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03.04.2017

11:05 Uhr

Ehrgeiziges Umweltprojekt

Nebelnetze sollen Perus Wüste grün machen

Lange Trockenphasen und gebeutelt vom Klimaphänomen El Niño: Perus Wüste gehört zu den trockensten Regionen der Erde. Ein visionäres Projekt will das ändern: Mit Netzen wird der Nebel aufgefangen und so Wasser gewonnen.

Mit Hilfe von Netzen fangen Bauern des peruanischen Agrarprojekt Pampa Colorada den Nebel auf, um Wasser für die Landwirtschaft zu gewinnen. dpa

Fänger des Nebels

Mit Hilfe von Netzen fangen Bauern des peruanischen Agrarprojekt Pampa Colorada den Nebel auf, um Wasser für die Landwirtschaft zu gewinnen.

TacnaAbel Cruz Gutíerrez ist ein Fänger des Nebels. Er will, dass die Wüste grün wird – mit Wasser, das hier nahe der peruanischen Stadt Tacna aus dem oft wabernden Nebel gewonnen wird. Er will, dass Kartoffeln, Mais, Zwiebeln, Tomaten und Oliven geerntet werden. Dass Meerschweinchen hier mit Alfalfasprossen und Klee ernährt und als Wüsten-Delikatesse an Märkte im ganzen Land verkauft werden. Gegrilltes „Cuy“ ist in Peru ein Nationalgericht.

Im März allerdings wurde der Andenstaat vom Klimaphänomen „Küsten-El-Niño“ gebeutelt – mit verheerenden Überschwemmungen. Der Pazifik war fünf Grad wärmer als normalerweise um diese Jahreszeit. Wegen der stärkeren Verdunstung kam es zu heftigen Regenfällen, Flüsse wurden zu reißenden Strömen und brachten durch das mitgezogene Geröll die Trinkwassergewinnung für Lima zum Kollabieren.

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Doch so viel Regen ist in der Gegend eigentlich eine Ausnahme, vielerorts wird Landwirtschaft immer schwieriger. Auch gegen die immer wieder herrschende Wassernot in Perus Hauptstadt Lima sieht Abel Cruz in seinen Nebelnetzen eine Lösung, gerade für eine bessere Wasserversorgung in Armenvierteln. Denn auch in Lima gibt es oft Nebel.

Abel Cruz ist Träumer und Kämpfer zugleich. „Wasserzugang ist ein Menschenrecht, unsere Regierung ignoriert das“, kritisiert er. Er weiß aus seiner Kindheit, wie schwer es war, Wasser zu bekommen: lange Wege, viel Schlepperei. Im Jahr 2005 hat er die Bewegung „Peruaner ohne Wasser“ gegründet und ist ihr Präsident. Allein in Lima hätten hunderttausende Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser, sagt er.

Die Wüste grün machen

Mit dem Flugzeug geht es von Lima nach Tacna an der Grenze zu Chile, dann rund 230 Kilometer nordwestlich die Panamericana hoch. Eine Straße wie ein Strich, immer durch die Wüste. Nach einer rasanten Abfahrt in eine Talmulde ist das Dorf Pampa Colorada erreicht – eigentlich kein Dorf, nur einige provisorische Hütten zum Übernachten für die Bauern gibt es. Es ist ein verwegenes, fast utopisch anmutendes Projekt mitten in der Wüste. Der Name „Pampa Colorada“ heißt übersetzt „rote Pampa“. Bisher ist es hier ziemlich braun.

„Wir wollen die Wüste grün machen, wir setzen auf organische Landwirtschaft, um unsere Produkte in die Welt zu exportieren“, sagt Abel Cruz. Es würde nicht verwundern, wenn der gnadenlose Optimist auch noch verkündet, hier Wassermelonen und Zitronen anbauen zu wollen. „Warum unterstützt der Staat dieses Projekt nicht?“ In Zeiten des Klimawandels müsse man doch jeden Strohhalm ergreifen. Im Januar sind im benachbarten Chile wegen der Trockenheit bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes über 500.000 Hektar Wald- und Agrarland verbrannt, die Andengletscher schmelzen rasant.

Kommentare (2)

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Herr Marc Hofmann

03.04.2017, 13:21 Uhr

Reine Geldverschwendung! Diese Nebelnetzen dienen nur einen...den Abzockern einer "CO2 freien Klimapolitik"....die zapfen damit den Klimafond an um sich das meiste in die eigenen Tasche zu stecken.
Wenn man eine Wüstenregion begründen will, dann braucht man entweder Tiebrunnen die mit Dieselgeneratoren betrieben werden oder eine Meerwasserentsalzunganlage die mit Kohle, Oel, Diesel ober am besten mit der Co2 armen Kernkraft betrieben wird.
Alles andere ist Humbug und Geldverschwendung.

Herr Holger Narrog

03.04.2017, 14:17 Uhr

Von ähnlichen Projekten hatte ich bereits in den 70er Jahren gelesen. Ich fürchte es handelt sich um Subventionsfangnetze. Linke Schlechtmenschen suchen regelmässig Projekte in die Geld des Steuerzahlers überwiesen wird.

Sofern es gelänge hier eine funktionierende, wirtschaftliche Technik zu entwickeln, wäre dies natürlich grossartig.

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