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21.01.2015

17:29 Uhr

Energie der Zukunft

Die fossilen Brennstoffe sind wieder am Start

VonStefan Menzel

Der Preissturz bei Öl sorgt für eine neue Energiewende, auch Gas und Kohle kehren zurück. Handelsblatt.com startet eine Serie zu Zukunftsthemen – und verändert sich selbst: Vom 28. Januar an erleben Sie ein neues Design.

Getty Images

DüsseldorfDer Energiemarkt hat eine wundersame Wendung genommen. Wer hätte sich noch vor einem halben Jahr vorstellen können, dass ein Barrel Rohöl (159 Liter) weniger als 50 US-Dollar kosten wird. Doch es ist dazu gekommen, der Liter Diesel ist an deutschen Tankstellen inzwischen für 99 Cent zu haben. Seit dem Sommer hat sich der Rohöl-Preis mehr als halbiert, die Folgen dieses radikalen Preissturzes werden von Tag zu Tag sichtbarer.

Wie oft ist schon das Ende der Ölforderung vorhergesagt worden? Schon in den frühen 1970er-Jahren warnte der „Club of Rome“ davor, dass die Weltölförderung nicht mehr lange aufrecht erhalten werden könnte und dass die globale Wirtschaft deshalb vor dem Zusammenbruch stehe.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Doch nichts dergleichen ist passiert. Immer wieder wurden neue Ölfelder erschlossen. Trotz der steigenden Nachfrage aus den Schwellenländer hat es immer genug Öl gegeben. Ein langsam steigender Ölpreis hat dafür gesorgt, dass auch schwer zugängliche Gebiete mit höheren Förderkosten genutzt werden konnten.

Doch nun stehen wir vor einer völlig neuen Situation auf den Ölmärkten. Einen solch dramatischen Preisverfall in so kurzer Zeit hat es noch nicht gegeben. Sorgen vor möglichen Problemen bei der Ölversorgung sind nun wirklich nicht mehr gegeben. Der starke Preisverfall zeigt mit aller Klarheit auf, dass die Welt im Moment eher im billigen Rohöl zu ertrinken droht. Den Schmierstoff der Weltwirtschaft gibt es im Überschuss, das Angebot übertrifft bei weitem die Nachfrage.

Experten und Kenner der Ölmärkte streiten zwar noch, wie es weiter gehen wird. Die Ölexperten der Commerzbank etwa halten einen Preis von 40 Dollar für realistisch, die der US-Investmentbank Goldman Sachs sprechen von 45 Dollar. Wagit Alekperow, der Chef des russischen Ölkonzerns Lukoil, geht noch weiter. Er meint, dass der Ölpreis sogar auf 25 Dollar absacken könnte.

Im Sommer vergangenen Jahres kostete das Fass Rohöl noch an die 115 Dollar. In der Branche herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass dieses Preisniveau für lange Zeit nicht wieder erreicht werden kann. Für die Produzenten am Persischen Golf, in Russland oder Venezuela also extrem schlechte Nachrichten. In den westlichen Industrieländern herrscht hingegen große Freude darüber, gewaltige Milliardenbeträge werden künftig zu Hause bleiben.

Kommentare (3)

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Frau Annette Bollmohr

21.01.2015, 18:11 Uhr

„In den westlichen Industrieländern herrscht hingegen große Freude darüber, gewaltige Milliardenbeträge werden künftig zu Hause bleiben.“
Wär’ schön, wenn die nicht zu Hause blieben, sondern dazu genutzt würden, die globale Energieversorgung schleunigst auf zukunftsfähige Energiequellen umzustellen…
Schon gut, lassen wir das.
Vielleicht bringt es ja kurzfristig mehr, sich mal die „Quarks&Co.“-Sendung von gestern Abend mit dem Astronauten Alexander Gerst anzusehen und zu hören, was der nachdem er Gelegenheit hatte, sich mit etwas mehr „Abstand“ Gedanken über unsere Erde zu machen, dazu zu sagen hat?
http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks_und_co/videowelchezukunfthatdiebemannteraumfahrt102.html

Herr Holger Narrog

21.01.2015, 20:24 Uhr

Der Artikel ist peinlich und gibt wenig Informationen zur Sache. Deshalb hat der Autor eine Portion Ökoreligion beigemischt.

Die "Endlichen Rohstoffvorkommen" des Club of Rome war die erste ökoreligiöse Weltuntergangssaga. Gem. dieser Saga sollten die Erölvorkommen 1990, die Erdgasvorkommen 1992 erschöpft sein und die Industriegesellschaft bereits verschwunden sein. Diese Saga war in den 70er Jahren ähnlich populär wie heute der "Klimawandel". Es folgten weitere Ökoweltuntergangssaga, Waldsterben, Ozonloch und aktuell die CO2 Klimahölle. Da man es verstand die CO2 Klimahölle mit profitablen milliardenschweren Geschäftsmodellen zu verbinden ist diese noch nicht in den Archieven verschwunden.

"Erneuerbare Energien" gibt es in den Naturwissenschaften natürlich nicht. Wahrscheinlich wurde der Name gewählt um zu zeigen, dass man sich abseits der Grenzen von Technik und Ökonomie bewegt. Preiswertes Öl lässt den Wohlstand ansteigen und erhöht die Bereitschaft der Staaten ökoreligiöse Monumente wie Windmühlen und Solaranlagen zu subventionieren. Insofern stützt ein niedriger Ölpreis tendenziell die "Erneuerbaren Energien".

Herr Markus Jungfer

21.01.2015, 20:45 Uhr

Unabhängig davon ob man an den Klimawandel "glaubt" oder nicht; fossile Rohstoffe zu verbrennen, so wie wir es im großen Stil machen, ist ein Verbrechen an unseren Nachkommen.
Aus der Menge an Benzin die wir in DE durchschnittlich benötigen um Sonntags beim Bäcker vorbeizufahren, könnte man auch ca. 100g Medizin oder dieselbe Menge an Konststoffen herstellen.
Von der Verseuchung der Umwelt bei der Gewinnung, Tranport und Verarbeitung von Erdöl, Erdgas und Kohle ganz zu schweigen.

Wenn billiges Öl wirklich so ein guter Schmierstoff für die Wirtschaft ist, dann kann die EZB ja problemlos die Zinsesn anheben.

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