Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2011

14:45 Uhr

Energieversorgung

36 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich

VonMaria Haensch

Werden die sieben ältesten Atommeiler abgeschaltet, bedeutet das mehr Strom aus Kohle und Gas - und damit Millionen Tonnen zusätzliches CO2 in der Atmosphäre. Ein Szenario der möglichen künftigen Belastung haben Experten jetzt erarbeitet.

Luftaufnahme des Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) im Landkreis Karlsruhe gehört zu den sieben Kraftwerken, die vorläufig vom Netz genommen wurden. Wie viel zusätzlicher CO2-Ausstoß es bedeuten würde, blieben sie sieben Meiler dauerhaft außer Betrieb hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft berechnet. Quelle: dapd

Luftaufnahme des Kernkraftwerk Philippsburg (KKP) im Landkreis Karlsruhe gehört zu den sieben Kraftwerken, die vorläufig vom Netz genommen wurden. Wie viel zusätzlicher CO2-Ausstoß es bedeuten würde, blieben sie sieben Meiler dauerhaft außer Betrieb hat die Forschungsstelle für Energiewirtschaft berechnet.

Düsseldorf36 Millionen Tonnen pro Jahr - so hoch könnte die zusätzliche CO2-Belastung für Deutschland ausfallen, wenn die sieben ältesten Atommeiler abgeschaltet bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Demnach würden pro Jahr 53,1 Terrawattstunden in der Stromproduktion fehlen, was etwa sieben Prozent der Leistung konventioneller Kraftwerke in Deutschland entspricht.

Am wahrscheinlichsten ist es laut FfE, dass diese Menge zu zwei Dritteln mit Kohle- und einem Drittel mit Erdgas-Kraftwerken wieder aufgefangen werden müsste. Der Regierung entginge dabei pro Jahr eine Summe von etwa 900 Millionen Euro durch die Kernbrennstoffsteuer, den Kraftwerksbetreibern etwa 1,2 Milliarden Euro an Gewinn. Bis erneuerbare Energien die Produktionslücke abdecken könnten, würden sich die energiebedingten CO2-Emissionen um etwa fünf Prozent erhöhen. Deutschland müsste in Kauf nehmen, dass etwa so viel Kohlenstoffdioxid zusätzlich in die Atmosphäre gelangt, wie Neuseeland in einem ganzen Jahr einbringt.

Die Ergebnisse solcher Berechnungen vertragen sich schlecht mit Umwelt- und Klimaschutz. Sie sollen jedoch realistisch sein, sagt der Geschäftsführer der FfE, Wolfgang Mauch: "Erdgas ist als Rohstoff einfach teurer als Kohle und deshalb wird man wahrscheinlich mehr Kohle einsetzen."  Die erneuerbaren Energien seien erst langfristig gesehen so weit, den Bedarf zu decken.

AKW- und Kohle-Gegner wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) zweifeln das allerdings an. Rüdiger Rosenthal vom BUND: "Das sind die Verteidigungsstrategien der Atomlobby." Wenn allerdings, wie der BUND fordert, noch mehr AKW abgeschaltet würden, müsse man schnellstmöglich Ersatzkapazitäten schaffen. "Wir müssten die erneuerbare Energien beschleunigt ausbauen, moderne Gaskraftwerke errichten - und vielleicht muss man für eine ganz kurze Zeit auch auf Kohlekraftwerke mit einem hohen Wirkungsgrad zurückgreifen." Mittelfristig könne man die Kohle dann wieder ersetzen, bis maximal 2020.

Beim Energieversorger Eon sieht man solche Prognosen eher skeptisch. Wie viel Strom bis wann durch was ersetzt werden könne, sei bisher gar nicht prognostizierbar, so Eon-Sprecher Carsten Thomsen-Bendixen. "Wenn wir diese AKW von heute auf morgen weg nähmen, dann müssten wir dauerhaft Strom aus dem Ausland dazu kaufen und schleunigst neue Kraftwerke bauen. Da sind wir auf die Konzeption der Bundesregierung gespannt".

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

CO2FREAK

28.03.2011, 15:24 Uhr

Welche eine Freude für die Natur.
Die Pflanzen können sich endlich mal wieder satt essen und hoffentlich verhungern jetzt ein paar Menschen weniger!

dirschauer

30.03.2011, 08:57 Uhr

Den Damen und Herren Wissenschaftlern - und auch der Autorin des Artikels - sollte doch eigentlich bewußt sein, dass unter dem Europäischen Emissionshandelssystem die CO2-Mengen festgelegt sind. Durch den Nichtbetrieb der KKW wird daher in Summe weder in noch durch Deutschland mehr CO2 emittiert. Es verschiebt sich lediglich der Anteil der "genehmigten" deutschen Emissionen zu Lasten der Nicht-Stromsektoren. Und es steigt der CO2-Zertifikatepreis, ebenso wie der Strompreis, beides gut an den entsprechenden Börsen abzulesen.

Account gelöscht!

30.03.2011, 12:08 Uhr

warum soll die CO2-Emission steigen, wenn das der Atomstrom ist, der eh nur exportiert wird?
warum kostet an windreichen Tagen der Strom an der Leipziger Strombörse bisweilen 0 (Null!) Cent/kWh - wird also verschenkt?
warum werden dann Windräder abgeschaltet?
Damit der Atomstrom das Klima schützen kann?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×