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14.04.2011

12:31 Uhr

Energiewende

WWF bezweifelt größere Atomstromimporte

Nach Ansicht des Umweltschutzverbands WWF führt das Moratorium für deutsche Kernkraftwerke nicht zu einem vermehrten Import von Atomstrom aus dem Ausland.

Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg. Nach dem Atom-Moratorium der Bundesregierung ist der Block I des Kraftwerks seit dem 17. März 2011 vom Netz. Quelle: dpa

Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg. Nach dem Atom-Moratorium der Bundesregierung ist der Block I des Kraftwerks seit dem 17. März 2011 vom Netz.

BerlinDeutschland muss nach der vorübergehenden Stilllegung alter Kraftwerke offenbar nicht auf Atomstrom aus dem Ausland zurückgreifen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom WWF vorgelegte Analyse der deutschen Stromhandelsbilanz. "Die Befürchtung, ein Atomausstieg in Deutschland verlagere das nukleare Risiko, weil die nukleare Energieerzeugung in den Nachbarländern ausgebaut würde, lässt sich mit den aktuellen Entwicklungen auf den Strommärkten nicht belegen", sagte Regine Günther, Leiterin des Bereichs Energiepolitik und Klimaschutz beim WWF Deutschland, am Mittwoch in Berlin.

Die WWF-Analyse , die vom Öko-Institut erstellt wurde, zeigt, dass nach Herunterfahren der Kernkraftwerke Mitte März etwa 4.000 Megawatt Strom weniger exportiert und etwa 2.000 Megawatt aus Tschechien und Frankreich mehr importiert wurden. Allerdings könne aufgrund der vorliegenden Daten ausgeschlossen werden, "dass es sich bei diesen erhöhten Stromeinfuhren um zusätzliche Produktionsmengen in ausländischen Kernkraftwerken handelt", heißt es in dem Gutachten. Vielmehr stamme der Strom aus Kraftwerken, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten.

Zugleich heißt es in der Analyse, dass die Schwankungen der zurückliegenden Wochen keineswegs ungewöhnlich seien. Ähnliche Entwicklungen seien auch in den Vorjahren immer wieder beobachtet worden. Auch stünden den erhöhten Importen ausreichende freie Kraftwerkskapazitäten in Höhe 5.000 bis 8.000 Megawatt gegenüber. Es sei daher möglich, die deutschen Atomkraftwerke bis 2017 abzuschalten. Weder die Klimaschutzziele noch die Versorgungssicherheit seien dadurch gefährdet. Auch seien die zu erwartenden Preiseffekte überschaubar.

Von

dapd

Kommentare (4)

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Searge

14.04.2011, 13:49 Uhr

Eine andere Aussage war bei den vom WWF verfolgten Zielen auch nicht zu erwarten. Fakt ist, dass Deutschland zum Importeur von Strom geworden ist und das man dem Strom nicht "ansehen" kann, wie er produziert wurde. Insofern kann also nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Atomstrom handelt. Der WWF muß aufpassen, dass er seine Glaubwürdigkeit nicht der Ideologie opfert.

Stefan

14.04.2011, 14:12 Uhr

Deutschland produziert immer noch mehr Strom als es braucht, wenn auch (nach der Abschaltung der 7 Meiler) nicht mehr viel mehr. Das trotzdem Strom importiert wird liegt daran, dass er in Frankreich (vermeintlich) günstiger zu haben ist.

CWOLF

14.04.2011, 18:17 Uhr

Der WWF behauptet also, dass der Klimaschutz nicht gefaehrdet wird, wenn man statt CO2-freiem Atomstrom jetzt Strom aus Kohle und Gas erzeugt? Prima. Dann schalten wir doch gleich mal alle Sonnenkollektoren und Windkraftanlagen ab, die ja auch CO2-frei sind, und verbrennen noch mehr Kohle. Gefaehrdet ja nicht den Klimaschutz...

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