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24.10.2014

10:49 Uhr

Biokohle

Neue Energie aus alten Blättern

Buntes Herbstlaub an den Bäumen ist schön, doch seine Beseitigung nach dem Laubfall macht viel Arbeit. Kommunen testen Verfahren, die Laubberge klimafreundlich zu entsorgen – und dabei Energie zu gewinnen.

Laubbeseitigung in Berlin-Kreuzberg. Allein in der Hauptstadt müssen jeden Herbst rund 70.000 Tonnen Blätter zusammengekehrt und entsorgt werden. dpa

Laubbeseitigung in Berlin-Kreuzberg. Allein in der Hauptstadt müssen jeden Herbst rund 70.000 Tonnen Blätter zusammengekehrt und entsorgt werden.

BerlinJetzt fallen sie wieder, in gelb, rot und braun. Allein in Berlin, der grünen Hauptstadt, sind es etwa 70.000 Tonnen Blätter, die jeden Herbst an Straßen, in Parks und Gärten zusammengekehrt und dann entsorgt werden müssen. Es ist ein Laubberg, der rund 2000 Güterwaggons füllen könnte. Doch wohin mit der bunten Pracht?

Das Gros wird bislang industriell kompostiert. Doch dabei entsteht nicht nur wertvoller Dünger, sondern es entweichen auch schädliche Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxid. Neue Ideen sind gefragt. Denn möglicherweise steckt mehr in den Blättern von gestern als der Kompost von morgen: Verschiedene Firmen entwickeln Verfahren, das Laub als Energieträger zu nutzen, zum Beispiel als Brennstoff: Bio-Kohle aus Laub.

Auch in Berlin arbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt und Stadtentwicklung seit längerem an einer klimafreundlicheren Verwertung von Laub. Biokohle wurde bislang aber nur testweise in den Heizkraftwerken verfeuert. Anders als bei Versuchen mit veredelten Holzpellets war das Ergebnis auch nicht so gut, wie von manchen erhofft.

„Der Brennstoff passte einfach nicht zur Mitverbrennung in Kohlekraftwerken“, sagt Vattenfall-Sprecher Hannes Hönemann. Vor allem: Ebenso wie die gut brennbaren Holzpellets sei er ohne Subvention zu teuer.

Berlin hat sich deshalb zunächst von der Biokohle verabschiedet und testet derzeit, das Laub ohne weitere Vorbehandlung bei der Abfallverbrennung mitzuverfeuern – bis jetzt erfolgreich. „Emissionswerte und Filterstäube haben sich nicht verschlechtert. Voraussichtlich werden wir ab 2015 das Laub vor allem verbrennen“, sagt ein Sprecher der Senatsverwaltung.

Halle (Saale) ist die bundesweit erste Kommune, die einen Teil der Grünabfälle und Laub in Eigenregie zu Biokohle verarbeitet. „Wir sind guter Hoffnung“, sagt Iris Rudolph, Sprecherin der Stadtwerke. Zwar habe es technische Anlaufschwierigkeiten gegeben, aber die Stadt halte daran fest, das Verfahren dauerhaft in die Entsorgung zu integrieren.

Auch andere Kommunen zeigen Interesse. Industrielle Anlagen stehen unter anderem in Karlsruhe, in einem Energiepark bei Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) und in Ibbenbüren (Nordrhein-Westfalen).

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