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19.05.2013

08:59 Uhr

Datenbrille

Goldrausch um Google-Glass

Es wird noch Monate dauern, bis sich gewöhnliche Sterbliche die Datenbrille Google Glass kaufen können. Unter den Entwicklern sorgt die Cyberbrille jedoch schon jetzt für Goldgräber-Stimmung wie einst am Klondike.

Googles Cyberbrille fasziniert die Entwickler. Reuters

Googles Cyberbrille fasziniert die Entwickler.

San FranciscoBislang tragen nur einige hundert Software-Entwickler und Computer-Experten die futuristische Google-Datenbrille Glass auf der Nase. Doch in der Umgebung des Moscone-Konferenzzentrums in San Francisco kann man in diesen Tagen erahnen, wie die Zukunft mit Google Glass aussehen könnte.

Quasi jeder stolze Besitzer einer Cyberbrille auf diesem Planeten hatte sich in dieser Woche zum Entwicklerkongress Google I/O eingefunden, um den 1500 Dollar teuren Prototypen mit einem Dauerlächeln im Gesicht der Öffentlichkeit vorzuführen. Bei einem Kurztest zeigt sich schnell, was die Faszination von Glass ausmachen kann: Noch unmittelbarer als beim Smartphone soll dem Träger einer Google Glass das Wissen aus dem Netz ständig zur Verfügung stehen, ohne dass er dafür ein Smartphone aus der Tasche ziehen muss.

Google Glass

Prestigeprojekt des Gründers

Die Datenbrille ist für den Internet-Konzern ein Prestigeprojekt – Mitgründer Sergey Brin kümmert sich darum persönlich. Seine Vision: Mithilfe des kleinen Bildschirms soll das Internet noch nahtloser in den Alltag integriert werden, etwa indem dort Informationen wie Wegbeschreibungen, E-Mails oder das Wetter eingeblendet werden.

Erste Geräte für Tester

Google Glass war anfangs noch nicht reif für den Massenmarkt, Google versorgte einige Tausend Testnutzer mit Brillen. Sie mussten 1500 Dollar plus Steuern zahlen. Im April will der Konzern das Gerät in den freien Verkauf geben, allerdings nur in den USA und in begrenzter Stückzahl.

Olympus arbeitet an Datenbrille

Auch andere Unternehmen arbeiten an einer Datenbrille, etwa Olympus und Epson. Allerdings richten sich die Konkurrenzmodelle nicht unbedingt an Privatnutzer, sondern eher an Unternehmen, die eines Tages etwa Lagerarbeiter damit ausstatten könnten.

Andere tragbare Computer

Andere Anbieter arbeiten ebenfalls an tragbaren Geräten, die sich mit dem Computer verbinden können. So haben diverse Unternehmen, darunter Samsung, Sony und das Start-up Pebble, Smartwatch-Modelle im Angebot, die Nachrichten auf einem kleinen Monitor am Handgelenk anzeigen und ermöglichen, auf Anrufe zu reagieren.

Bislang kann die Brille zwar nur E-Mails vorlesen und schreiben, Fotos und Kurzvideos aufnehmen, Navigations-Anweisungen geben und eine Google-Suche vornehmen. Doch auf der Entwicklerkonferenz stellten Medienhäuser, Netzwerke wie Twitter, Facebook und Tumblr sowie App-Entwickler wie Evernote ihre Konzepte vor, die den Funktionsumfang von Glass erweitern sollen.

So wollen beispielsweise die „New York Times“ und CNN den Anwendern von Glass „Breaking News“ einblenden. Der User kann zuvor bestimmen, für welche Bereiche er sich interessiert und beispielsweise den Nachrichtenstrom auf einige wichtige Sportergebnisse beschränken. Über den digitalen Notizenspeicher Evernote könnte man beispielsweise eine Einkaufsliste am Computer vorbereiten und an Glass schicken, damit man dann im Supermarkt die Dinge zum Einkaufen im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen hat.

Obwohl die Brille mit dem eingebauten Akku und Funkmodem wuchtig aussieht, fühlt sie sich subjektiv sehr leicht an. Das Kunststoffprisma, das die Inhalte ins Auge projiziert, sitzt nicht direkt vor dem Auge, sondern auf Höhe der Augenbrauen.

Kommentare (18)

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Leser

19.05.2013, 09:24 Uhr

Eine beinahe sinnlose Erfindung: Google Glass dürfte nichts anderes sein als ein aufgesetzter Monitor, der den Träger weiterhin an einen nahe gelegenen Rechner bindet. Die fehlende (weil unmögliche) Daten- und Suchbegriffseingabe degradieren die Wunderbrille zu einer
visuellen „Bluetooth-Variante“ der bereits bekannten Freisprecheinrichtungen – mit dem Nachteil dass die Masterstation immer in der Nähe sein muss. Nichts anderes als ein unintelligenter Monitor auf der Nase aufgesetzt. Wie will man an der Brille Daten eingeben? Dort, wo man die Daten eingeben muss kann man auch gleich das Suchergebnis auslesen – wozu also die (zusätzliche) Brille? In begrenzten Anwendung könnte man die freie Hand argumentieren – aber auch diese ist nur solange frei bis zur nächsten Sucheingabe.

esspi

19.05.2013, 11:11 Uhr

sollte es sich mit der Brille tatsächlich angenehmer arbeiten lassen wie mit einem Smartphone, wird es wohl auch angenommen werden.
Navigation durchs menu und Netzanbindung übers smartphone - ggfls. noch einen extra Akkupack...
... und die totale Überwachung kann beginnen.
(um Gesichtserkennung, Bewegungsdaten und Socialclustering vom Brillenträger wie von seiner Umwelt kümmern sich dann die diversen Geheimdienste...)

Account gelöscht!

19.05.2013, 11:50 Uhr

Keiner will das „nächste große Ding“ verpassen - und Google Glass könnte „the next big thing“ sein.

Na, dann herzlichen Glückwunsch !! Damit wird den zukünftigen Trägern auch noch das letzte bißchen Verstand aus dem Gehirn wegebrutzelt. Aber viele wollen es leider so und merken leider nicht mehr, was sie sich damit antun. Ständig online und immer ferngesteuert mit einem Empfänger direkt am Kopf. Das kann nicht gut sein !! Irgendwie zombiehaft !?

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