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06.04.2011

09:07 Uhr

Elektromobilität

Wann sich ein Elektroauto lohnt

VonSebastian Schaal

Ein beschleunigter Atom-Ausstieg droht, die Strompreise werden steigen. Doch was bedeuten höhere Energiekosten für Elektroautos im Vergleich zu Verbrennungsmotoren? Ein überraschendes Rechenbeispiel.

Elektroautos profitieren derzeit vor allem vom günstigen Strompreis. Quelle: dapd

Elektroautos profitieren derzeit vor allem vom günstigen Strompreis.

DüsseldorfSie werden als die Zukunft der Individualmobilität gepriesen: Elektroautos. Unabhängig vom Öl, emissionsfrei, umweltfreundlich. Doch leider sind sie auch teuer in der Anschaffung, vor allem die Kosten für die Batterien sind derzeit noch enorm hoch. Ihr wirtschaftlicher Vorteil liegt in den niedrigen Energiekosten. Durch einen beschleunigten Atom-Ausstieg könnte der Strompreis allerdings steigen.

Der Erfolg der Elektroautos wird nach Ansicht von Experten stark davon abhängen, als wie unattraktiv die Autofahrer die Benzinpreise empfinden. Und erst wenn sich der Umstieg für den Kunden finanziell lohnt, wird dieser auch vermehrt zugreifen. Zurzeit sind das gute Argumente für Elektroautos, denn die Ölpreise bewegen sich wieder auf das Rekordniveau von 2008 zu.

"Nach dem stellenweisen Aus für Kernenergie wird der Rohölpreis sicher schneller steigen als vor Fukushima. Einen Preis von 150 US-Dollar pro Barrel für 2016 – also in 5 Jahren – halte ich nicht für unwahrscheinlich", sagte Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Universität Duisburg-Essen, zu Handelsblatt Online. Das sind rund 25 Prozent mehr als der aktuelle Preis für ein Barrel Brent-Öl. Rechnet man diesen Zuwachs auf den Spritpreis um, ist in fünf Jahren ein Betrag von 1,90 Euro pro Liter Superbenzin möglich. Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule Nürtigen-Geislingen geht für 2020 sogar von einem Preis von 2,90 Euro pro Liter aus.

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Ökonomische Bewertung der Elektromobilität

Aktuell allerdings hält Diez Elektroautos für finanziell nicht wettbewerbsfähig: "Wir rechnen damit, dass in den kommenden Jahren der Strompreis mindestens genauso stark steigen wird wie die Kraftstoffpreise. Damit ist davon auszugehen, dass das Elektroauto von der Kostenseite betrachtet nicht wettbewerbsfähig sein wird." Nach einer Berechnung seines Instituts lohnt sich der Umstieg von einem aktuellen Benziner auf ein Elektroauto, das auf dem heutigen Stand der Technik ist, erst ab einer Fahrleistung von 178.500, bei Dieselmotoren sogar erst bei über 270.000 Kilometern. "Der Strompreis ist derzeit wirklich nicht der Knackpunkt. Das Problem sind die Kosten der Batterie und deren Leistungsfähigkeit bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen", so Dudenhöffer.

Der Mitsubishi i-MiEV war eines der ersten Großserien-Elektroautos auf dem deutschen Markt. Quelle: dpa

Der Mitsubishi i-MiEV war eines der ersten Großserien-Elektroautos auf dem deutschen Markt.

In den nächsten Jahren werden die Batterie-Kosten durch neue Entwicklungen und Verbesserungen stetig sinken. In seiner Modell-Rechnung geht Willi Diez von einer Halbierung des Batteriepreises in den nächsten zehn Jahren aus. Damit werden Elektroautos - trotz steigender Energiekosten und weiteren Verbesserungen bei Verbrennungsmotoren - schneller rentabel. Ihr immer noch höherer Grundpreis amortisiere sich dann bereits nach knapp 38.000 Kilometern. Der Berechnung liegt eine Steigerung des Strompreises um zwölf Prozent zu Grunde, Experten rechnen aber mit größeren Steigungen. Dudenhöffer hält allerdings selbst um 20 Prozent höhere Kosten für unproblematisch: "Strom wird zwar in den Kosten steigen, aber das ist kein Killerargument für die Elektromobilität. Durch mögliche Preissteigerungen durch den Atomstromausstieg wird kein Elektroauto weniger verkauft."

Kommentare (14)

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RalphFischer

06.04.2011, 13:33 Uhr

Wenn die Technik soweit ist und in grossem Stil Elektrofahrzeuge auf die Strassen kommen wird garantiert die Politik aufwachen und die eintgangenen Benzinstuern als extrabeitrag auf Elektrofahrzeuge verteilen.

Damit ist der Preisvorteil dann wieder vorbei.

jaschu

06.04.2011, 15:40 Uhr

Spätestens mit einer nennenswerten Verbreitung von Elektroautos wird der Staat vom System der Besteuerung von Kraftstoffen auf ein Maut-System umstellen. Das könnte die Preisvorteile von Elektroautos bei den Betriebskosten deutlich reduzieren.

Ich wundere mich, dass über die jetzt schon wunderbar funktionierende Brückentechnlogie kaum gesprochen wird: Autos mit Erdgasantrieb sind jetzt schon vielfach ab dem ersten Kilometer günstiger als Diesel. Ich habe zurzeit mit meinem Zafira Spritkosten von 6,7ct/km in der realen Welt, nicht als utopischer Normwert. Die Technologie ist ausgereift und erprobt, nur will sie kaum jemand haben. Scheinen alle zu viel Geld zu haben...

Prenden

06.04.2011, 16:02 Uhr

Emissionsfrei klingt gut, ist es aber nicht. Der Strom muß tritzdem erzeugt und transportiert werden. Das passiert garanietert nicht emissionsfrei. Auch bei der Produktion dieser Fahrzeuge fallen Emissionen an! Die Batterien sind nachher der größte Posten beim Sondermüll. Lieber sollen ältere Fahrzeuge, welche schon vorhanden sind, abgefahren werden, bevor das Konsum-/Hamsterrad wieder anfängt sich zu drehen über öffentliche Subventionen. Aber das wäre das Ende dieses Wirtschaftssystems, worüber nicht wenige gar nicht traurig wären. Endlich mal wieder etwas entschleunigen und auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren.

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