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17.06.2013

09:24 Uhr

Blinde Passagiere

„Mörderkrabben“ auf dem Weg in den Bodensee

Immer mehr fremde Tierarten finden den Weg in den Bodensee – vom Krebs bis hin zu Quallen und Garnelen. Da sie kaum Fressfeinde haben, breiten sie sich oft explosionsartig aus. Doch was können sie im Bodensee anrichten?

Der Höckerflohkrebs hat hierzulande keine Fressfeinde – das erklärt seinen Spitznamen „killer shrimp“ (auf Deutsch etwa Mörderkrabbe). dpa

Der Höckerflohkrebs hat hierzulande keine Fressfeinde – das erklärt seinen Spitznamen „killer shrimp“ (auf Deutsch etwa Mörderkrabbe).

LangenargenEr hat sich einfach eingeschlichen, der Höckerflohkrebs. Als blinder Passagier kam das winzige Tierchen mit dem wissenschaftlichen Namen Dikerogammarus villosus in den Bodensee. Wie, wann und wo genau, weiß niemand. „2003 wurde er bei Routineproben entdeckt“, sagt Herbert Löffler vom Institut für Seenforschung in Langenargen (Bodenseekreis).

Ein Jahr später hatte sich der kleine Krebs über den gesamten Überlinger See ausgebreitet, 2005 fand man ihn im Obersee, 2007 dann im Untersee. Im Englischen wird das Tier „killer shrimp“ (auf Deutsch etwa Mörderkrabbe) genannt, weil es sich so schnell und aggressiv ausbreitet.

Und der Höckerflohkrebs ist bei weitem nicht der einzige Neuankömmling im Bodensee: Wenn man einen Quadratmeter Seeboden hochholen und alle Tiere darauf sortieren und wiegen würde, brächten die sogenannten Neozone, also gebietsfremde Tierarten, mit zwei Dritteln am meisten auf die Waage. Wie „neu“ ein Neozoen ist, sei allerdings eine Frage der Perspektive, sagt Löffler. Der Begriff bezeichnet eigentlich Tierarten, die nach 1492 (Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus) unter Mitwirkung des Menschen in neue Gebiete gelangt sind.

Im Einzugsgebiet des Bodensees gibt es inzwischen etwa 800 Arten. Zum Beispiel die Körbchenmuschel, die 2003 zum ersten Mal am österreichischen Ufer entdeckt wurde. Oder die Schwebegarnele, die nur sechs bis elf Millimeter groß ist und 2006 zum ersten Mal dort auftauchte. Etwas auffälliger ist ein Fisch, den vor allem die Berufsfischer am Bodensee gut kennen: der Kaulbarsch. 1987 wurde der bunt schillernde Fisch mit einem Zackenkamm zum ersten Mal beobachtet. Bereits einige Jahre später galt der Kaulbarsch schon als häufigster Fisch in der Flachwasserzone.

Eingeschleppt werden die meisten Neozoen im Wasser - bewusst oder unbewusst - mit Hilfe des Menschen. Sie sitzen im Kühlwasser der Segelboote, hängen am Taucheranzug oder kleben am Schiffsbauch fest. Auch der Ausbau der Schiffswege hat viel dazu beigetragen: Sie sind wie eine Art Autobahn zwischen ursprünglich getrennten Wassersystemen.

Kommentare (7)

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zarakthuul

17.06.2013, 10:06 Uhr

Kaulbarsche sind in Europa heimisch. Nach Nordamerika wurden sie eingeschleppt. Wo sie massenhaft auftreten da sollte man sich allerdings um die Wasserqualität kümmern. Wenn die Fressfeinde( Flussbarsch, Hecht,Zander) abziehen, wird der Kaulbarsch Chef im Revier.

RumpelstilzchenA

17.06.2013, 10:07 Uhr

Falsch verstandener Fachkräftemangel?

Eat_It_Hot

17.06.2013, 10:25 Uhr

Shrimp und Krabbe kann man eigentlich nicht verwechseln! Das wäre ja so wie man eine Languste mit einem Hummer verwechselte...

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