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09.01.2011

07:28 Uhr

CO2-Speicherung

Der Traum von der sauberen Kohle

VonKlaus Stratmann

Bund und Länder kommen beim Gesetz zur CO2-Speicherung nicht voran. Deshalb ist fraglich, ob Deutschland je ein klimafreundliches Kraftwerk bekommt. Mit der Technik verbinden sich Hoffnungen auf eine klimafreundliche Zukunft – und auf Milliardengeschäfte für deutsche Anlagenbauer.

Greenpeace-Aktivisten, die gegen Kohlekraftwerke demonstrieren: Der Traum von sauberer Kohle. dpa

Greenpeace-Aktivisten, die gegen Kohlekraftwerke demonstrieren: Der Traum von sauberer Kohle.

BERLIN. Noch vor ein paar Monaten sah es so aus, als würde Deutschland beim Zukunftsthema Kohlendioxidspeicherung Fortschritte erzielen. Ein Gesetz, das die Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid („Carbon Capture and Storage“, kurz CCS) regelt, galt im Spätsommer als beschlossene Sache. Doch mittlerweile wachsen in der Politik und bei den Energieversorgern die Zweifel, ob es mit der gesetzlichen Grundlage für die Technik jemals etwas wird. Ohne Gesetz jedoch kann CCS nicht zum Einsatz kommen. Der Vattenfall-Konzern, der sich zum Wegbereiter der Technik in Deutschland aufschwingen wollte und die einzige Demonstrationsanlage in Deutschland plant, verliert zunehmend die Freude an dem Thema.

Mit der CCS-Technik verbinden sich Hoffnungen auf eine klimafreundliche Zukunft – und auf Milliardengeschäfte für deutsche Anlagenbauer. Organisationen wie die Internationale Energieagentur prognostizieren für die nächsten Jahrzehnte einen weltweit stark wachsenden Kohleverbrauch. Länder wie China und Indien haben zwar die erneuerbaren Energien für sich entdeckt. Um jedoch der wachsenden Stromnachfrage ihrer Milliardenbevölkerung und der Wirtschaft Herr werden zu können, bauen sie auch in großer Zahl neue Kohlekraftwerke. Die Folgen fürs Klima sind verheerend. Gelänge es, die Schwellenländer von CCS zu überzeugen, wäre das ein Fortschritt im Klimaschutz.

„Ohne CCS-Technik sind ehrgeizige Klimaschutzziele nicht erreichbar. Wir müssen die Technik bei uns vorführen können, um andere davon zu überzeugen“, sagt Thomas Bareiß (CDU), energiepolitischer Koordinator der Unionsfraktion. Das Thema habe für den Industriestandort Deutschland hohe Priorität. In der Branche heißt es, der Stillstand bei der Gesetzgebung sei „verstörend“. Man habe wachsende Zweifel an der Entschlossenheit der Regierung. Endloses Warten sei nicht zumutbar und wirtschaftlich nicht zu vertreten.

Die Ursache für die Verzögerung ist in den Bundesländern zu suchen, die einem CCS-Gesetz im Bundesrat zustimmen müssen. Als Lager für das schädliche CO2 kommen etwa salzwasserführende Sandsteinschichten oder ehemalige Erdgasfelder in Frage. Schleswig-Holstein und Niedersachsen, wo es viele solcher möglichen Lagerstätten gibt, wollen die Speicherung auf ihrem Territorium aber nicht zulassen, weil sie Zweifel haben, ob sich das Kohlendioxid auf Dauer sicher im Erdreich halten lässt.

Kommentare (5)

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Kai B.

09.01.2011, 15:27 Uhr

Langzeit-Menschenversuch-Testregion gesucht
Welche Region oder bundesland stellt sich dafür zur Verfügung, Milliarden(!) von Tonnen mit giftigen Schwermtallen kontaminiertes CO2 für immer unter seine Heimat pumpen zu lassen?
Welche Region nimmt es in Kauf, dass ihr Grundwasser für immer vergiftet wird?
Welche Region lässt es zu, dass ihre bürgerinnen und bürger durch austretendes CO2 sterben und davor für immer in Angst leben müssen?
CCS ist eine unerforschte Hochrisikotechnologie!
Man kann den Profit-Kohlelobbyisten und von ihnen beeinflussten Drehtür-Klientelpolitiker nur zurufen:
"Wie krank oder moralisch verkommen müsst ihr sein, wenn ihr so einen irrsinn unterstützt!"

Denkerist

09.01.2011, 16:01 Uhr

Da werden in Deutschland in den letzten Jahren massenweise Dreckschleudern gebaut, die in den anderen Ländern der EU nicht genehmigungsfähig wären. Nur um CO2 Kontingente zu bekommen.
Und nun spielen sich diese Konzerne mittels der Regierungsmarionetten als Klimaschützer auf? Jeder merkt, daß da was faul ist.
Und so ist es auch. Kein Mensch weiß wie lange das Gas in der Erde bleibt, und wie es wo wieder austritt. Erfahrungsgemäß streichen die Konzerne die Gewinne ein, und die bürger zahlen für die Folgen. ist bei der Kernkraft ebenso.

Reiner Vogels

09.01.2011, 17:31 Uhr

Das Scheitern von CCS ist ein geradezu lehrbuchhaftes beispiel dafür, dass staatliche planwirtschaftliche Eingriffe in die Marktwirtschaft fast immer zum Desaster führen. Dass sogar das Handelsblatt solche Eingriffe verteidigt, zeigt für mich schmerzlich, wie sehr selbst im Handelsblatt Regierungstreue klares ordnungspolitisches Denken verdrängt hat.

Kein Vorstand eines Unternehmens, das sich ohne staatliche Hilfe im Markt behaupten müsste, wäre auf die idee gekommen, auch nur einen Cent in CCS zu investieren. Jeder Unternehmensführer hätte gewusst, dass

1. CCS die Energie verteuert und den Verbrauch an brennstoffen drastisch steigert, was die Kosten explodieren lässt,

2. die unterirdische Lagerung von verflüssigtem CO2 unter hohem Druck mit einem untragbaren Sicherheitsrisiko verbunden ist, da jedes Leck, das bei Windstille auftritt, dazu führen kann, dass im näheren Umkreis flächendenkend alles nichtpflanzliche Leben in Sekunden den Erstickungstod stirbt,

3. der Klimaalaarmismus, der von den Auftragswissenschaftlern des iPCC und in Deutschland des PiK verbreitet wird, bis auf den heutigen Tag keinerlei wissenschaftlichen beweis vorlegen kann und dass die Entwicklung des realen Wetters auf der Erde (seit 1998 keine Erwärmung, der 2. strenge Winter auf der Nordhalbkugel in Folge) die Katastrophensezenarien längst widerlegt hat.

Aber man wollte das schnelle Geld machen: Mit staatlicher Hilfe ein Problem vorgaukeln, das gar nicht besteht, und dann dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau die Chance geben, die technischen Gegenmittel (CCS-Anlagen) zur verkaufen.

Nach dem Scheitern von Kopenhagen und Cancún jedoch ist klar, dass diese Spekulation nicht aufgeht. Regierung und einschlägige industrie haben alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Ein Lehrstück für das Versagen der staatlichen Planwirtschaft und die Überlegenheit der Marktwirtschaft!


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