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13.06.2011

09:24 Uhr

Ackerland bedroht

An Boden verlieren

VonAntje Findeklee
Quelle:Spektrum.de

Ein knapper halber Zentimeter Boden geht in manchen Regionen pro Jahr verloren. Was nach wenig klingt, ist eine schleichende Katastrophe.

Die größte Gefahr für fruchtbare Ackerflächen ist die Erosion durch Wasser, die zum Teil metertiefe Gräben und Röhren in den Untergrund frisst. Mulchen oder eine niedrige Bepflanzung zwischen den eigentlichen Kulturpflanzen können gravierende Schäden verhindern. Quelle: USDA

Die größte Gefahr für fruchtbare Ackerflächen ist die Erosion durch Wasser, die zum Teil metertiefe Gräben und Röhren in den Untergrund frisst. Mulchen oder eine niedrige Bepflanzung zwischen den eigentlichen Kulturpflanzen können gravierende Schäden verhindern.

Über neun Milliarden Menschen werden Mitte dieses Jahrhunderts die Erde bevölkern, und bis 2100 wird gar die Speisung der zehn Milliarden nötig werden: Diese Zahlen gaben die Vereinten Nationen Anfang Mai dieses Jahres bekannt. Betrachtet man die momentane Nahrungsmittelproduktion, so sind sich Experten relativ einig darin, dass die Ernährung auch einer derart angewachsenen Weltbevölkerung möglich wäre.

Und sollte die Produktion doch gesteigert werden müssen, weil der Fleischhunger nicht zu stoppen ist und die Nachfrage nach Energiepflanzen steigt, so winken unter anderem moderne Züchtungen, Düngemittel und Pestizideinsatz. Neue Technologien werden, so die Hoffnung nicht nur in der Landwirtschaft, die Fragen der Zukunft schon lösen. 

Allerdings finden sie bislang nur wenige Antworten auf einen vielerorts schleichenden, doch nicht minder verheerenden Prozess: Fruchtbarer Boden, die Basis jeglicher Landwirtschaft, geht gerade in den jetzt schon vom Hunger gebeutelten Regionen in dramatischen Mengen verloren. Aber nicht nur dort: Auch in den Industrieländern ist ergiebiges Ackerland in manchen Regionen inzwischen ein kostbares und gefährdetes Gut.

Die größten Feinde: Wasser und Wind

Boden bildet sich nur sehr langsam. Die Rate hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem geologischen Untergrund, den klimatischen Verhältnissen, der Vegetation und natürlich der Bodenflora und -fauna. Sie alle tragen neben den physikalischen und chemischen Prozessen dazu bei, dass das anstehende Gestein verwittert und Laub- und Nadelstreu zersetzt wird, bis schließlich eine mehr oder weniger dicke und fruchtbare Schicht entsteht. 

Die größte Gefahr für diese empfindliche Schicht ist Erosion. Sie greift überall an, wo die Bodenoberfläche frei liegt, und verschärft sich, wenn zudem starke Winde und seltene, aber heftige Regenfälle auftreten. Wird andererseits eine schützende Pflanzendecke beispielsweise durch massive Rodung für Ackerbau entfernt wird und folgt darauf noch eine Auflockerung durch einen Pflug, und das womöglich in Hangrichtung, haben Wasser und Wind leichtes Spiel.

Wie viel fruchtbarer Boden letztlich global durch Erosion verloren geht, dazu liegen die Schätzwerte weit auseinander. Auf Ackerflächen in den gemäßigten Breiten trägt Wasser im Mittel etwa zehn Tonnen pro Hektar und Jahr davon. In Südostasien – leicht erodierbare Böden, hohe Niederschläge, große Hangneigungen – ist es das Hundertfache [1]. Demgegenüber steht eine Bodenneubildungsrate von 0,01 bis 1 Tonne pro Hektar und Jahr: Sie deckt bei Weitem nicht den Verlust. Langfristige Schäden sind daher vorprogrammiert. 

Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent resultieren bereits jetzt aus dieser Entwicklung – und das nicht nur in Afrika, sondern beispielsweise auch im Mittleren Westen der USA. Für Südasien gibt die Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) jährliche Ertragsausfälle bei Getreide in Höhe von 36 Millionen Tonnen an. Im globalen Maßstab, so die Wissenschaftler im Jahr 2001, summierte sich der jährliche Verlust von 75 Milliarden Tonnen Boden auf Kosten von damals 400 Milliarden Dollar oder 70 Dollar pro Kopf und Jahr. 

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