Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.09.2011

10:23 Uhr

E-Books

Amazon attackiert mit Kindle deutschen Buchhandel

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Internethändler Amazon will auch in Deutschland den Handel mit E-Books antreiben und bringt eine deutsche Version des Lesegeräts Kindle auf den Markt. Der Buchhandel ist alarmiert.

Das klassische Kindle gibt es in Deutschland nun für 99 Euro. Reuters

Das klassische Kindle gibt es in Deutschland nun für 99 Euro.

DüsseldorfAmazon hat den Termin für die Markteinführung des ersten deutschsprachigen Kindle, dem Lesegerät für elektronische Bücher, nicht zufällig gewählt. Der weltgrößte Internethändler bringt das Gerät am 12. Oktober heraus - der Tag der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Die Erwartungen des US-Konzerns in Deutschland, dem größten Buchmarkt in Europa, sind hoch. "Unser Ziel ist es, den deutschen Buchmarkt günstiger und schneller zu machen", sagt Deutschland-Chef Ralf Kleber. "Wir erwarten mit dem neuen Kindle eine Zeitenwende."

Amazon wird den ersten Kindle mit deutscher Menüführung zum Preis von 99 Euro zum Auftakt der Buchmesse auf den Markt bringen. Erstmals können dann Kunden auch auf Deutsch navigieren sowie Notizen und Anmerkungen machen. Laut Amazon ist der neue Kindle der bislang leichteste, schnellste und billigste.

Die Neueinführung in Deutschland erfolgt rund vier Wochen vor dem am Mittwoch angekündigten Marktstart des Tablet-PCs Fire von Amazon, der zunächst nur in den USA verkauft wird. Tablet-PC und Lesegerät Kindle werden getrennt voneinander vermarktet.

Bislang haben es elektronische Lesegeräte schwer auf dem deutschen Markt. Der Anteil elektronischer Bücher (E-Books) am Gesamtmarkt liegt nach Marktuntersuchungen unter einem Prozent. Im Gegensatz zu den USA nehmen deutschen Leser nach wie vor eine gedruckte Ausgabe lieber in die Hand als die digitale Schwarz-Weiß-Fassung auf einem Lesegerät.

Obwohl der Kindle bereits seit vier Jahren der meistverkaufte E-Reader der Welt ist, hat Amazon lange gezögert, ihn in Deutschland einzuführen. Seit Ende April dieses Jahres war erstmals die amerikanische Version des Kindle erhältlich. Nun folgt in knapp drei Wochen ein deutsches Lesegerät.

Amazon schweigt zu den Verkaufszahlen des amerikanischen Kindle in Deutschland. Marktbeobachter halten allerdings den Erfolg für überschaubar. Das kann auch daran liegen, dass nur ein Bruchteil der im traditionellen Buchhandel erhältlichen Bücher auch über den Kindle abrufbar ist. Laut Amazon waren beim Start des Kindle Ende April nur 25 000 deutschsprachige Bücher erhältlich. Aktuell sind 40.000 im Angebot.

Bislang hat Amazon mit großen Verlagsgruppen wie Random House (C. Bertelsmann, Heyne,) und Holtzbrinck (S. Fischer, Rowohlt) bereits Verträge. Kleine und mittlere Verlage halten sich aber noch zurück. "Mit Amazon kann man nicht verhandeln. Entweder man akzeptiert deren Bedingungen oder man ist draußen", sagt eine Verlagsmanagerin und Partnerin von Amazon Deutschland zur harten Vorgehensweise des Internethändlers.

Gleicher Trend wie in den USA?

Amazon strotzt trotz mancher Vorbehalte in Deutschland vor Selbstbewusstsein. Das Angebot der deutschen Bücher als E-Book werde exponentiell wachsen, gibt sich Deutschland-Chef Kleber überzeugt. Ziel sei es, alle deutschen Verlage für den Kindle zu gewinnen. Er sieht kein anderes Kundenverhalten in Deutschland als in den USA. "Benutzer des Kindle in Deutschland kaufen dreimal so viel Bücher wie unsere übrigen Kunden. Es ist exakt das gleiche Verhalten wie nach dem Start bei den Kunden in den USA", sagt Kleber. "Die Entwicklung in Deutschland vollzieht sich nur zeitversetzt." In Deutschland erwirtschaftet Amazon nach eigenen Angaben zehn bis 15 Prozent seines Gesamtumsatzes.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×