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23.05.2011

12:29 Uhr

Blackout-Gefahr

Solarenergie federt AKW-Ausfall ab

Ausgerechnet die häufig als zu teuer geschmähte Solarenergie federt derzeit den Ausfall von 13 der 17 deutschen Atomkraftwerke etwas ab. Für den Winter erwarten die Betreiber aber erhebliche Probleme.

Handelsraum der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Daten der Strombörse belegen, dass Solarstrom den Ausfall von 13 Kernkraftwerken in Deutschland derzeit wesentlich abfedert. Quelle: dpa

Handelsraum der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Daten der Strombörse belegen, dass Solarstrom den Ausfall von 13 Kernkraftwerken in Deutschland derzeit wesentlich abfedert.

Berlin

Je nach Wetterlage konnten zuletzt gerade um die Mittagszeit, wo besonders viel Strom verbraucht wird, bis zu 13,5 Gigawatt (GW) Leistung aus Solaranlagen in das Netz eingespeist werden. Das ergibt sich aus Zahlen der Strombörse in Leipzig. Auch die Netzbetreiber betonen, dass der Sonnenstrom die Probleme beim Betrieb etwas entschärfe. Im Winter aber, wo es kaum Sonnenstrom gibt, werden erhebliche Probleme erwartet.

Die üppige Sonnenstromförderung in Deutschland steht in der Kritik, weil es hier weit weniger Sonnenstunden als in Italien oder Spanien gibt. Zudem frisst die Solarenergie fast die Hälfte der Ökoenergieförderung von rund 13 Milliarden Euro in diesem Jahr auf. Diese zahlen die Verbraucher über den Strompreis mit, 2011 fallen 3,5 Cent pro Kilowattstunde an. Angesichts der Kosten empfiehlt der Sachverständigenrat für Umweltfragen, nur noch 1000 Megawatt an neu installierten Photovoltaikanlagen pro Jahr zu fördern.

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Nach Ansicht von Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg zeigt die aktuelle Entwicklung, dass der Beitrag der Solarenergie zur Stromversorgung sehr gut planbar sei. Außerdem sei der Verlauf der eingespeisten Leistung aus Solarenergie sehr stetig und weise keine schnellen Änderungen auf, "wie sie beispielsweise bei Windkraft auftreten können". Der Grund dafür sei die große räumliche Verteilung der Solaranlagen, wodurch sich lokale Wetterschwankungen, zum Beispiel durch Wolkenflug, ausgleichen würden, betonte Burger.

Grüne fordern Klarheit von Netzbetreibern

Nach der Warnung der großen Stromnetzbetreiber vor flächendeckenden Blackouts forderten die Grünen eine Offenlegung der Datenbasis für die Befürchtungen. "Die Netzbetreiber müssen endlich ihre Datengrundlage veröffentlichen, ansonsten kann man ihre Aussagen nicht überprüfen", sagte Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Eine Studie der Uni Flensburg komme zu dem Schluss, dass es im Winter keine Probleme geben dürfte.

Am Sonntag hatten die Übertragungsnetzbetreiber EnBW Transportnetze AG (Karlsruhe), 50hertz (Berlin), Amprion (Dortmund) und Tennet (Bayreuth) davor gewarnt, dass es bei einem dauerhaften Aus für bis zu acht Kernkraftwerke zu kaum noch beherrschbaren Situationen kommen könnte. Als Gründe nannten sie die geringere Menge von Solarstrom und Importe besonders im Winter.

"Für den Fall der fortgesetzten Reduzierung der gesicherten Erzeugungskapazität in Deutschland um rund 8000 Megawatt für den Zeitraum nach dem Moratorium, insbesondere für den kommenden Winter, gibt es in Deutschland aufgrund dann typischerweise geringerer Importmöglichkeiten speziell am Abend kaum noch gesicherte freie Erzeugungsleistung", betonten die Betreiber.

Seit Samstag sind nur noch vier Atomkraftwerke am Netz, weil als fünftes AKW die RWE-Anlage Emsland für Wartungsarbeiten vom Netz ging. Zudem stehen im Zuge des dreimonatigen Moratoriums infolge der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima die sieben ältesten AKW sowie der Meiler in Krümmel still. Diese acht Kraftwerke könnten im Zuge des geplanten Atomausstiegs für immer still gelegt werden.

Kommentare (4)

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Alfred_H

23.05.2011, 12:57 Uhr

Nur mal angenommen, dass der Wind immer weht und die Sonne immer scheint. Dann wird wohl alles gut gehen. Wobei wir mit Solarenergie ca.1% des Energiebedarfs abdecken. Fällt aber einer dieser Faktoren weg und wir wollen weiter so die Super-Mega-Aufschwung-Nation bleiben, dann wird es wohl eng werden. Kommt es zum schlechtesten Szenario, nämlich gleichzeitig ohne Sonne und ohne Wind, wie gehts dann weiter? Den Schlaumeiern die der Meinung sind, dass Deutschland schon jetzt nicht mehr auf Atomenergie angewiesen sei, denen sei gesagt dass die Stromkonzerne aber sehr wohl auf ihren Profit angewiesen sind. Privat wäre ja auch keiner einverstanden, wenn sein Chef ihm von heut auf morgen sagt, dass er nur noch die Hälfte seines Gehalts bekommt. Also werden sich die Stromkonzerne bei weniger Stromerzeugung und Ausfall des Stromexports die gleichen Gewinne holen. Dafür wird der Strompreis gnadenlos steigen. Da nützt auch kein Leugnen der Realität etwas. Und auf Hilfe zur Preisregulierung durch die Politik ist da auch nicht zu hoffen. Denn der Staat verdient an steigenden Preisen durch Steuern und Abgaben immer kräftig mit.

Account gelöscht!

23.05.2011, 13:05 Uhr

Ergo: verstaatlichen (dem Bürger zurückgeben, was ihm genommen wurde !!!). Dann hat sich das Problem erledigt.

Nachdenker

23.05.2011, 22:03 Uhr

Genau... weil die Verstaatlichung ja auch alle Probleme löst. Wie man an der Bahn (Klimaanlagen, Pünktlichkeit), Landesbanken (Mega-Ausfallsummen), gesetzlichen Krankenkassen etc. super sehen kann.
Zudem wäre eine verstaatlichung in einem Rechtsstaat nur mit Entschädigung möglich. Und wie das geht zeigt ja gerade BW. ENBW ist jetzt wieder verstaatlicht und der Bürger zahlt halt noch mal...

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