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15.03.2011

15:57 Uhr

AKW-Abschaltungen

„Höchstens minimale Preissteigerungen“

VonJessica Springfeld

ExklusivKanzlerin Merkel will sieben deutsche Atomkraftwerke zumindest vorübergehend vom Netz nehmen. Im Interview spricht Energieexperte Felix Matthes vom Öko-Institut über die Folgen für die Energieversorgung in Deutschland.

Felix Matthes, Energieexperte des Öko-Instituts in Berlin: "Wir rechnen höchstens mit minimalen Preissteigerungen von bis zu 0,5 Cent pro Kilowattstunde". Quelle: PR

Felix Matthes, Energieexperte des Öko-Instituts in Berlin: "Wir rechnen höchstens mit minimalen Preissteigerungen von bis zu 0,5 Cent pro Kilowattstunde".

Frage: Herr Matthes, ist die Abschaltung der sieben Atomkraftwerke eine sinnvolle Entscheidung oder purer Aktionismus?

Felix Matthes: Ich denke es ist auf jeden Fall ein sinnvoller Schritt. Sowohl aus sicherheitstechnischer wie auch aus energietechnischer Sicht. Diese alten Atomkraftwerke haben schlicht eine schlechtere Qualität, als die neueren Werke. Das sieht man allein daran, dass ihre geplante Laufzeitverlängerung deutlich kürzer ausfiel, als die der anderen Atomkraftwerke.

Viele fürchten nach dem plötzlichen Aus der Atommeiler Stromengpässe. Eine berechtigte Sorge?

Nein, bei der Außerbetriebnahme der sieben Werke sind keine Stromengpässe zu erwarten. Wir sind sehr gut auf den Wegfall dieser Werke vorbereitet. Immerhin wären diese nach den Plänen der alten Regierung ohnehin bald vom Netz gegangen. Das hatte man also gut kalkuliert. Zudem haben wir auf dem deutschen Strommarkt Überkapazitäten und sind somit sehr flexibel.

Aber weniger Strom heißt auch immer weniger Angebot. Ist nun mit Preissteigerungen zu rechnen?

Nein, eigentlich nicht. Wir rechnen höchstens mit minimalen Preissteigerungen von bis zu 0,5 Cent pro Kilowattstunde. Denn Strom wird bei uns auf zwei Märkten gehandelt: der Strom für den nächsten Tag auf dem Spotmarkt und im Terminmarkt längerfristige Liefervereinbarungen.

Auf dem Spotmarkt gibt es zurzeit erhebliche Kapazitäten, auch ohne die sieben Werke. Auf dem Terminmarkt sind 95 Prozent der Stromproduktion bereits auf Jahre im voraus verkauft. Somit stehen die Preise längst fest. Höchstens mittelfristig, vielleicht in fünf Jahren, rechnen wir mit Preissteigerungen. Aber auch dann nur marginal.

Wenn es nach den Atomkraftgegnern geht, war die Außerbetriebnahme der sieben Atomkraftwerke nur der Anfang. Aber wäre es überhaupt möglich alle Atomkraftwerke demnächst vom Netz zu nehmen?

Möglich wäre es, aber dazu wären einige Maßnahmen notwendig. Man müsste zum Beispiel das Lastmanagement, sprich die Verteilung von Strom zu Spitzenzeiten, verbessern. Zudem könnte man überlegen, die Atommeiler durch neue Kraftwerke zu ersetzen. Vorzugsweise Gaskraftwerke, da diese schnell gebaut werden können. Ein gutes Beispiel hierfür ist die iberische Halbinsel: Also dort vor 10 Jahren die Stromnachfrage explodierte, stampfte man mehrere dieser Gaskraftwerke aus dem Boden. Und natürlich gibt es immer die Möglichkeit den Bereich der erneuerbaren Energien weiter auszubauen.

Bei der Abschaltung von weiteren Atomkraftwerken, von acht oder zehn Stück, müsste man sich vorher genaue Gedanken über den zukünftigen Mix der Energien machen.

Kanzlerin Merkel hat beschlossen die ältesten sieben Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen. War das Alter der Meiler ein guter Auswahlfaktor, oder wäre die Abschaltung von anderen, im Zweifelsfall jüngeren, Atomkraftwerken vielleicht sogar sinnvoller gewesen?

Ich denke der Ansatz, die ältesten Werke vom Netz zu nehmen ist durchaus sinnvoll. Denn die Sicherheitskonzepte sind einfach veraltet. Dass heißt jedoch nicht, dass nicht auch neuere Werke Sicherheitsrisiken bergen. Nehmen Sie als Beispiel das AKW Krümmel. Dieses ist bereits aus Sicherheitsgründen abgeschaltet.

Ich denke durch die Katastrophe in Japan hat das Restrisiko ein Gesicht bekommen. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn nach eingehender Prüfung auch neuere Kraftwerke sicherheitsbedingt vom Netz genommen werden.

Felix Matthes ist Energieexperte am Öko-Institut in Berlin

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

15.03.2011, 16:32 Uhr

Und schwupp muß dem Volk Angst gemacht werden, nach dem Motto "wenn Ihr wollt, dass wir einige alte AKW's abschalten, dann wird der Strom teurer"
Nein, der Strom muß überhaupt nicht teurer werden. Wenn unsere kriminelle Regierung mal ihre ganzen Abgaben und Steuern die auf den Strompreisen liegen, reduziert, wird unser Strom sogar billiger.
Außerdem export die Stromwirtschaft ca. 30%, also die Versorgung des eigenen Landes ist mehr als gesichert. D. h., es ist genügend Strom vorhanden.
Aber natürlich müssen die vielen selbst ernannten Experten von den jeweilgien Instituten, die auch von Steuergeldern leben, nun die Regierung stützen.

Mathias

15.03.2011, 17:06 Uhr

Und wir importieren keine Steinkohle oder Gas und haben dies selber? Mein Gott etwas informieren sollte man sich schon wir exportieren aber wir importieren auch enorm viel. Wir hatten 2010 einen Überschuss von 3 %. Wenn die Regierung die Stromsteuern senkt, dann muss das Geld woanders herkommen. Es wächst ja nicht auf Bäumen wie einige Linke oder Ökos meinen und Strom kommt aus der Steckdosse. Was bringt es mir alle Kernkraftwerke abzuschalten, wenn Frankreich diese an der Grenze zu Rheinland Pfalz bzw Saarland oder Tschechien welche betreibt. Glaubt der Ökoideologe die sind sicherer? Das wird wohl kaum der Fall sein.

Account gelöscht!

15.03.2011, 17:35 Uhr

Der Typ ist von der Öko-Maffia gekauft. Einfach widerlich.

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