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19.01.2011

14:59 Uhr

Energie

Das Ökozeitalter lässt noch auf sich warten

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Die erneuerbaren Energien sind weltweit auf dem Vormarsch - das Ende des Ölzeitalters ist aber noch lange nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der wachsende Energiehunger aufstrebender Wirtschaftsnationen wie China oder Indien treibt auch den Verbrauch der fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle an.

Mittelfristig werden erneuerbare Energien fossile Energieträger noch nicht ersetzen. Quelle: dpa

Mittelfristig werden erneuerbare Energien fossile Energieträger noch nicht ersetzen.

BERLIN. "Das Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien ist enorm ", sagte Manfred Wiegand, Leiter des Bereichs Energie bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC), am Dienstag auf der Handelsblatt-Energietagung. "Dennoch dürfen alle Akteure nicht außer Acht lassen, dass 2035 auch im günstigsten Fall der Großteil unserer Energie aus fossilen Quellen stammt."

Nach den führenden Prognosen sind weltweit alle Quellen gefordert, um den stetig wachsenden Energiebedarf zu decken. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet bis 2035 mit einem Anstieg des weltweiten Primärenergieverbrauchs um 36 Prozent und der Stromnachfrage sogar um 75 Prozent. In China wird der Primärenergieverbrauch dabei um 75 Prozent steigen und in Indien sogar um 130 Prozent. Zum Vergleich: In der EU sinkt die Nachfrage bis 2035 sogar leicht.

Nach Wiegands Worten lässt sich der Bedarf aber nur befriedigen, wenn weltweit massiv in erneuerbare Energien investiert wird - vor allem wenn die Erderwärmung wie geplant auf maximal zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Selbst wenn sich der Verbrauch erneuerbarer Energien, wie von der IEA prognostiziert, bis 2035 verdreifachen wird, wäre das Klimaschutzziel nicht einzuhalten, sagte Wiegand. Demnach sind auch langfristig weltweit Subventionen nötig, um den Anteil von Windkraft, Solarenergie oder Wasserkraft zu erhöhen. Die IEA rechnet mit einer Aufstockung der jährlichen Subventionen von 57 Milliarden Dollar im Jahr 2009 auf über 200 Milliarden Dollar im Jahr 2035.

Trotzdem werden auch die klassischen Energieträger weiter zulegen. Neil Atkinson, Energieexperte des Marktforschungsunternehmens Datamonitor, rechnet damit, dass sich die Ölnachfrage bis 2030 Jahr für Jahr um knapp eine Million auf 102 Millionen Barrel pro Tag erhöhen wird. In Staaten wie China und Indien gebe es einen großen Nachholbedarf im Verkehrssektor.

Richard Guerrant, Manager bei Exxon Mobil, wiederum sieht eine steigende Nachfrage nach Gas. Und selbst die wegen des hohen CO2-Ausstoßes verrufene Kohle wird nach Einschätzung von Brian Ricketts, Analyst bei der IEA, zunehmend nachgefragt: "Gäbe es keine Kohle, hätte China ein Problem."

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Dr A dot com

19.01.2011, 23:43 Uhr

Energie- Gesamtkonzept für die bRD

Autokunden kaufen seit Jahrzehnten Öko-Autos mit Niedrigstverbräuchen in großen Stückzahlen: Mercedes A-Klasse, VW Fox und Golf, Opel Corsa, Ford Fiesta, bMW Mini, Smart ForTwo, Audi A3 und weitere. Diese Autos haben alle bei der verfügbaren Ökomotorisierung unter 5l Verbrauch im NEFZ-Zyklus (entspricht 120g CO2).

Wenn diese sparsamen Autos allerdings im Stau stehen, emittieren sie fast doppelt so viel CO2 (statt 120g etwa 200g CO2). Der Verkehr hat sich seit 20 Jahren in der bRD nahezu verdoppelt, das Strassennetz ist jedoch kaum gewachsen und wir erleben täglich landesweite Stausituationen. Sollte dann nicht zuerst der aus ökologischen und ökonomischen Überlegungen entstandene Dringlichkeitsplan für den Ausbau des Fernstrassennetzes in der bRD umgesetzt werden, damit der Verkehr wieder fliesst?

An der Gesamt- CO2- Emission weltweit haben KFZ einen Anteil von weniger als 15% (laut bMU). Der Anteil der CO2-Emission bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken mit fossilen Kraftstoffen beträgt mehr als das Dreifache (laut bMU). Sollten wir dann nicht schnellstmöglich auch in der bRD wieder zur CO2- freien Kernenergie, in der wir mal Technologieführer in Leistung und Sicherheit waren, als Zieltechnologie zurückkehren?

Die schnellstmögliche Rückkehr zur Kernenergie in der bRD ist allein schon aus Wettbewerbsgründen notwendig, da dies in allen führenden industrienationen (USA, Canada, Japan, Russland, China etc.) weltweit bereits geschieht. Der in Deutschland von der “Links-Grünen-Laien“-Politik eingeschlagene Weg der mittelfristigen Abschaltung unserer KKWs führt aus Gründen der stark eskalierenden Energiekosten in kurzer Zeit zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit in der bRD bei der Herstellung aller energieintensiven industrieprodukte und Konsumgüter. Die Folgen für die Arbeitsplätze in Deutschland wären verheerend.

Es führt kein Weg am raschen Ausbau neuer, mit höchsten Sicherheitsstandards ausgestatteten KKWs vorbei. Die Lagerung verbrauchter Kernbrennstäbe in Castor- (cask for storage and transport of radioactive material) -behältern, die z. b. mit einem langfristig nutzbaren Tauschkonzept für strahlengeschädigte behälterwände ausgestattet sind, ist eine von mehreren sinnvollen Möglichkeiten. Auch ein weltweit betriebenes Endlagerprojekt, das über einen internationalen Gemeinschaftsfonds aller Nutzer finanziert werden könnte, ist hier zielführend. Dafür sollte sich die deutsche bundesregierung endlich einsetzen.

Wäre es nicht noch ökologischer, die dann länger verfügbaren fossilen Kohlenstoffressourcen ausschliesslich für den mobilen Verkehr (KFZ, Flugzeuge und Schiffe) und für Produkte der Kohlenstoffchemie (Kunststoffe, Medikamente etc.) zu reservieren, da es hier keine brauchbaren Alternativen gibt, statt diese ökofeindlich bei der Stromerzeugung in Großkraftwerken oder bei der Wärmeerzeugung in Heizanlagen zu verbrennen?

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