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07.06.2013

11:09 Uhr

Energieversorgung

Stromrebellen wollen Netze übernehmen

Das größte Stromnetz Deutschlands steht zum Verkauf. Doch wer soll die Berliner Leitungen übernehmen? Eine neue Generation Stromrebellen will „Vattenfall den Stecker ziehen“ - und macht etablierte Unternehmen nervös.

Die Rekommunalisierung der Stromnetze liegt im Trend: Seit 2007 übernahmen mehr als 200 Gemeinden Konzessionsverträge von privaten Energiekonzernen. dpa

Die Rekommunalisierung der Stromnetze liegt im Trend: Seit 2007 übernahmen mehr als 200 Gemeinden Konzessionsverträge von privaten Energiekonzernen.

BerlinDer Gegner legt sich mächtig ins Zeug. Auf Berliner Plakatwänden singt ein brünettes Mädchen für den Stromkonzern Vattenfall ins Spülbürsten-Mikro. Die Botschaft: „Berlin hat viele Talente. Unseres ist Strom.“

Zeitungsanzeigen, Plakate, markige Sprüche. Man könnte meinen, der Stromriese werde nervös. Denn engagierte Berliner wollen ihm Deutschlands größtes Stromnetz aus der Hand reißen. Und auch das Hamburger Netz droht er zu verlieren.

„Vattenfall den Stecker ziehen“, tragen die Stromrebellen auf dem Berliner Alexanderplatz auf der Brust. Sie sammeln Unterschriften für ein Volksbegehren. „Gut, dass Sie hier stehen“, stürzt eine ältere Frau auf Anke Wagner zu. „Ich hab noch zwei Listen gefunden.“ Die sind noch nicht ganz voll, aber trotzdem gern gesehen.

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Die Unterzeichner wollen, dass das Land das Netz ab 2014 wieder in eigene Hände nimmt und Ökostrom anbietet. Mindestens 183.000 Stimmen haben sie schon - rund 173.000 davon müssten gültig sein, damit am Tag der Bundestagswahl abgestimmt wird.

Für den gleichen Tag ist auch in Hamburg ein Volksentscheid anberaumt. Auch hier droht Vattenfall seine Anteile am Stromnetz an das Land zu verlieren. Kämen die Initiativen in den beiden größten deutschen Städten durch, könnte das richtungsweisend für Konzessionsentscheidungen in Dutzenden anderen Städten sein.

„Das wäre auch ein interessantes Signal an eine neue Bundesregierung“, sagte Energietisch-Sprecher Stefan Taschner. Schon jetzt jedenfalls ist Rekommunalisierung im Trend: Nach Zahlen des Verbands kommunaler Unternehmen übernahmen seit 2007 mehr als 200 Gemeinden Konzessionsverträge von privaten Energiekonzernen.

Kommentare (7)

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HofmannM

07.06.2013, 11:39 Uhr

Was wollen diese Bürger mit einem Stromnetz?! Haben von der Technik und der Wirtschaft keine AHNUNG und wollen hier im Großkapital und Großtechnik Bereich mitspielen. Ich kann nur jeden "verblendeten" NOCH VERNUNFT und VERSTAND Bürger-Rebell raten, seine Ersparnisse anderweitig zu investieren bzw. sein Wohlstands-Leben für die heraufziehende Ökosozialistische DUNKLE Wohlstandsvernichtungszeit noch mehr ab zu sichern. Diese sozialistsichen Ökologieträumerein einer Energiewende werden das "noch" deutsche Wohlstandsgefühl in ein Armutgefühl einer diktierten Mangelgesellschaft umwandeln!

vandale

07.06.2013, 13:19 Uhr

Die grossen Versorger RWE und EON haben sich in weiser Vorraussicht von den Netzen getrennt.
Millionen Erzeuger speisen hochsubventionierten Oekostrom entsprechend den Launen des Wetters ein. Irgendwelche Verantwortung für die Netzstabilität tragen diese Erzeuger nicht.

Der Netzbetreiber muss sicherstellen, dass Stromverbrauch und Stromeinspeisung in jedem Augenblick im Gleichklang befindet. Andernfalls kann eine kurze Frequenzschwankung auf 50,5 Hz zu einem Netzzusammenbruch führen.

Die Netzbetreiber sind verpflichtet den eingespeisten Strom, auch wenn dieser abseits der heutigen Einspeisepunkte, z.B. in Norddeutschland eingespeist wird und in Rhein-Main benötigt wird, einzuspeisen. Hohe Investitionen sind zu tätigen.

Politisch ist der Netzbetreiber immer der Böse der nicht vorhersah dass eben kein Wind wehte, etc..

Ich meine, dass der Betrieb eines Stromnetzes in Deutschland in Zukunft nicht unbedingt erstrebenswert ist.

Vandale

Joerg_Duerre

08.06.2013, 09:53 Uhr

Lieber Vandale,

sie waren in ihren Bemerkungen auch schon präziser.

Die Stromkonzerne haben die ÜBERTRAGUNGS-Netze verkauft. Nicht verkauft wurden die Verteilnetze; und diese regulierten Bereiche bringen richtig Geld für die Monopolisten.

Korrekt ist, dass neue Ökostromanlagen (abgesehen von teuer subventionierter Offshore Windkraft) Strom in die Verteilnetze einspeisen und zwar zu Preisen unterhalb der Endkundenpreise z.B. fast 25% billiger als RWE Preis von 28,99.

Die Übernahme der Netze durch Gesellschaften mit echter Verantwortung für die Energiewende würde bedeuten, diese Netze für die maximale Aufnahmefähigkeit von regionalem Ökostrom zu ertüchtigen. Das erspart den Bau von Leitungen und vermeidet Transportverlustverschwendung.

Der Umbau der jetzigen zentralistischen Netztopologie auf ein dezentrales Modell hätte weitreichende Chancen.
Zur Vermeidung von dauerhaften Konflikten um Erdgas mit Syrien, Iran, Russland und wem sonst noch, ist die vernünftigste Strategie eine Stärkung der Souvereignität. Das funktioniert mit möglichst geringem Einsatz latent unsicherer, fossiler Rohstoffe. Die einfachste Umsetzung dazu ist und bleibt meiner Meinung nach regionaler Ökostrom.

In dem Punkt des Verkaufs der Übertragungsnetze gebe ich ihnen Recht. Das war schlau - gerade weil der Wert dieser Leitungen durch die künftige dezentrale Struktur entwertet wird.

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