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18.11.2014

20:54 Uhr

Chat-Dienst

WhatsApp führt Komplett-Verschlüsselung ein

Die Chat-App WhatsApp wurde oft für mangelnde Sicherheit kritisiert, nun wird reagiert: Millionen Nutzer der Android-App kommunizieren jetzt komplett verschlüsselt. Gesorgt haben dafür anerkannte Fachleute.

Komplett-Verschlüsselung

Whatsapp bietet Update gegen Datenklau

Komplett-Verschlüsselung: Whatsapp bietet Update gegen Datenklau

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BerlinDie Nachrichten im Chat-Dienst WhatsApp werden künftig auf ihrem gesamten Weg verschlüsselt. Zunächst profitieren davon die Nutzer der Android-App. WhatsApp, das inzwischen zu Facebook gehört, tat sich dafür mit den bekannten Verschlüsselungs-Spezialisten von Open Whisper Systems zusammen. Die Firma bietet mit „TextSecure“ ein Verfahren für den geschützten Nachrichten-Austausch und auch eine eigene App an.

Das Verschlüsselungs-Prinzip von „TextSecure“ finde sich nun auch in der Android-App von WhatsApp, erklärte Open Whisper Systems in einem Blog-Eintrag am Dienstag. Täglich würden bereits Milliarden verschlüsselte Mitteilungen ausgetauscht.

Allerdings funktionierte die Verschlüsselung bisher nur für persönliche Nachrichten, nicht für Gruppen-Chats oder Fotos und Videos. Man arbeite an diesen Funktionen ebenso wie an der Verschlüsselung von WhatsApp-Nachrichten auf anderen Plattformen, hieß es. WhatsApp hat weltweit über 600 Millionen Nutzer und ist auch auf dem Apple-Betriebssystem iOS populär.

WhatsApp war in der Vergangenheit für mangelnde Sicherheit kritisiert worden. Die App besserte zwischenzeitlich nach. Doch die neue Verschlüsselung bietet besondere Sicherheit: Sie schützt die Nachrichten auf dem kompletten Weg von Sender zu Empfänger. Das wird als Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bezeichnet.

Nur bei dem Gesprächspartner wird die Kommunikation wieder lesbar, das Unternehmen hat keinen Zugriff auf die Nachrichten der Nutzer. Beide Gesprächspartner müssen dazu die aktuellste Version der Android-App installiert haben.

Der Programmcode von „TextSecure“ ist offen einsehbar und wurde bereits von unabhängigen Fachleuten überprüft. Auch deswegen erhielt die App kürzlich die volle Punktzahl in einer Sicherheitsbewertung der US-Medienseite „ProPublica“.

Trotz des Lobs aus Fachkreisen ist „TextSecure“ im Vergleich mit WhatsApp winzig: Weniger als eine Million Nutzer haben die Android-App installiert. Den Umstieg für WhatsApps Android-Nutzer bezeichnete Open Whisper Systems als „größten Umstieg auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Geschichte“.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Man wolle die Verschlüsselung zügig ausweiten, schrieb Open Whisper Systems: „Das ist erst der Anfang.“ Die Firma arbeite seit einem halben Jahr mit WhatsApp zusammen. Der Anfang des Jahres angekündigte Kauf von WhatsApp durch Facebook hatte zeitweise einen Nutzer-Zustrom für konkurrierende Anwendungen ausgelöst.

Nach Angaben der Firma gibt es jedoch keine Abschwächung des Wachstums. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich als ein Kritiker der Internet-Überwachung durch den US-Geheimdienst NSA hervorgetan. Das Online-Netzwerk setzt wie etwa auch Google und Apple auf die Verschlüsselung von Nutzer-Daten.

Von

dpa

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