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25.03.2011

10:11 Uhr

Dekontamination

"Das erste Ziel muss sein, eine Freisetzung zu vermeiden"

VonDaniel Lingenhöhl
Quelle:Spektrum.de

Experten diskutieren bereits, wie man die Regionen um das Kernkraftwerk Fukushima I wieder entseuchen kann. Wie man gegen freigesetzte Radionuklide vorgehen kann, erklärt Gerhard Frank vom Karlsruher Institut für Technologie.

Der promovierte Physiker Gerhard Frank ist als Leiter des Sicherheitsmanagements auch der Strahlenschutzbevollmächtigte des Karlsruher Instituts für Technologie. Quelle: PR

Der promovierte Physiker Gerhard Frank ist als Leiter des Sicherheitsmanagements auch der Strahlenschutzbevollmächtigte des Karlsruher Instituts für Technologie.

Wenn radioaktive Substanzen freigesetzt werden – etwa durch das Ablassen von radioaktiv kontaminiertem Wasserdampf oder durch eine Explosion des Reaktors –, welche Sofortmaßnahmen müssen dann ergriffen werden, um eine langfristige Kontamination der Umwelt möglichst zu minimieren?

Ist die Freisetzung bereits erfolgt, kann eine Kontamination der Umwelt nicht verhindert werden. Die radioaktiven Stoffe befinden sich dann gasförmig oder an Aerosole gebunden in der Luft und werden gemäß den vorherrschenden meteorologischen Bedingungen transportiert. Aus dieser so genannten Wolke werden sie früher oder später über unterschiedliche Mechanismen wie Sedimentation, Diffusion oder über Turbulenzen der Luftströmungen – die so genannte Impaktion – auf Oberflächen abgelagert.

Vor allem die nasse Deposition, also das Auswaschen durch Niederschläge, spielt hier eine bedeutende Rolle. An dieser Stelle besteht unter Umständen die wohl einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der freigesetzten Schadstoffe durch künstlich ausgelöste Niederschlägen zu beeinflussen. So versprühten die Sowjets nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl Silberjodid, um eine möglicherweise auf Moskau zuziehende Wolke in dünn besiedeltem Gebiet abregnen zu lassen. 

Das erste Ziel muss in jedem Fall sein, eine Freisetzung zu vermeiden. So werden in deutschen Kernkraftwerken Rückhaltesysteme – Filter – verwendet, die zumindest im Fall einer kontrollierten Druckentlastung aus dem Containment (dem Sicherheitsbehälter um den Reaktorkern, Anm. d. Red.) einen Großteil der radioaktiv belasteten Stoffe zurückhalten.

Gibt es unterschiedliche Methoden der Dekontamination: Behandelt man beispielsweise freigesetztes radioaktives Jod anders als Zäsium oder Plutonium?

Dekontamination ist nichts anderes als die Beseitigung von giftigen Substanzen, in diesem Fall eben von radioaktiven Stoffen. Entsprechend werden genau die gleichen Hilfsmittel eingesetzt, wie sie zur Beseitigung von anderen Verunreinigungen eingesetzt werden. Unterschiedliche Vorgehensweisen in Bezug auf unterschiedliche Radionuklide sind eher von akademischem Interesse und finden deshalb in der Praxis kaum Anwendung. Wichtig ist in jedem Fall, die weitere Behandlung der verwendeten Hilfsmittel und Rückstände mit zu berücksichtigen und kontaminiertes Material anschließend sicher zu verwahren.

Wie kann man verhindern, dass sich radioaktive Substanzen langfristig in der Umwelt anreichern? 

Wenn man die radioaktiven Stoffe nicht wirklich aus der Umwelt entfernt und entsorgt, bleiben sie entweder da, wo sie sich befinden. Oder sie werden durch natürliche Transportprozesse wie Erosion und Auswaschung oder durch biologische Aktivität verfrachtet, etwa indem Tiere und Pflanzen die Nuklide aufnehmen und sie dadurch an andere Orte gelangen. Die Tatsache, dass sie radioaktiv sind, beeinflusst diese Prozesse erst einmal in keiner Weise. 

Allein der radioaktive Zerfall sorgt dafür, dass die Menge der Radionuklide im Lauf der Zeit weniger wird. Jod-131 etwa hat eine Halbwertszeit von rund acht Tagen und verschwindet daher recht schnell aus der Umwelt, Cäsium-137 dagegen eine von mehr als 30 Jahren. 

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