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11.04.2014

10:17 Uhr

Artenschutzprojekt

Wildrinder-Safari im Rothaargebirge

Seit einem Jahr lebt eine Wisent-Herde ohne Zaun im Rothaargebirge. Sie soll sich dort in einem bundesweit einmaligen Projekt einen Lebensraum erobern. Die Wildrinder scheinen vor Menschen wenig Scheu zu haben.

Der Wisent ist das Wildtier des Jahres 2014. Damit würdigt die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild die erfolgreichen Bemühungen um eine Auswilderung der Bisonart, die in Deutschland seit Jahrhunderten ausgestorben war. dpa

Der Wisent ist das Wildtier des Jahres 2014. Damit würdigt die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild die erfolgreichen Bemühungen um eine Auswilderung der Bisonart, die in Deutschland seit Jahrhunderten ausgestorben war.

Bad BerleburgGemächlich trottet „Quelle“ auf Jochen Born zu. Die zweijährige Wisent-Kuh kuschelt sich an den Ranger. „Da merkt man, dass das eine Handaufzucht ist“, sagt der 39-Jährige. Der Rest der Herde beäugt den Besuch im Gehege der Wisent-Welt bei Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) aus einigem Abstand. Weglaufen nur wegen der paar Zaungäste kommt aber auch für sie nicht infrage.

Aber selbst die ausgewilderten Wisente sind alles andere als wild. Seit dem 11. April 2013 streifen sie in einem bundesweit einmaligen Artenschutzprojekt ohne Zaun durch die Wälder der Region. Vor Menschen scheinen sie wenig Scheu zu haben. Das hatte man anders erwartet. Wisent-Ranger Born kümmert sich seit 2010 um die Tiere im Rothaargebirge. Er hofft, dass die Europäischen Bisons Jahrhunderte nach ihrer Ausrottung auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands irgendwann wieder „ganz normale Wildtiere wie Hirsche und Wildschweine“ werden.

„Das Gehege ist unser Schaufenster in das Artenschutz-Projekt“, sagt Born. Damit habe man Interessierten einen Blick auf die Tiere bieten wollen. Denn eigentlich waren die Experten davon ausgegangen, dass die freilebende Herde in die Wälder verschwindet und nur anhand dreier GPS-Halsbänder für die Projektmitarbeiter greifbar bleibt. Die Tiere waren intensiv auf die Auswilderung vorbereitet worden.

Doch anscheinend hat sie das nicht so viel menschenscheuer gemacht. Immer wieder berichten Spaziergänger und Radfahrer von Begegnungen mit den Tieren. „Die sind ganz begeistert, das ist für die ein richtiges Abenteuer“, sagt Hubertus Schmidt von der Tourismus-Information im benachbarten Schmallenberg.

Das mit rund 1,5 Millionen Euro von Land und Bund geförderte Freisetzungsprojekt ist für den Tourismus der Region ein Glücksfall. Nicht wenige kommen ins Rothaargebirge eigens in der Hoffnung, die freilaufenden Wisente zu sehen. „Wir haben häufiger Nachfragen: "Bei euch, da sind doch die Wisente"“, sagt Anna Galon vom Sauerland-Tourismus.

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