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07.12.2016

06:55 Uhr

Compex SP 8.0 im Test

Traumfigur aus der Steckdose?

VonCarina Kontio

Elektronischer Muskelaufbau ohne Hantelbank und Beinpresse: Das verspricht Compex mit dem Stimulationsgerät SP 8.0. Auch zur Entspannung soll es beitragen. Kann das funktionieren? Wir haben uns unter Strom setzen lassen.

Die Schweizer EMS-Wundermaschine SP 8.0. Billig ist das Gerät allerdings nicht. Käufer müssen dafür 1.229,00 Euro hinblättern.

SP 8.0

Die Schweizer EMS-Wundermaschine SP 8.0. Billig ist das Gerät allerdings nicht. Käufer müssen dafür 1.229,00 Euro hinblättern.

KölnKeine Zeit für Sport? Der Nacken verspannt, die Beine schwer? Strom an, Fett weg, schlaffe Dellen weg: EMS-Training heißt der Trend, der hier schnelle Abhilfe verspricht und derzeit in ganz Deutschland boomt. Kein Wunder, können doch bis zu 600 Kalorien in nur 20 Minuten verbrannt werden. Und schon ein einzige Trainingseinheit pro Woche soll denselben Effekt auf die Muskeln haben wie stundenlanges Schuften an der Hantelbank oder der Beinpresse – klingt eigentlich ganz so, als sei damit das Rad der Fitnessbranche neu erfunden.

Die Abkürzung EMS steht für elektrische Muskelstimulation, die ursprünglich aus dem medizinischen Reha-Training kommt, um beispielsweise Muskelschwund nach längeren Verletzungspausen oder Operationen entgegen zu wirken. Ebenso nutzen viele Profi-Sportler die Technologie als legales Doping, um ihre Leistung zu erhöhen und effektiver zu regenerieren nach anstrengenden Wettkämpfen.

Das Produkt in aller Kürze

Was ist es?

Der SP 8.0 ist ein Muskelstimulator mit Wireless-Funktion vom Schweizer Unternehmen Compex, das sich damit vor allem an Profisportler, Physiotherapeuten und engagierte Hobbyathleten richtet.

Was sagt die Werbung?

Der SP 8.0 optimiert Deine Kraft und Ausdauer und verkürzt Deine Regenerationszeit bei gleichzeitiger Vorbeugung von Verletzungen und Linderung bestehender Schmerzen. Der SP 8.0 ist der König unter den Elektrostimulationsgeräten und für täglich trainierende Athleten geschaffen. Er verfügt über die neuartige MI - Autorange Funktion, die eine kontinuierliche Verbesserung der Ergebnisse ermöglicht.

Wer steckt dahinter?

Compex ist ein Schweizer Unternehmen von DJO Global, laut eigenen Angaben eines der zehn größten orthopädischen Unternehmen der Welt, das seinen Sitz in Frankreich hat.

Was ist gelungen?

Aufgrund der MI-Technologie (muscle intelligence) passt der SP 8.0 die Intensität der Programme automatisch an die Beschaffenheit der Muskulatur an (auch während einer Session) und legt für den Anwender das ideale Stimulationslevel fest. Gut für alle Anfänger im Bereich EMS-Training, denn die müssen selber gar nichts mehr einstellen. Heißt: sie können auch nichts falsch machen. Außerdem gelungen ist die intuitive Bedienung und die Unterstützung zur Elektrodenpositionierung mittels Piktogrammen im Farb-Display des Gerätes.

Was ist nicht gelungen?

Mal abgesehen davon, dass es der Anschaffungspreis schon in sich hat, kommen noch Folgekosten für den Anwender dazu, denn die Klebeelektroden der Module müssen regelmäßig (nach circa 30 Anwendungen) ausgetauscht werden. Eine 4er-Packung der kleinsten Elektroden kostet bei Amazon beispielsweise rund 12 Euro.

Was kostet das Gerät?

Im Online-Shop von Compex kostet die kabellose High-End-Ausführung SP 8.0 1.229,00 Euro. Es gibt auch “günstigere” Geräte mit abgespeckten Funktionen, deren Preise fangen allerdings auch schon bei 429 Euro an.

Lohnt sich der Kauf?

In der Preisklasse ist der SP 8.0 sicher kein Gerät für die Massenanwendung, sondern vielmehr als Ergänzung für erfahrene Leistungssportler und ambitionierte Hobby-Athleten, die hier ohne Zweifel ein professionelles und auch effektives Produkt bekommen. Wer auf der Suche nach Schmerzlinderung ist und angenehm-kribbelnden Massagen bei Verspannungen und Rückenschmerzen ist sicherlich mit einem deutlich günstigeren Gerät gut versorgt - Compex hat beispielsweise auch eine verkabelte Variante für 199,00 Euro im Angebot (Compex Fit 1.0) und wer sich im Netz umschaut, findet schnell auch gute Angebote anderer Hersteller.

Auf EMS spezialisierte Mikro-Studios in Innenstadtlagen erleben derzeit besonders großen Zulauf und die Zahl der Trainierenden wächst stetig. Mittlerweile, das hat eine Untersuchung der Fitness-Suchmaschine Fitogram.de ergeben, nutzen mehr als 140.000 Menschen das Spezialtraining. Mehr als 1500 dieser kleinen Fitness-Studios für Sportfaule (oder Berufstätige, die ihr Training gerne in der Mittagspause erledigen) haben inzwischen eröffnet. Obwohl Monatsbeiträge für die gezielte Muskel-Stimulation bis zu 120 Euro kosten können, ist die Nachfrage ungebrochen.

Die Sache hat jedoch zumindest für mich einen ganz speziellen Haken: Für das Training muss man in einen verkabelten und hautengen Ganzkörperanzug schlüpfen, damit es kribbelt und der Strom, der die Traumfigur aus der Steckdose formen soll, durch die Muskulatur schießen kann. Es gibt bestimmt Menschen, die in der angefeuchteten Funktionsbekleidung (der Strom leitet dann besser) gut aussehen, aber seien wir ehrlich: DAS ist nicht jedermanns Sache!

Aus diesem Grund haben wir für Sie den SP 8.0 getestet, ein professionelles EMS-Gerät für den Hausgebrauch, das der Schweizer Hersteller Compex als den König unter den Elektrostimulationsgeräten bezeichnet. Wie funktioniert das? Wie wirkt sich das Training auf die Muskeln aus? Hilft das Gerät bei chronischen Rückenschmerzen und Dauerverspannungen im Nacken? Wir haben es mehrere Monate lang ausprobiert und sagen, was es gebracht hat.

Kommentare (3)

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Herr Benjamin Bäßler

07.12.2016, 14:01 Uhr

Ich muss sagen in Verbindung mit der Überschrift entgeht mir der Sinn dieses Beitrags.
Die Funktion "Muskel-Aufbau/Fett-Abbau" wurde nicht getestet, da die Testperson sowieso "Sportjunkie" ist.
Ich denke, dass das Gerät für Erholung und Entspannung genutzt werden kann interessiert wenige Leute - vorallem auch nicht den Personenkreis der in die EMS-Studios rennt. Und wie im Artikel steht kann man zur Erholung/Schmerzlinderung oft besser eine Physiotherapiepraxis aussuchen - da kommt man mit den ca. 1200 Euro Kaufpreis des Gerätes sicherlich sehr weit.
Möglichweise wäre jemand, der Sportmuffel ist und wenig Zeit für Sport hat, als Tester sinnvoller gewesen als eine Triathletin.

Account gelöscht!

09.12.2016, 17:36 Uhr

Stimmt nicht. Die einzige Spielregel die es gibt, sind keine Kinder. Ansonsten ist meine Herzdame (inzw. sogar Verlobte) absolut gleichberechtigt. Und wird nach der Uni als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten. Wenn ich mit spätestens Mitte 40 mit dem Börsenzeugs aufhöre, und als GT3 -Fahrer im selbst finanzierten Team in der VLN mit einem R8 LMSultra teilnehme

Frau Jennifer Baumgarten

12.12.2016, 10:44 Uhr

Die Industrie könnte NIE einige der Aussagen aus dem Artikel treffen ohne eine Abmahnverein an den Fersen zu haben. Achtung Glatteis zum Thema Kalorienverbrauch!

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