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14.03.2011

11:56 Uhr

Energie-Verbrauch

Japans Krise – das Dilemma unserer Zivilisation

VonFinn Mayer-Kuckuk

In Japan zeigt sich das Dilemma unserer energiesüchtigen Zivilisation: Der Bedarf der Industrieländer ist auf einem gewaltigen Niveau, doch wir wissen nicht, wie er sich decken lässt. Ein Kommentar von Finn Mayer-Kuckuk.

Energie gibt es nicht zum Nulltarif - aber der Preis, den Japan jetzt zahlt, ist zu hoch. Quelle: dpa

Energie gibt es nicht zum Nulltarif - aber der Preis, den Japan jetzt zahlt, ist zu hoch.

Japan wollte die zeitliche Lücke bis zum Auftauchen einer brauchbaren Alternative mit Kernkraft überbrücken und wird nun durch ein schreckliches Versagen der Ingenieure mit der Realität konfrontiert, nämlich dass jedes Energiekonzept große Gefahren birgt.

Während die Japaner bisher die Gefahr von Kernkraftwerken auf Erdbebenspalten erfolgreich verdrängt haben, dringen die Folgen nun in ihren Alltag ein. Im ganzen Nordostteil der japanischen Hauptinsel Honshu schaltet der Stromversorger nun reihum den Strom ab, etwa 50 Millionen Menschen sind betroffen.

 Nach dem Ausfall von fünf Kernkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 1,3 Gigawatt steht bei weitem nicht mehr genug Kapazität zur Verfügung, um Wirtschaft und Verbraucher wie gewohnt zu versorgen. Auch in der glitzernden Luxusmetropole Tokio gehen nun die Lichter aus. Japan muss auf all die Annehmlichkeiten und Spielzeuge verzichten, auf die es so versessen ist: Das tägliche Vollbad, taghelle Leuchtreklamen, einen ganzen Zoo von mobilen Unterhaltungsgeräten vom Smartphone bis zur Playstation.

Unsere energiehungrige Zivilisation spürt im Normfall nichts davon, welche Risiken sie für die Befriedigung ihre Energiehungers auf sich nimmt. Die Überflutung Hollands infolge des Treibhauseffekts liegt – scheinbar – in weiter Ferne. Auch die Risiken der Kernkraft sind nicht zu spüren, wenn bloß der MP3-Spieler läuft, wie er soll.

Kommentare (3)

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WasserstofftechnikZukunft

14.03.2011, 12:55 Uhr

Nein! Das Dilemma unsere unfähigen Regierungen:
>PS Orgien auch heute noch
>Flottenverbrauch auf 4 Liter setzen und das geht!
>Sicher Verbrauchsangaben anstatt Verbrauchslüge lt. ADAC
= ~ 30 % echter Mehrverbrauch als Herstellerangaben.
>Wasserstofftechnik ist reif zum Einsatz, Verbesserungen
kommen bei Einführung
>Heutige Großenergieversorger wollen die Wasserstofftechnik nicht, weil man dann diese Versorger nicht mehr braucht. Politiker lassen sich von diesen Loobyisten tragen!
Die Parteien, die jetzt erst umsteigen wollen weil Wahlkampf sollten empfindlich abgestraft werden, den die
belügen uns in Zukunft auch weiter

Kraeftemangel

14.03.2011, 13:07 Uhr

Also, die Ingeneure haben versagt! so einfach ist das. Am Ende ist die Entscheidung über den Bau eines Kraftwerks aber eine rein ökonomische, mit einer entsprechenden Investitionsrechnung im Hintergrung. Da spielt eine Milliarde mehr oder weniger an Sicherheitsmaßnahmen mit Sicherheit eine Rolle. Warum hat man denn nicht mit Erdbeben der Stärke 9 oder gar 10 gerechnet und mit Monsterwellen. Hätte das vielleicht die Baukosten verzehnfacht? Aus mit billigen Strom und Aus für die Kerntechnologie, welche einfach unter ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten nicht beherrschbar ist. Wir brsuchen den Ausstieg aus diesem Irrweg.

SeriousSam

14.03.2011, 17:20 Uhr

"schreckliches Versagen der Ingenieure"? Ingenieure haben, wie stets, das Optimum dessen entwickelt und gebaut, was innerhalb der ihnen von Politik und Controllern gesetzten Grenzen möglich war. Die Schuld 'den Ingenieuren' zuzuschustern ist schlicht abseitig.

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