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06.04.2011

18:23 Uhr

Atomkraft-Experte

"Gefahr wird runterdiskutiert"

25 Jahre nach Tschernobyl halten Experten die Auswirkungen des Unglücks für unterschätzt. Die Katastrophe in Fukushima könnte noch schlimmer Folgen haben, schätzt der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz.

Auch 25 Jahre nach dem Unglück ist Tschernobyl ein toter Ort. Zu sehen ist der Reaktor 4 des Kraftwerks. Quelle: dapd

Auch 25 Jahre nach dem Unglück ist Tschernobyl ein toter Ort. Zu sehen ist der Reaktor 4 des Kraftwerks.

Berlin Die Gesellschaft für Strahlenschutz sieht Gefahren der Atomkraftnutzung international nicht ausreichend beachtet. Die verantwortlichen Gremien hätten insbesondere die Opferzahlen und das Ausmaß der genetischen Schäden nach der Tschernobyl-Katastrophe „runterdiskutiert“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft, Sebastian Pflugbeil, auf der Eröffnung eines internationalen Tschernobyl-Kongresses am Mittwoch in Berlin. Explizit nannte er die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), das Wissenschaftliche UN-Komitee für die Wirkung atomarer Strahlung (UNSCEAR) und die Internationale Kommission für Strahlenschutz (ICRP) in seiner Kritik.

Vom Atomunglück in Fukushima erwartet die Gesellschaft für Strahlenschutz (GfS) verheerendere Folgen als die der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren. „Ich befürchte, dass in Japan der gesundheitliche Schaden den von Tschernobyl um ein Etliches übertreffen wird“, sagte Pflugbeil. Er vermutet, dass aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte in Japan bis zu 40 Mal mehr Menschen an den Auswirkungen der Radioaktivität leiden werden.

Die Vereinten Nationen widersprechen dem Kernkraftkritiker hingegen: Die Auswirkungen des Unfalls in Fukushima seien geringer als die nach der Katastrophe von Tschernobyl, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR), Wolfgang Weiss, am Mittwoch in Wien. Eine umfassende Einschätzung sei jedoch noch nicht möglich, da die verfügbaren Daten dazu nicht ausreichten. Der Ausschuss will innerhalb der kommenden zwei Jahre die gesundheitlichen Auswirkungen des Unfalls untersuchen.

Auf der dreitägigen Tschernobyl-Konferenz der GfS diskutieren Ärzte und Wissenschaftler, welche gesundheitlichen und ökologischen Schäden durch das Reaktorunglück von Tschernobyl vor 25 Jahren entstanden sind. Am 26. April 1986 war es dort aufgrund von Bedienungsfehlern und Sicherheitsmängeln zu einem schweren Unfall gekommen, in dessen Folge sich eine radioaktive Wolke über weite Teile Europas ausbreitete.

Von

dpa

Kommentare (17)

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einKritiker

06.04.2011, 19:26 Uhr

Nur 2 Jahre lang untersuchen???

"Der Ausschuss will innerhalb der kommenden zwei Jahre die gesundheitlichen Auswirkungen des Unfalls untersuchen." Das ist doch ein Witz! Daran wird nur ersichtlich sein, wieviele der am Reaktor arbeitenden Menschen an den direkten Folgen gestorben sind.

Viel interessanter sind die Langzeitschäden.
- Wie viele Kinder der heute lebenden Menschen werden Missbildungen haben.
- Wie viele der heute lebenden Menschen werden an Krebs erkranken.
- Wie viele Menschen werden durch die Verseuchung des Meeres belasteten Fisch essen und damit Schad- und Giftstoffe aufnehmen und diese werden in 20, 30 oder 50 Jahren zu Krankheiten führen.

Darüber sollten sich die "Experten" unterhalten.

Leute - wacht einfach mal auf und lasst Euch nicht für völlig dumm verkaufen!

Account gelöscht!

06.04.2011, 19:53 Uhr

Es wird gelogen und beschönigt, um die Kernkraft zu schützen. Für die Betreiber geht es um viel Geld und die Politik deckt deren Interessen.

Das war in der Ukraine so, das ist Japan so und das würde in Deutschland, Frankreich oder irgendwo in der westlichen Welt genau so sein.

Kernkraftwerksbetreiber sollten weltweit gezwungen werden Rückstellungen zu bilden für schwere Unfälle (andere würden es D nachmachen). Für Strahlenopfer und deren Behandlung, für die Stillegung von Infrastruktur und Umsiedlungen einer Fläche im Umkreis von 100 km ebenso wie für die dauerhafte radioaktive Verschmutzung von Wasseradern und Grundwasser.

Diese Rückstellungen müssten natürlich auf den Atomstrompreis aufgeschlagen werden - Problem erledigt!

Mischael

06.04.2011, 20:18 Uhr

Es ist immer die Rede vom günstigen Atomstrom, der Verbraucher muss jedoch auch die Kosten für die Unterbringung des Mülles tragen, etc., wo bitte ist da am Ende der Rechnung Atomstrom günstig???

Oder hab ich es falsch verstanden und der Atomstrom ist im Endeffekt nur günstig für die Aktionäre, da der dumme Michel die Entsorgungskosten trägt?

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