühlschränke, Roboter eingebaut, wo sie ihrem eigenen Mechanismus folgen: Ein-Aus, Ein-Aus.

Doch aus den ehemals simplen Gefährten der Elektrifizierung sind mittlerweile hochintelligente Mitarbeiter geworden. Sensoren und Software greifen Daten aus den Schaltvorgängen ab, analysieren Schwachpunkte aus dem Informationsfluss zwischen Maschinen, optimieren dadurch deren den Energieeinsatz oder und weisen frühzeitig auf eine Wartung oder einen Austausch hin. „Das Internet der Dinge berührt nahezu alle Bereiche des industriellen Lebens“, sagt Terrence Curtin, der neue Chef des weltgrößten Steckverbindungs- und Sensorikspezialisten TE Connectivity. „Das ist für uns eine großartige Gelegenheit.“

Rund zwölf Milliarden US-Dollar setzt das Schweizer Unternehmen mit US-amerikanischen Wurzeln derzeit um, Kunden sind das Who-is-Who der weltweiten Industrieelite: General Electric, Siemens, Bosch – die großen Autohersteller, die Medizintechnik-, Luft- und Raumfahrt-, Verteidigungsindustrie. All diesen Anwendungen sind keine Grenze gesetzt. TE versteht sich dabei als weltweit operierendes Unternehmen mit Kunden in 150 Ländern. „Wir machen jeweils ein Drittel unserer Geschäfte in den Regionen Europa, Nordamerika und Asien“, sagt Curtin, der erst vor elf Tagen die Nachfolge von Chef Tom Lynch angetreten hat. Letztgenannter bleibt Executive Chairman.

Mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze sei kein Strategieschwenk verbunden, erklärt Curtin, der schon seit 16 Jahren bei TE – unter anderem als Finanzchef – arbeitet. Derzeit beschäftigt der Konzern 75.000 Mitarbeiter. Curtin macht im Gespräch mit dem Handelsblatt deutlich, dass er die Digitalisierung beschleunigen wolle. „Wir haben das richtige Portfolio, aber wir müssen bei den Innovationen mehr Tempo machen.“

Das gilt vor allem für das Autonome Fahren, an dem nicht nur die großen Autohersteller, sondern auch Internet- und IT-Konzerne, wie etwa Google und Apple, forschen. Der Autoindustrie misst der neue TE-Chef eine Vorreiterrolle beim Dateneinsatz bei – von der autonomen Steuerung des Fahrzeuges bis hin zu neuen Geschäftsmodellen rund um Mobilität und Service.

Auch deshalb hat sich TE dem Ausbau seines Sensorgeschäftes verschrieben. Die elektronischen Fühler messen in Motoren und Aggregaten den Druck, die Vibration, die Luftfeuchtigkeit und die Position. Dann erstellen sie eine Datenbasis, aus deren Analyse sich eine Vielzahl von Informationen gewinnen lassen. Rund 800 Millionen von insgesamt zwölf Milliarden Dollar setzt TE mit diesem Bereich um – und gehört damit zu den größten Sensorherstellern der Welt. Doch das soll erst der Anfang sein, für Curtin sind die Sensoren und die sich aus den erhobenen Daten ergebenen neuen Anwendungen ein schier unendlicher Wachstumsmarkt. Auch Zukäufe sollen in den kommenden Jahren dazu beitragen.

Deutschland spielt bei diesen Überlegungen eine große Rolle – als Absatzmarkt und als Forschungsstandort. Rund zehn Prozent des Umsatzes erzielt der TE-Konzern hierzulande, an 17 Standorten forschen und produzieren Mitarbeiter. „Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für uns“, bestätigt Curtin. „Wir müssen hier sein“. Schließlich sind Deutschlands Industriekonzerne ganz weit oben in der Weltliga. Curtin ist davon überzeugt, dass sich das so schnell auch nicht ändern wird.

Was den Maschinenbau und die Automatisierungstechnik betrifft, nehmen deutsche Firmen eine Führungsrolle ein. Im Autobau seien Daimler, BMW & Co. nicht so leicht von der Spitze zu verdrängen – trotz des anstehenden Wandels zur Digitalisierung und zur Elektromobilität. Zwar forschten auch Internet-oder IT-Konzerne wie Google oder Amazon in diesen Bereichen, „aber dass sie schon eine führende Rolle übernommen haben, lässt sich wirklich nicht behaupten“, sagt Curtin.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×