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01.07.2012

14:40 Uhr

Energiewende

Bahntrassen nur bedingt für Stromtransport geeignet

Wie kann der Ökostrom vom Norden in den Süden gelangen? Expertengremien bereitet diese Frage seit Jahren Kopfzerbrechen. Eigentlich sollten die Netze der Bahn den Durchbruch bringen - doch es gibt praktische Hürden.

Gleisanlagen eignen sich nur bedingt für den Transport von Ökostrom. dpa

Gleisanlagen eignen sich nur bedingt für den Transport von Ökostrom.

BerlinBeim Bau großer Stromautobahnen können bestehende Trassen der Deutschen Bahn einem Medienbericht zufolge nur zum Teil genutzt werden. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“ unter Berufung auf ein Gutachten im Auftrag der Bundesnetzagentur. Es gebe deutliche Einschränkungen bei der Nutzung von Bahntrassen. Hierauf hatten auch die Netzbetreiber jüngst bei der Vorstellung des Ausbauplans hingewiesen, der 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen bis 2022 vorsieht, um Windstrom vom Norden in den Süden zu bekommen. Eine Einbeziehung der Bahntrassen könnte aber den Flächenbedarf stark reduzieren, zudem könnte so der Bürgerprotest kleiner ausfallen.

Der Aufwand, die Bahnstromtrassen in den Netzausbau einzubeziehen, wäre groß, heißt es dem Gutachten zufolge. Das rund 7750 Kilometer lange Stromnetz der Deutschen Bahn wird mit 16,7 Hertz betrieben, einem Drittel der üblichen Frequenz. Damit ist es für die herkömmliche Stromdurchleitung eigentlich ungeeignet, aber Trassen könnten zu einer parallelen Aufrüstung mit Hoch- oder Höchstspannungsleitungen für den Ökostromtransport genutzt werden.

Das Bahnstromnetz ist vor allem ein Verteiler- und Ausgleichsnetz, es stellt die Verbindung einer Vielzahl von Erzeugerstandorten mit den Unterwerken an den Strecken her. Eine großräumige Übertragung massiver Strommengen findet daher bislang so gut wie nicht statt. Die Gutachter kommen daher zu dem Ergebnis, dass eine Parallelführung von Bahn- und Hochspannungsleitungen in erster Linie auf kürzeren Strecken bis etwa 50 Kilometer machbar sei.

Eine ebenfalls mögliche Alternative sei eine Verlegung von Erdkabeln im Trassenraum der Bahn. Das sei aber sehr teuer. Sie schlagen daher mit Blick auf wirtschaftliche Gesichtspunkte Freileitungen von Bahn- und öffentlichem Strom auf gemeinsamen Masten vor. Dafür seien aber „innovative Mastsysteme“ notwendig.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

01.07.2012, 18:06 Uhr

Durch die Nichtumsetzung von EU-Recht in nationales Recht muss Deutschland im Falle der Vorratsdatenspeicher 360.000 € Strafe zahlen. Und zwar je Tag. Also heute, morgen, übermorgen,...etc.
Deutschland hat sich auch zur Energie-Effizienz-Richtlinie verpflichtet. Bis 2020 sollen 20% des Energieverbrauchs eingespart werden. Andere Länder werden dies schaffen. Deutschland nimmt mit den besten technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen den letzten Platz ein. Nicht weil wir nicht können, sondern weil wir das Thema aussitzen und am Ende halt Strafe zahlen. Wer denk da schon an kommende Generationen und Schuldenabbau? Im Jahr 2010 betrug der Anteil der Kernenergie etwas mehr als 22 %. Dass heißt nichts anderes als wenn die Regierung nur ihren zugesagten Verpflichtungen bei der Reduzierung des Energieverbrauches nachkommen würde, könnten alle AKW´s abgeschaltet werden. Es bräuchte keine weiteren Aufwendungen für Windräder, Leitungstrassen, neue Kohlemeiler und die vielen anderen Säue die mittlerweile täglich von Politikern durchs Dorf getrieben werden.
Dazu wird es nicht kommen weil damit deutlich würde, wie viel Unterhaltungsarbeit in Politik steckt.

Account gelöscht!

01.07.2012, 20:25 Uhr

Es ist doch belanglos, unter welchem Etikett Deutschland künftig verarmt.

vandale

02.07.2012, 17:00 Uhr

Denkmal..ich halte es für unrealistisch dass allzu viele der Europäischen Staaten ihren Stromverbrauch bis 2020 reduzieren werden. Möglicherweise Griechenland und Portugal wenn Deutschland das Geld ausgeht.

Der Wohlstand der Industriestaaten beruht auf der grosszügigen Nutzung fossiler Energie. Eine Reduzierung des Stromverbrauchs um 20% kann man durch Wohlstandsreduzierung erreichen, oder indem man energieintensive Betriebe in weniger ökoreligiös gestimmte Länder verlagert. Damit beschwindelt man sich jedoch in erster Linie selber.

Ich vermute Ihnen schwebt eine ziemlich feudalistische Gesellschaft vor in der sich nur mehr wenige Solarkönige und Oekofunktionäre eine unterbrechungsfreie Stromversorgung, oder Automobile leisten können.

Vandale

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