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23.06.2012

12:42 Uhr

Cyberwar

Südkoreas Cyber-Wächter machen Jagd mit Google

Es ist eine Art digitale Bürgerwehr: Mit Google und Twitter machen südkoreanische konservative Aktivisten Hatz auf alle, die Nordkorea zu positiv sehen. Darauf steht in Südkorea Gefängnis.

Südkoreanische Cyber-Aktivistin Ma Han Joo. Google und Twitter sind für die Anti-Nordkorea-Aktivisten Cyberwaffen. dapd

Südkoreanische Cyber-Aktivistin Ma Han Joo. Google und Twitter sind für die Anti-Nordkorea-Aktivisten Cyberwaffen.

SeoulFür die 26-jährige Südkoreanerin Ma Han Joo ist Google nicht einfach nur eine Suchmaschine, Twitter nicht nur ein Kommunikationsmittel. Für Ma und Tausende andere junge Konservative in Südkorea sind sie wichtige Waffen im Kampf gegen Nordkorea-Sympathisanten im Netz.

Ma sucht mit Google in ihrer Freizeit nach Blogs, Videos und anderen Postings, in denen Südkoreaner das kommunistische Nordkorea glorifizieren. Im vergangenen Jahr meldete sie mehr als 30 Postings, die sie als gefährlich einstufte und die "Südkoreaner einer Gehirnwäsche unterziehen könnten", an den Geheimdienst. Mit Suchwörtern wie "Großer Führer" oder "Sonne Nordkoreas" durchforstet Ma das Web. Wenn sie fündig wird, reicht sie den Link und ein Bildschirmfoto an die Behörden weiter.

Die Geheimdienst nutzt die Informationen, um mögliche Verstöße gegen das Gesetz zur nationalen Sicherheit zu untersuchen. Darin wird unter anderem untersagt, Nordkorea zu loben oder zu verherrlichen. Bei Verstößen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Nord- und Südkorea befinden sich technisch gesehen noch immer im Krieg, weil der bewaffnete Konflikt 1953 nicht mit einem Friedensvertrag endete, sondern lediglich mit einer Waffenruhe.

Zehn Monate Haft

Die Zahl der Strafverfolgungen unter dem Sicherheitsgesetz hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Verurteilungen sind schwer zu erreichen, aber nicht ungewöhnlich. Im September wurde ein 43-jähriger Südkoreaner zu zehn Monaten Haft verurteilt, weil er eine pronordkoreanische Website betrieb und in mehr als 300 Texten und sechs Videos Nordkorea pries.

Die jungen Nationalisten wie Ma betrachten sich als Cyber-Wächter der nationalen Sicherheit, die das Internet von einer Infiltration nordkoreanischer Ideen schützen wollen. Sie fordern eine strenge Durchsetzung der Sicherheitsgesetze, die nach Einschätzung von Kritikern die Meinungsfreiheit zu stark beschneiden.

Die Aktivisten seien eine "Manifestation eines fehlgeleiteten Patriotismus", erklärte der Direktor der Menschenrechtsstiftung Saram, Park Lae Goon. "In einer demokratischen Gesellschaften sollten wir in der Lage sein, über unterschiedliche Ideologien und Meinungen zu sprechen."

Kommentare (3)

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SlingShot

23.06.2012, 17:05 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

hanji

24.06.2012, 00:24 Uhr

Als Deutscher habe ich von 2003 bis Ende 2007 in Suedkorea gelebt und gearbeitet. Fuer mich als einer, der den jetzigen Praesidenten Lee MyongBak in seinem Wahlkampf 2007 (nichts ahnend!) unterstuetzt habe, ist es eine Schmach zu sehen, wie er dieses in vielen Dingen so vorbildliche Land zerruettet hat. Mit seiner bedingungslosen Anlehnung an das Pentagon, den CIA und den Verband der US-Ruestungsindustrie hat er Suedkorea innen- und aussenpolitisch um mindestens 10 Jahre zurueckgeworfen. Was das demokratische Klima inkl. Pressefreiheit angeht, sogar um 25 Jahre - in der duestere Zeit der Militaerdiktaturen. Statt die erfolgreiche Entspannungspolitik fortzusetzen, kam eine Serie von (sehr wahrscheinlich) selbst provozierten militaerischen Zwischenfaellen. Die Saat der Provokation und Nachrichten-Manipulation und Hetze droht aufzugehen, wenn jetzt ploetzlich junge Leute freiwillig Hatz auf andersdenkende Mitbuerger machen. Die meisten Suedkoreaner nehmen es gelassen: Nach der kommenden Praesidentenwahl im Dezember wird - wer auch immer sie gewinnt - das Ruder sicher wieder in Richtung Vernunft herumgerissen. Kein(e) Andere(r) wuerde sonst gewaehlt. (C.Haertl, Mannheim)

amakudari

24.06.2012, 08:53 Uhr

der vergleich mit deutschland ist sehr interessant. "das handelsblatt" legtbei seiner leserkommentarfunktion ja auch sehr gerne die "zensur schere" an. auch diese kommentar spalte wird mit sicherheit wieder kräftig zensiert werden. das liegt halt in der deutschen mentalität - früher konnte man das sogar noch besser sehen, da gab es eine ost version und eine west version. aber im grunde genommen waren sie beide gleich.
in korea gibt es halt eine nord version und eine süd version, aber im grunde genommen sind auch die beide gleich.
so betrachtet hält der artikel den deutschen einen unschönen spiegel vor der durch alle schichten "wiedervereinigungs-makeup" dringt....
ob das unser handelsblatt schreiberling bedacht hat.

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