Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.03.2014

16:22 Uhr

Eindringling in Europa

Gefräßiger Wurm bedroht Weinbergschnecken

Französische Wissenschaftler warnen vor dem gefräßigen Neuguinea-Plattwurm, der hunderte von Schneckenarten in Europa bedrohe. Darunter ist auch eine der bekanntesten kulinarischen Spezialitäten Frankreichs.

Der flache Wurm aus Asien steht bereits auf der Liste der hundert weltweit gefährlichsten Eindringlinge. AFP

Der flache Wurm aus Asien steht bereits auf der Liste der hundert weltweit gefährlichsten Eindringlinge.

ParisEin gefräßiger Wurm, der aus Neuguinea nach Europa gelangt ist, bedroht eine der bekanntesten kulinarischen Spezialitäten Frankreichs: Weinbergschnecken. Der rund fünf Zentimeter lange und fünf Millimeter breite Neuguinea-Plattwurm (Platydemus manokwari) habe es auf alle Arten von Schnecken abgesehen, warnten Wissenschaftler in einem am Dienstag in der Internet-Fachzeitschrift „PeerJ“ veröffentlichten Beitrag. Demnach steht der flache Wurm aus Asien, der eine olivschwarze Ober- und eine helle Unterseite hat, bereits auf der Liste der hundert weltweit gefährlichsten Eindringlinge.

Gesichtet wurde der Schädling in Frankreich erstmals im Botanischen Garten der normannischen Stadt Caen, dessen Mitarbeiter Alarm schlugen. DNA-Tests hätten ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt, berichteten französische Wissenschaftler in dem Beitrag für „PeerJ“: Der bereits in mehr als 15 Ländern im Pazifikraum verbreitete Neuguinea-Plattwurm ist nun auch in Europa angekommen.

Der Wurm sei ein besonders gefährlicher Eindringling, betont Jean-Lou Justine vom französischen Nationalmuseum für Naturkunde. „Ich hoffe, wir können seinen Vormarsch rasch stoppen.“ Wenn dies nicht gelinge, könnten „alle Schnecken in Europa“ aussterben. „Das mag jetzt ironisch erscheinen, aber es sollte auf den Effekt hingewiesen werden, den das auf die französische Küche haben würde“, fügte der Wissenschaftler hinzu.

Den Experten zufolge klettert der Vielfraß Schnecken sogar auf Baumstämmen hinterher. Wenn er keine Schnecken mehr findet, begnügt er sich mit Regenwürmern. Der Wurm stammt ursprünglich aus einem rund 3000 Meter hohen Bergmassiv in Neuguinea, wo milde Temperaturen herrschen. Tests haben jedoch gezeigt, dass er Temperaturen bis zu zehn Grad Celsius aushält – damit hat er gute Überlebenschancen in europäischen Regionen mit gemäßigtem Klima, wo es besonders viele Schnecken gibt.

„Platydemus manokwari ist eine neue und bedeutende Gefahr für die Artenvielfalt in Frankreich und Europa“, schreibt „PeerJ“. Der Wurm bedrohe hunderte von Schneckenarten, von denen einige bereits vom Aussterben bedroht seien und daher unter Artenschutz stünden. Daher müssten Maßnahmen zur Ausrottung oder zumindest zur Kontrolle des Wurms in Europa ins Auge gefasst werden.

Ein entfernter Verwandter des Wurms, der aus Neuseeland stammende Arthurdendyus triangulatus, hat dem Bericht zufolge bereits im Norden Großbritanniens erhebliche Schäden angerichtet: Er wird für den drastischen Rückgang bei Regenwürmern verantwortlich gemacht, die die Erde auflockern und damit die Qualität von Böden verbessern. Mehrere europäische Staaten haben bereits Maßnahmen beschlossen, um eine Verbreitung dieses Schädlings - etwa durch importierte Pflanzen - zu verhindern.

Von

afp

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

05.03.2014, 09:25 Uhr

Temperaturen unter +10 Grad Celsius sind dem Wurm und seinem Nachwuchs wenig zuträglich. Das dürfte eine Ausbreitung in Europa doch sehr einschränken. Interessant wäre für mich das Fressorgan des Wurms. Im Internet konnte ich nichts dazu finden. Auf dem Bild sieht es wie ein Röhrchen am Bauch aus. Sehr interessant.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×