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23.08.2013

10:24 Uhr

Eichenprozessionsspinner

Biowaffe soll Raupenplage eindämmen

Der Eichenprozessionsspinner gefährdet die Gesundheit von Menschen und Tieren in Deutschland. Ein in diesem Jahr erstmals in Kommunen zugelassenes biologisches Mittel könnte helfen, die Plage einzudämmen.

In vielen Teilen Deutschlands sind die Raupen inzwischen zur Plage geworden. dpa

In vielen Teilen Deutschlands sind die Raupen inzwischen zur Plage geworden.

BraunschweigIn diesen Tagen schlüpfen die kleinen unscheinbaren Falter des Eichenprozessionsspinners. Sie schaden niemandem, ihre Nachkommen im nächsten Frühjahr aber umso mehr. Denn sie fressen nicht nur die Baumkronen kahl.

Die giftigen Brennhaare der Raupen können bei Mensch und Tier starke Hautreizungen und Atembeschwerden verursachen und lebensgefährliche Schockreaktionen auslösen. Ein Bakterium soll künftig die gefürchteten Insekten auch in bewohnten Gebieten im Zaun halten.

Eichenprozessionsspinner

Woher kommt der Name?

Nachts ziehen die Raupen aus ihren Nestern in Eichen in langen wohlgeordneten Kolonnen auf Nahrungssuche - daher hat der unscheinbare kleine Nachtfalter seinen Namen.

Wie gefährlich sind die Raupen?

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners schädigen Bäume und können auch für den Menschen gefährlich werden. Ihre feinen Härchen lösen Atembeschwerden, Juckreiz und Entzündungen aus. Auch Schwindel und Fieber kann das Nesselgift Thaumetopoein verursachen, in Ausnahmefällen droht sogar ein lebensgefährlicher allergischer Schock.

Was lässt sie zur Plage werden?

In den vergangenen Jahren hat sich der Eichenprozessionsspinner immer weiter ausbreiten können. Experten machen dafür die gestiegenen Temperaturen vor allem in den Frühlingsmonaten verantwortlich.

Wie schützt man sich am besten?

Die Larve des Schmetterlings schlüpft in der Regel ab Ende April. Die feinen Härchen werden nach der zweiten Häutung giftig und können vom Wind weit verteilt werden. Auch nach Jahren behalten sie ihre Wirkung. Deshalb raten die Behörden, befallene Gebiete zu meiden.

Was hilft gegen die Tiere?

Sind nur einzelne Bäume betroffen, können die Tiere von Experten abgesaugt werden. Bei massenhaftem Auftreten etwa auf großen Waldflächen werden Insektizide versprüht. Naturschützer kritisieren, dass dabei auch andere Tiere getötet oder geschädigt werden können.

Erstmals in diesem Jahr wurde der Bacillus thuringiensis zur Bekämpfung der giftigen Larven für den Einsatz in Städten freigegeben. „Wir wissen, dass dieses Mittel gut wirkt, Gewissheit werden wir allerdings erst nächstes Frühjahr gewinnen“, sagt Diplomforstwirtin Nadine Bräsicke vom Braunschweiger Bundesforschungsinstitut Julius Kühn (JKI). Neu ist das Mittel zwar nicht, es durfte bislang aber vor allem nur in unbewohnten Gebieten gegen den Eichenprozessionsspinner (kurz EPS) eingesetzt werden.

Auch der niedersächsische Kreis Lüchow-Dannenberg hat in diesem Jahr gute Erfahrung mit dem biologischen Gift gemacht: „Wir haben eine Erfolgsquote von annähernd 100 Prozent“, sagt Ernst-August Schulz vom Kreis Lüchow-Dannenberg. Mehrere tausend Bäume seien besprüht worden. Und ganz wichtig: „Es gab keinerlei Beschwerden. Auch die Leute, die mit dem Mittel gearbeitet haben, haben über keine Beeinträchtigungen geklagt“, sagt Schulz.

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