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23.05.2012

10:13 Uhr

Atomkraft-Risiko

Der GAU ist wahrscheinlicher als gedacht

Mainzer Forscher haben berechnet, wann es zur nächsten Atomkatastrophe kommen könnte. Demnach ist das weltweite Risiko für einen katastrophalen Reaktorunfall offenbar deutlich größer als bislang angenommen.

Einsatzkräfte in Schutzkleidung vor dem zerstörten Reaktor von Fukushima. Das Risiko für Katastrophale Nuklearunfälle ist offenbar deutlich größer als bislang angenommen. AFP

Einsatzkräfte in Schutzkleidung vor dem zerstörten Reaktor von Fukushima. Das Risiko für Katastrophale Nuklearunfälle ist offenbar deutlich größer als bislang angenommen.

DüsseldorfKatastrophale nukleare Unfälle wie die Kernschmelzen in Tschernobyl und Fukushima sind offenbar häufiger zu erwarten als bislang angenommen. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben anhand der bisherigen Laufzeiten aller zivilen Kernreaktoren weltweit und der aufgetretenen Kernschmelzen errechnet, dass solche Ereignisse im momentanen Kraftwerksbestand etwa einmal in 10 bis 20 Jahren auftreten können – das wäre 200 mal häufiger als in der Vergangenheit geschätzt.

Die Reaktorkatastrophe in Fukushima hat weltweit Zweifel an der Kernenergie geschürt und in Deutschland den Ausstieg aus der Kernenergie angestoßen. Dass das Risiko einer solchen Katastrophe höher ist als bislang angenommen, belegt nun die Studie der Forscher um Jos Lelieveld. „Nach Fukushima habe ich mich gefragt, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein solcher Unfall wieder passiert, und ob wir die Verbreitung der Radioaktivität mit unseren Atmosphärenmodellen berechnen können“, so Lelieveld, Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze zu ermitteln, stellten die Mainzer Forscher eine einfache Rechnung an: Sie teilten die Laufzeit aller Kernreaktoren weltweit von der Inbetriebnahme des ersten zivilen Reaktors bis heute durch die Zahl der bisherigen Kernschmelzen. Die Laufzeit der Reaktoren summiert sich auf 14.500 Jahre; die Zahl der Kernschmelzen beträgt vier – eine in Tschernobyl und drei in Fukushima.

Daraus ergibt sich, dass es in 3.625 Reaktorjahren zu einem GAU kommt, dem größten anzunehmenden Unfall, wie ihn die Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (International Nuclear Event Scale, INES) definiert. Selbst wenn man dieses Ergebnis auf einen GAU in 5.000 Reaktorjahren aufrundet, um das Risiko konservativ abzuschätzen, liegt das Risiko 200mal höher als Schätzungen der US-amerikanischen Zulassungskommission für Kernreaktoren im Jahr 1990 ergaben.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

23.05.2012, 10:30 Uhr

Finde es schon wahnsinnig toll,
dass nachdem man 2011 - 1985 rechnet, die Herrn Wissenschaftler auf eine wahrscheinlichkeit von ca. 20 Jahren kommnen.
Diese Rechenaufgabe haette man auch einem 3.Klaessler geben koennen, und die Eintrittswahrscheinlichkeit waer die gleiche.
Gut, dass die Herren nix besseres zu tun haben und fast nix verdienen....

bittesachlicherrangehn

23.05.2012, 10:43 Uhr

Was für eine reißerische Überschrift! Ich nehme an, dass das Hauptaugenmerk der Analyse auf der Berechnung der Verteilung von radioaktiven Niederschlägen lag.
Um das ganze etwas "aufzupeppen" wurde das dann durch eine Milchmädchenrechnung aufgepeppt, um sicher zu gehen, dass die Medien darauf springen. Ob das nötig ist - zweifelhaft. Dass man das dann aber als Aufmacher überhaupt nutzen kann, ist ein weiteres Beispiel dafür, wie unsachlich die Nuklear-Thematik (nicht erst seit Fukushima) teilweise behandelt wird.
Würde man den Lesern denn ähnlich banal versuchen weißzumachen, dass bei einem Urlaub an der Nordsee alle x Wochen ein Urlauber von Verbrechern entführt wird, nur weil - statistisch über alle Orte der Welt (natürlich inklusive sämtlicher Krisengebiete) - alle x Wochen tatsächlich eine Entführung stattfindet?
Bitte, bitte liebe Medien, bleibt sachlich. Und denkt ab und zu mal ein oder zwei Schritte über Aussagen nach, bevor aussagelose Artikel entstehen - auch in Fragen der "Energiewende" (ich will gar nicht an all die Artikel über den Nettostromexporteur Deutschland denken, die vor kurzem die Runde gemacht haben).

scharfschuetze

23.05.2012, 11:05 Uhr

Dieser Artikel und die zugrunde liegende Betrachtung sind so dumm, daß sie den Aufwand der Erstellung nicht wert sind. Da wird die Fukushima Katastrophe einfach nach Mitteleuropa projiziert, ohne Erwähnung daß Erdbeben und Tsunami die Ursache waren. Was ein Blödsinn!

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